Streaminganbieter Netflix verliert Abonnenten – zum ersten Mal seit rund zehn Jahren

Erstmals seit mehr als zehn Jahren muss Netflix ein Quartal mit Kundenschwund verkraften – und auch der Ausblick fällt düster aus. Die Aktie geriet nachbörslich zunächst mit über 25 Prozent ins Minus.
Netflix-Logo am Hollywood-Sitz des Unternehmens

Netflix-Logo am Hollywood-Sitz des Unternehmens

Foto: Lucy Nicholson / REUTERS

Der Streamingmarktführer Netflix hat erstmals seit mehr als zehn Jahren ein Quartal mit Kundenschwund verkraften müssen. In den drei Monaten bis Ende März wurden rund 200.000 Abonnenten abgemeldet, wie das Unternehmen am Dienstag nach US-Börsenschluss mitteilte . Eigentlich hatte Netflix laut eigener Prognose mit einem Zuwachs von 2,5 Millionen Kunden gerechnet.

Die Anzahl der weltweiten Bezahlabos lag dem Bericht zufolge zum Quartalsende bei 221,6 Millionen. Das letzte Mal, dass Netflix ein Quartal mit sinkenden Nutzerzahlen verbuchte, war im Oktober 2011.

Anleger reagierten massiv enttäuscht auf den Quartalsbericht: Die Aktie geriet nachbörslich heftig unter Druck und lag zeitweise mit über 25 Prozent im Minus. Seit Jahresbeginn ist der Kurs bereits um über 40 Prozent gefallen. Der Quartalsbericht setzte nun auch den Aktien von anderen Streaminganbietern wie Walt Disney, Roku und FuboTV im nachbörslichen Handel deutlich zu.

Die Gründe für die schlechten Netflix-Zahlen

Für die schwachen Zahlen machte Netflix unter anderem den Rückzug aus Russland verantwortlich, wo sämtliche Kundenkonten wegen des Angriffskriegs gegen die Ukraine deaktiviert wurden. Dem Unternehmen nach fielen wegen der Maßnahme auf Quartalssicht rund 700.000 Abos weg. Ohne diesen Effekt hätte es einen Anstieg um eine halbe Million Nutzer gegeben.

Außerdem erklärte Netflix, dass die Statistik unter der Mehrfachnutzung von Kundenkonten leide, da viele Abonnentinnen und Abonnenten ihre Passwörter teilten. Das Unternehmen schätzt, dass rund 100 Millionen Haushalte weltweit den Streamingservice nutzen, ohne zu zahlen.

Für den größten Schock am Finanzmarkt sorgte jedoch der Geschäftsausblick. Besonders schlecht kam an der Börse an, dass Netflix angesichts der stärker werdenden Streamingkonkurrenz davon ausgeht, auch im laufenden Vierteljahr Abonnentinnen und Abonnenten zu verlieren. Und dann dürfte das Minus mit rund zwei Millionen Kundenkonten noch stärker ausfallen. Dabei hat der Streamingdienst mit neuen Staffeln von Hitserien wie »Stranger Things« und hochkarätig besetzten Filmen wie »The Gray Man« mit Hollywoodstar Ryan Gosling eigentlich starke Produktionen am Start.

Trotz des jüngsten Rückgangs liegt Netflix weiter deutlich vor der Konkurrenz. Zum Vergleich: Der große Rivale Disney+ hatte Ende 2021 knapp 130 Millionen Kundinnen und Kunden. Doch auch beim Gewinn musste Netflix im abgelaufenen Quartal Abstriche machen: Der Überschuss sank gegenüber dem Vorjahreswert um etwa sechs Prozent auf 1,6 Milliarden Dollar (umgerechnet etwa 1,5 Milliarden Euro). Der Umsatz legte zwar gegenüber dem Vorjahreswert um rund zehn Prozent auf 7,9 Milliarden Dollar zu. Er verfehlte die durchschnittlichen Erwartungen der Analysten aber dennoch knapp.

aar/dpa