Hedgefonds Third Point Aggressiver Investor setzt Nestlé unter Druck

Nestlé muss sich mit einem unbequemen Investor auseinandersetzen. Der Hedgefonds Third Point ist mit drei Milliarden Euro bei dem Lebensmittelkonzern eingestiegen - und verlangt strategische Veränderungen.

Nestlé-Produkte an einem Marktstand in Indien
AP

Nestlé-Produkte an einem Marktstand in Indien


Der weltgrößte Lebensmittelhersteller Nestlé ist ins Visier des aktivistischen Investors Daniel Loeb geraten. Der von dem 55-jährigen Amerikaner geführte Hedgefonds Third Point investierte rund 3,5 Milliarden Dollar in circa 40 Millionen Nestlé-Aktien, wie der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge aus einem Brief an die Investoren hervorgeht. Third Point hält damit rund 1,25 Prozent an dem Schweizer Unternehmen.

Der Hedgefonds wird in der Finanzwelt zu den sogenannten aktivistischen Investoren gezählt, die gezielt Einfluss auf Firmenentscheidungen nehmen wollen und mitunter aggressiv auftreten. Zuletzt hatte ein Medienbericht über einen Einstieg von Third Point bei Philips den Aktienkurs des Medizintechnikkonzerns beflügelt.

Da Investoren wie Loeb oder Paul Singer in der Öffentlichkeit Druck auf die Unternehmensführung ausüben und oft andere Anleger hinter sich bringen, können sie auch mit einem relativ kleinen Aktienpaket Einfluss auf Entscheidungen nehmen.

Bei Nestlé Chart zeigen hat Loeb offenbar vor allem den 23-prozentigen Anteil am französischen Konsumgüterkonzern L'Oréal im Visier. Dieser ist an der Börse derzeit rund 24 Milliarden Euro wert. Loeb verlangt von Nestlé, den Anteil zu verkaufen und das Geld überwiegend in Aktienrückkäufe zu stecken. Zudem sollen die Schweizer ihr Portfolio straffen und die Rendite steigern. Der neue Nestlé-Chef Ulf Mark Schneider hat zuletzt das Süßigkeitengeschäft in den USA auf den Prüfstand gestellt.

Der Lebensmittelkonzern reagierte gelassen auf den Einstig des US-Hedgefonds. "Wie üblich führen wir einen offenen Dialog mit allen unseren Aktionären", sagte ein Sprecher am Montag. Nestlé wolle weiterhin die bestehende Strategie umsetzen und langfristig Wert für die Aktionäre schaffen. Darüber hinaus gebe der Konzern keinen Kommentar ab.

Loebs Hedgefonds Third Point war bisher vor allem für Investitionen in amerikanische und japanische Firmen wie Yahoo Chart zeigen oder Sony Chart zeigen bekannt. In einem Brief an seine Anleger von Ende April hatte der Investor aber bereits angekündigt, dass er nach Investitionsmöglichkeiten in Europa Ausschau hält.

nck/Reuters/dpa

insgesamt 28 Beiträge
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joking_hazard 26.06.2017
1. Rendite steigern, koste es was es wolle
Rendite steigern heisst das mehr Gelder aus dem Unternehmen an die Anleger abfliessen soll. Dazu gibt es nur zwei Möglichkeiten: Erträge steigern und Kosten senken. Erträge steigern ist schwer (Preiserhöhung, Absatz steigern), Kosten senken schon einfacher (Arbeitsplätze abbauen, Zulieferer im Preis drücken, Steuern vermeiden). Und wenn dann die Anleger mehr Rendite vom Unternehmen bekommen, fehlt dieses Geld natürlich für Investitionen und bessere Bezahlung der Arbeitnehmer. Die Anleger werden immer reicher und mächtiger, aber Anlagekapital ist nun mal nicht nachfragewirksam und wird nicht konsumiert, es sammelt sich nur an. Wie bei Monopoly, irgendwann ist der Punkt erreicht an dem alles Geld sich bei einem Spieler gesammelt hat. Und dann? Richtig, Game Over.
wekru 26.06.2017
2. das sind keine Investitionen
sondern profitable Machtspiele. Die Zukunft der betroffenen Unternehmen ist bei dieser Art des Ausplünderns egal. Die Unternehmen sind Angriffsziele. Entsprechend sollte man die Angreifer auch nicht als "Investoren" bezeichnen, sondern als Krieg führende Organisationen auf dem Finanzmarkt. Wenn ich nach geeigneten Begriffen suche, erscheint mir die Piraterie vergleichbar. Diese "Seefahrer" kapern fremde Handelsschiffe um deren Werte zu rauben. Die eingesetzten Gelder sind ihre Waffen zum Zwecke des Raubes und keine Mittel für eine wertsteigernde wirtschaftliche Aktivität. Also benennt das bitte in klarer Abgrenzung entsprechend anders, damit auch sprachlich klar ist wo der Hammer hängt. Wenn sich Zecken an einem Wirtstier fest setzen, dann schaut man auch wie man die wieder los wird und den Schaden begrenzt. Genau das ist, was Nestlé jetzt als Thema vor sich hat und man kann nur wünschen, dass es den Schweizern gelingt.
noalk 26.06.2017
3. Investor?
Kurzfristig Geld abschöpfen. Das ist die Devise. Durch Aktienrückkäufe wird der Kurs steigen. Der Verkauf von L'Oréal wird auch noch mal liquide Mittel generieren, die Loeb anteilmäßig einsacken wird. Danach wird er seine Aktien wieder abstoßen, mit ordentlichhem Gewinn. Und #1 hat natürlich auch recht.
dbrown 26.06.2017
4. Ha!
Es täte mir um Nestle in der Tat nicht leid. Diese Firma geht ja selber auch über Leichen, denen ist doch alles egal, Geld ist alles! Wurde Zeit, daß denen mal einer Dampf unterm Kessel macht!!
cobaea 26.06.2017
5.
Zitat von dbrownEs täte mir um Nestle in der Tat nicht leid. Diese Firma geht ja selber auch über Leichen, denen ist doch alles egal, Geld ist alles! Wurde Zeit, daß denen mal einer Dampf unterm Kessel macht!!
...damit sie noch aggressiver wird und noch weniger auf Umwelt- und Sozialstandards achtet? Was ist denn das für eine Logik?
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