Nervöser Aktienmarkt Dax rutscht kurzzeitig unter 6000-Punkte-Marke

Die Sorge um Griechenland hat den Dax in die Tiefe rauschen lassen: Gegenüber dem Vortag stürzte der deutschen Aktienindex um 2,6 Prozent auf knapp über 6000 Punkte ab - zwischenzeitlich lag er sogar unter dieser Marke. Zudem sank der Euro auf ein neues Jahrestief.

Frankfurter Börse: Dax verliert 2,6 Prozent bis zum Handelsschluss
REUTERS

Frankfurter Börse: Dax verliert 2,6 Prozent bis zum Handelsschluss


Frankfurt - Sorgen über Ausmaß und Folgen der Griechenland-Krise haben am Dienstag zu teils heftigen Kursstürzen am deutschen Aktienmarkt geführt. Der deutsche Leitindex Dax Chart zeigen fiel zeitweise unter 6000 Punkte. Er ging mit einem Minus von 2,6 Prozent und 6006 Punkte aus dem Handel. Auch der Nebenwerteindex MDax Chart zeigen rutschte ins Minus. Er verlor 3,3 Prozent auf 8148 Punkte. Der Technologieindex TecDax Chart zeigen verlor 2,7 Prozent auf 789 Zähler.

"Die Finanzmisere Griechenlands holte die Anleger an diesem Tag wieder ein und es kam zu teilweise panischen Reaktionen", sagte Analyst Mark Rohles von IG Markets. Für Unruhe habe insbesondere eine Meldung gesorgt, wonach der griechische Bedarf an Finanzhilfen mit dem derzeit beschlossenen Umfang von 110 Milliarden Euro bis Ende 2012 nicht gedeckt sei, sagte er. Die Griechen selbst wollen zudem gekürzte Löhne, massive Steuererhöhungen und Einstellungsstopps im Staatsdienst nicht einfach hinnehmen. Streiks und Proteste sind die Folge, am Mittwoch soll es zu noch größeren Aktionen kommen.

Diese Hiobsbotschaften belasteten nahezu alle Dax-Werte. Nur die Aktie des Konsumgüterherstellers Beiersdorf Chart zeigen verbuchte ein kleines Plus von 0,12 Prozent. Die Unsicherheit ließ somit eine Reihe erfreulicher Quartalsbilanzen zur Nebensache werden.

"Das ist kompletter Irrsinn"

Kräftige Verluste geb es auch an den Handelsplätzen anderer europäischen Staaten: Neben der Börse in Athen, deren Leitindex 6,7 Prozent einbrach, standen auch die Aktienmärkte in Madrid und Lissabon unter Druck. Dort rutschten die Leitindizes um 5,4 beziehungsweise 4,5 Prozent ab.

Spekulationen über drohende finanzielle Schwierigkeiten Spaniens wies der spanische Ministerpräsident José Luis Zapatero entschieden zurück. Er habe von Gerüchten am Finanzmarkt gehört, Spanien wolle nach Griechenland ebenfalls Finanzhilfe von den anderen Euro-Länder beantragen, sagte Zapatero in Brüssel. "Das ist kompletter Irrsinn", sagte der Regierungschef. Der spanische Staat verfüge über eine starke Zahlungsfähigkeit und die Wirtschaft des Landes sei auf Erholungskurs.

Euro fällt auf Jahrestief

Angesichts der anhaltenden Unsicherheit in der Eurozone ist der Kurs des Euro am Dienstag erstmals seit April 2009 unter die Marke von 1,31 US-Dollar gefallen. Die europäische Gemeinschaftswährung sank bis auf 1,3026 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Nachmittag noch auf 1,3089 (Montag: 1,3238) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,7640 Euro.

"Die Unsicherheit am Devisenmarkt ist trotz des am Wochenende vereinbarten Rettungspaketes für Griechenland immer noch da", sagte Viola Stork Devisenexperten bei der Landesbank Hessen-Thüringen. Es gebe weiterhin die Angst, dass die Krise auf weitere Länder wie Portugal und Spanien übergreifen könnte. Dies zeigten die immer noch hohen Risikoaufschläge für Anleihen dieser Länder.

"Positive Meldungen gehen in diesem Umfeld unter", sagte Stork. So hat die Ratingagentur Fitch ihr Rating für Spanien bei der Bestnote "AAA" belassen. In der vergangenen Woche hatte noch eine Herabstung durch die Ratingagentur Standard & Poor's auf "AA" die Märkte belastet. Auch Konjunkturdaten spielen laut Stork kaum eine Rolle. Sowohl die guten Daten aus den USA aber auch aus der Eurozone würden weitgehend ignoriert. Der Eurokurs werde durch die steigende Risikoaversion belastet. Die Schwankungsanfälligkeit am Devisenmarkt bleibt hoch.

wit/apn/dpa/Reuters



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Der Pragmatist 05.05.2010
1. Die Boerse weiss, was los ist
Zitat von sysopDie Sorge um Griechenland hat den Dax in die Tiefe rauschen lassen: Gegenüber dem Vortag stürzte der deutschen Aktienindex um 2,6 Prozent auf knapp über 6000 Punkte ab - zwischenzeitlich lag er sogar unter dieser Marke. Zudem sank der Euro auf ein neues Jahrestief. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,693030,00.html
Das beweist wieder einmal dass die Finanzleute vieler besser wissen, was wirklich auf Europa (und die Welt) zukommt. Die Politiker heben zwar die Glaeser und klopfen sich gegenseiting auf die Schultern fuer die "gute" Loesung der Griechenkrise. Die Finanzleute in Frankfurt, London und New York haben eine andere Meinung ueber dieses Debakel von 110 Milliarden Euro. Wetten, dass es mindestens das dreifache kosten wird? Wetten, dass in Kuerze auch Spanien und Portugal in Bruessel an die Tuer klopfen und um eine kleine Gabe bitten? Pragmatist
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