Versorgungskrise Nestlé kündigt außerordentliche Babymilch-Lieferungen für die USA an

Muttermilchersatz ist in den USA derzeit knapp, viele Eltern sind in Panik. Der Schweizer Konzern Nestlé beschleunigt nun die Lieferungen von Babynahrung – per Flugzeug.
Leeres Regal für Milchpulver in einer Drogerie in Texas am 10. Mai

Leeres Regal für Milchpulver in einer Drogerie in Texas am 10. Mai

Foto: Kaylee Greenlee Beal / REUTERS

Angesichts des akuten Mangels an Babymilch in den USA hat der Lebensmittelkonzern Nestlé außerordentliche Lieferungen aus der Schweiz und den Niederlanden angekündigt. Säuglingsnahrung wie Alfamino aus der Schweiz oder Gerber Good Start Extensive HA aus den Niederlanden wird neuerdings teils extra über den Luftweg geschickt, damit sie schneller ankommt.

»Wir haben diesen Produkten Priorität eingeräumt, weil sie einem wichtigen medizinischen Zweck dienen«, sagte eine Konzernsprecherin. Es gehe speziell um zwei Marken hypoallergener Milch, da der Mangel in den USA besonders Eltern von Kindern mit Kuhmilcheiweiß-Unverträglichkeit belaste.

Gleichzeitig hat Nestlé nach Angaben der Sprecherin auch die Kapazitäten in den Fabriken ausgelastet und das System optimiert, um mehr produzieren zu können. Nestlé sei jedoch nur ein kleiner Akteur auf dem Markt für Säuglingsnahrung in den USA.

Import erleichtert, US-Fabrik produziert wieder

In den vergangenen Wochen hatte es in einigen Regionen der USA Lieferschwierigkeiten bei Babymilch gegeben. Die Lieferketten waren zunächst wegen eines Mangels an Arbeitskräften wegen der Coronapandemie beeinträchtigt, auch Verpackungen waren knapp. Im Februar musste dann zudem das Unternehmen Abbot – Marktführer im US-Babymilchgeschäft – seine größte Fabrik für Babymilch vorübergehend schließen, weil es Hinweise auf Verunreinigungen gab.

Grund war zunächst der Tod von zwei Babys. Der Verdacht, dass die Todesfälle auf belastete Babymilch zurückzuführen sind, erhärtete sich zwar nicht. Die US-Arzneimittelbehörde (FDA) entdeckte aber Unregelmäßigkeiten, woraufhin die Fabrik geschlossen blieb. Angesichts leerer Regale suchten in den USA zuletzt zahlreiche Eltern verzweifelt nach Nahrung für ihre Kinder .

Am Montag erlaubten die Behörden schließlich die Wiedereröffnung. Wegen des Mangels hatte die FDA auch den Import von Säuglingsnahrung in die USA vereinfacht. Dadurch sollen Anbieter einfacheren Zugang zum US-Markt bekommen. Normalerweise werden laut der Behörde 98 Prozent der verbrauchten Säuglingsnahrung im Inland hergestellt.

apr/AFP/AFX