#FragNestlé Nestlé erntet Spott und Häme für Fragespiel auf Twitter

Auf Konzerne, die sich in sozialen Netzwerken anbiedern, reagieren Nutzer besonders kritisch. Der Nahrungsmittelkonzern Nestlé hat eigens den Twitter-Hashtag #FragNestlé gekauft und erlebt jetzt einen Sturm hämischer Fragen - könnte aber trotzdem einen PR-Coup landen.
Screenshot der Twitter-Aktion #FragNestlé: Peinlich oder schlau?

Screenshot der Twitter-Aktion #FragNestlé: Peinlich oder schlau?

Foto: Nestle

Eigentlich ist der Termin goldrichtig, um das angeschlagene Image ein wenig aufzupolieren: Am Montagabend sendet die ARD die kritische Dokumentation "Nestlé-Check". Die Marketingabteilung des Schweizer Lebensmittelmultis agierte vorausschauend und kaufte sich das Trending Topic #FragNestlé. Die Idee: Nutzer können den Konzern all das fragen, was sie immer schon wissen wollten. Und das tun sie - kritisch, hämisch, bissig.

Es sind vor allem drei Themen, die die Twitter-Nutzer bewegen und die sie Nestlé entgegenschleudern: Die Wasserrechte, die sich der Konzern in vielen Ländern gesichert hat und über die bereits einige kritische Dokumentarfilme gezeigt wurden.

Das zweite Thema ist Palmöl, für dessen Herstellung große Flächen Regenwald gerodet werden. Der Konzern nutzt den Rohstoff in zahlreichen Produkten. Auf Twitter wird dieser Punkt besonders leidenschaftlich kommentiert - und von Nestlé Punkt für Punkt beantwortet.

Das dritte Thema sind die umstrittenen Kaffeekapseln Nespresso - viele Nutzer kritisieren die Verwendung von Aluminium und die große Menge an Müll für kleine Mengen Kaffeepulver.

Zwischen die bösen und kritischen Tweets mischen sich eine ganze Reihe von Posts, die sich über Nestlés Marketingteam lustig machen.

Was auf den ersten Blick wie ein verunglückter PR-Coup aussieht, dürfte gründlich durchdacht sein. Ganz offensichtlich wird das Social-Media-Team von Nestlé nicht überrannt - sondern reagiert. Auf jedes Thema gibt der Konzern eine Antwort, nichts wird verschwiegen. In Teilen wirkt das durchaus souverän:

Natürlich habe man damit gerechnet, dass das Interesse vor dem ARD-Film groß sein werde, gibt Nestlé zu. Der Hashtag #FragNestlé sei Teil des "Dialogangebots", das der Konzern bereits auf seiner Website darstelle . Entscheidend sei, sagte ein Konzernsprecher, "dass jeder, der eine Frage hat, eine fundierte Antwort bekommt". So werde das Team versuchen, jeden Tweet zu beantworten.

Ob die Aktion die Glaubwürdigkeit des weltgrößten Lebensmittelkonzerns erhöht, ist fraglich, nicht alle Fragen werden wirklich beantwortet - beispielsweise die nach der Recyclingquote der Nespresso-Kapseln. Ganz überwiegend äußern die Twitter-Nutzer Spott und Häme - allerdings zeigten sich im Verlauf des Nachmittags auch einige vorsichtig positive Stimmen.