Streamingdienst Netflix-Chef hält klassisches Fernsehen für Auslaufmodell

Der Streamingdienst Netflix wächst mit atemberaubendem Tempo. Angesichts des Erfolges kann Vorstandschef Reed Hastings auf falsche Bescheidenheit verzichten. Er sagt das Ende des klassischen Fernsehens voraus.

Netflix-Chef Hastings: "Die junge Generation kennt das nicht anders"
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Netflix-Chef Hastings: "Die junge Generation kennt das nicht anders"


Netflix-Chef Reed Hastings prophezeit das Ende des klassischen Fernsehzeitalters. ARD oder ZDF brauche kein Mensch, sagte Hastings der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Das traditionelle Fernsehen werde durch Streamingdienste im Internet ersetzt. "Das Auto hat ja auch das Pferd abgelöst, oder nicht? Die junge Generation kennt das gar nicht anders. Da schaut jeder, wann er Lust und Zeit hat."

Hastings sieht Parallelen zur Entwicklung des Telefons. Natürlich gebe es noch das Festnetz, solche Geräte stünden noch herum, sagte er. "Aber sie benutzt kein Mensch. Alle haben Smartphones."

Er glaube nicht, dass die Deutschen in zehn Jahren noch sonntagabends um 20.15 Uhr vor dem Fernseher säßen, um den "Tatort" zu schauen, sagte der amerikanische Unternehmer, der ehrgeizige Pläne für den Ausbau seines Unternehmens hat. "Unser Ziel ist es, Ende 2016 in allen Ländern der Welt zu sein."

Vollkommen aus der Luft gegriffen scheinen die Ambitionen nicht zu sein, wie die im April veröffentlichten Netflix-Zahlen für das erste Quartal 2015 zeigen. Danach hatte der Videodienst so viele Kunden dazugewonnen wie nie zuvor. Weltweit stieg die Nutzerzahl seit Jahresanfang um rund 4,9 Millionen auf 62 Millionen. Das Plus übertraf die Prognosen deutlich. Netflix Chart zeigen hatte mit einem Zuwachs von vier Millionen Kunden kalkuliert.

Hastings führt das Wachstum der Nutzerzahlen auf die Popularität von Eigenproduktionen zurück. In den vergangenen Monaten startete die dritte Staffel der Polit-Serie "House of Cards" mit Kevin Spacey sowie neue Serien wie "Unbreakable Kimmy Schmidt" und "Bloodline". Im Schnitt nutzen die Kunden den Streamingdienst zwei Stunden täglich.

Netflix investiert massiv in die Produktion eigener Inhalte und verpflichtete unter anderem Adam Sandler für vier Filme. In Deutschland, wo Netflix im vergangenen Herbst an den Start ging, wird "House of Cards" allerdings zunächst beim Bezahlsender Sky gezeigt.

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