Neue Energiepolitik Atombosse rüsten zum Kampf gegen Merkel

Die Katastrophe von Fukushima lässt die Macht der deutschen Energiebosse schrumpfen - nun bereitet sich die Branche auf den Kampf gegen Merkels Anti-Atom-Politik vor. Es droht eine erbitterte Lobbyschlacht, aber noch ringen die Konzerne um die richtige Strategie. Eine Übersicht der Konfliktlinien.
RWE-Chef Großmann, E.on-Boss Teyssen, Merkel, (im August 2010): Neue Umlaufbahn

RWE-Chef Großmann, E.on-Boss Teyssen, Merkel, (im August 2010): Neue Umlaufbahn

Ralph Orlowski/ Getty Images

Atomkraft-Argumente

... der Konzerne ... der Regierung
Liebe Frau Merkel, wir verstehen ja, dass sich das politische Umfeld geändert hat, aber ... Lieber Herr Großmann / Teyssen / Villis / Hatakka, wir verstehen ja, dass unsere Politik für Sie schwierig ist, aber es hätte noch schlimmer kommen können. Immerhin...
... zu große Einschnitte werden uns nachhaltig schwächen. Wir werden zur leichten Übernahme-Beute für ausländische Konzerne oder Finanzheuschrecken. Am Ende droht der Regierung ein Kontrollverlust über die Energieerzeugung. ... reicht der Deckungsbeitrag, den Sie für eine Versicherung gegen einen möglichen Super-GAU zahlen, bei weitem nicht, um das Risiko abzusichern. Wir könnten ihn deutlich erhöhen.
... der Wirtschaftsflügel der CDU wird gegen Sie rebellieren: Stromkosten steigen, der Standort Deutschland wird geschwächt. (Angesichts schmelzender Reaktorkerne in Japan hat dieses Argument an Drohpotential eingebüßt.) ... verwenden Sie die Rückstellungen für das Abreißen von Altmeilern oft zur Finanzierung von Auslandsinvestitionen. Angesichts der neuen Rahmenbedingungen könnten wir uns entschließen, einen Fonds einzurichten, in dem sie als liquide Mittel bereitgehalten werden müssen.
... die Stilllegung der alten Meiler verstößt gegen das Aktienrecht. Wir müssen unsere Gewinnerwartungen korrigieren. Wir sehen uns gezwungen, Schadensersatzansprüche geltend zu machen. In Milliardenhöhe. ... scheint das Entflechtungsgesetz, das den Wettbewerb auf dem Strommarkt stärken soll, ja noch nicht so recht zu funktionieren. Vielleicht sollten wir da noch mal ran?
Versöhnlicher: Wir kommen Ihnen ja entgegen. Neckarwestheim, Isar I und Brunsbüttel können komplett stillgelegt werden. (Ohnehin waren sie schon im Herbst 2010 als Bauernopfer für die Laufzeitverlängerung im Gespräch.) Versöhnlicher: Da unsere neue Politik mit finanziellen Einbußen für Sie verbunden ist, können wir die genaue Ausgestaltung der Brennelementesteuer noch einmal überdenken. (Auch wenn das Ärger mit Schäuble gibt.)