Neubesetzungen in Aufsichtsräten Jeder dritte Posten geht an eine Frau

Der Druck der Politik scheint langsam zu wirken: Die Kontrollgremien der 30 größten börsennotierten Unternehmen Deutschlands werden weiblicher. In diesem Jahr haben die Dax-Konzerne jeden dritten freiwerdenden Aufsichtsratsposten mit einer Frau besetzt.


Hamburg - Noch gibt es keine gesetzlich festgelegte Frauenqoute für Spitzenpositionen in der Wirtschaft - doch die Unternehmen reagieren langsam auf die Forderungen der Politik. 25 der 30 Dax-Konzerne haben sich freiwillig eine Frauenquote für ihre Aufsichtsräte verordnet, berichtet die "Financial Times Deutschland".

Und tatsächlich steigt nun die Anzahl der Frauen: Dem Bericht zufolge haben die größten börsennotierten Unternehmen Deutschlands in diesem Jahr jeden dritten freiwerdenden Kontrolleursposten mit einer Frau besetzt. Damit sind allein im Jahr 2011 mehr Frauen neu in Aufsichtsräte eingezogen, als dort vor zwei Jahren insgesamt vorhanden waren. 77 der 500 Kontrolleure sind laut der Zeitung derzeit weiblich, umgerechnet sind das etwas mehr als 15 Prozent.

Das Magazin "Capital" hatte im März berichtet, dass fast alle Dax-Firmen inzwischen Ziele für den Frauenanteil im Aufsichtsrat definiert hätten - mit Ausnahme von Henkel Chart zeigen, Metro Chart zeigen, Fresenius Chart zeigen, Fresenius Medical Care Chart zeigenund HeidelbergCement Chart zeigen. Bei den drei letztgenannten sitzt keine einzige Frau im Kontrollgremium. Immerhin kommen also 25 Unternehmen den Verhaltensregeln des Corporate-Governance-Kodex nach, der seit 2010 eine solche Zielsetzung vorschreibt.

Dessen ungeachtet bleibt der Anteil von Frauen in Führungspositionen sehr niedrig. Den 77 weiblichen Aufsichtsräten stehen laut der "FTD" nur sechs weibliche Vorstandsmitglieder gegenüber, ein Anteil von mickrigen 2,6 Prozent.

Innerhalb der regierenden CDU hatte die Debatte um eine Frauenquote für Top-Positionen Anfang des Jahres zu einem Streit zwischen Familienministerin Kristina Schröder und ihrer Vorgängerin Ursula von der Leyen geführt, in dem die Kanzlerin ein Machtwort sprechen musste. Den Unternehmen wird nun - entgegen der Forderung von der Leyens - keine feste Quote vorgeschrieben, sondern bis 2013 Zeit eingeräumt, um freiwillig Ziele zu definieren. Wenn dies nicht gelingt, soll die sogenannte "Flexi-Quote" kommen: Die Unternehmen würden dann verpflichtet, sich eine solche Marke in einem festen zeitlichen Rahmen zu setzen und über die Fortschritte regelmäßig zu berichten.

Die Wirtschaft begründet den geringen Anteil von Frauen in Führungspositionen häufig damit, dass es zu wenig qualifizierte Bewerberinnen gebe, insbesondere solche mit naturwissenschaftlichem Hintergrund. Die "FTD" vermutet, deshalb könnten bei den diesjährigen Neubesetzungen von Aufsichtsratsposten auffallend viele Ausländerinnen zum Zuge gekommen sein.

fdi



insgesamt 18 Beiträge
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chico 76 27.05.2011
1. Sind
Zitat von sysopDer Druck der Politik scheint langsam zu wirken:*Die*Kontrollgremien*der 30 größten börsennotierten Unternehmen Deutschlands werden weiblicher. In diesem Jahr haben die Dax-Konzerne jeden dritten freiwerdenden Aufsichtsratsposten mit einer Frau besetzt. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,765331,00.html
sie dadurch erfolgreicher geworden, das ist doch die Frage. Für ehrgeizige, erfolgreiche Frauen ist die Quote doch ein Schlag ins Gesicht. Für dadurch benachteiligte Männer ein Schlag in den Schritt. Das Leistungsprinzip mit einer Quote auszuhebeln, widerspricht nicht nur Darwin, sondern auch dem gesundem Menschenverstand.
Christian W., 27.05.2011
2. Dagegen!
Ist doch super, da bekommt die Quotenhilde den Sitz im Aufsichtsrat, weil sie eine Frau ist. Nicht wegen besserer Leistung, nein, nur zur Quotenerfüllung. Damit ist sicher allen geholfen und übergangene, besser qualifizierte, Männer, finden das sicher auch supertoll und gerecht. Quotenhilde an die Macht!
bestoffive 27.05.2011
3. Frauenquote = alter Hut!
Zitat von Christian W.Ist doch super, da bekommt die Quotenhilde den Sitz im Aufsichtsrat, weil sie eine Frau ist. Nicht wegen besserer Leistung, nein, nur zur Quotenerfüllung. Damit ist sicher allen geholfen und übergangene, besser qualifizierte, Männer, finden das sicher auch supertoll und gerecht. Quotenhilde an die Macht!
...es lohnt sich doch gar nicht, darüber zu reden. Im Lichte der neuesten Vorschläge von Sigmar Gabriel und Andrea Nahles sollten wir uns fragen, wann endlich 15% der Aufsichtsräte einen Mgrationshintergrund haben. Frauenqoute ist ein alter Hut, lasst uns mutig nach vorne schreiten! p.s. Was machen wir eigentlich, wenn das erste vollquotierte Unternehmen Pleite macht - so wie es im Kapitalismus eben manchmal böserweise passiert? Alternativlos retten?
marypastor 27.05.2011
4. Frauen im Aufsichtsrat,
Zitat von sysopDer Druck der Politik scheint langsam zu wirken:*Die*Kontrollgremien*der 30 größten börsennotierten Unternehmen Deutschlands werden weiblicher. In diesem Jahr haben die Dax-Konzerne jeden dritten freiwerdenden Aufsichtsratsposten mit einer Frau besetzt. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,765331,00.html
das ist in Ordnung. Da kann man nicht viel falsch machen. Aber Frauen im Vorstand ist was anderes. Da weht der Wind von vorne, da herrscht eine ganz andere Dynamik. Fuer solche Jobs sind nur sehr wenige Frauen geeignet. Wollen da auch meistens auch gar nicht hin.
RIFU 27.05.2011
5. Das ist ...
...doch eh' nur eine Elitediskussion. Viel wichtiger wäre es doch, die Gehälter der Frauen in der mittleren und unteren Ebene an die der Männer anzupassen. Das wäre mal ein wirklicher Schritt zur Chancengleichheit.
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