Neue Strategie für Escada Stahlmillionen und Modepartys

Escada schien zugrunde gewirtschaftet, jetzt feiert die Münchener Modemarke  wieder rauschende Feste. Geschäftsführer Bruno Sälzer vermisst seinen alten Arbeitgeber Hugo Boss offenbar nicht sehr - und die schillernde Eigentümerin Megha Mittal findet Gefallen an Eröffnungspartys in Deutschland. 

DPA

Von Cornelia Knust


München - Vor lauter Familie ist Megha Mittal kaum zu sehen. Die zierliche Inderin ist samt Ehemann und Schwiegerfamilie nach München gereist. Als gelte es nicht, mit ein bisschen Münchener Prominenz einen eher überschaubaren Escada-Laden auf der Maximilianstraße zu eröffnen, sondern mindestens ein Kaufhaus auf der New Yorker Fifth Avenue.

Die junge Frau aus der indischen Stahldynastie spricht dann fast schüchtern ein paar englische Sätze ins Mikrofon. Sie klingt ehrlich begeistert. Mit dieser Shop-Eröffnung werde ein Traum wahr, ein neues Kapitel sei angebrochen im Leben der Münchner Mode-Marke. In einer Ecke des überfüllten Ladens, gekleidet in berufstypisches Grau, leert der Insolvenzverwalter Christian Gerloff still sein Glas Champagner. Später wird er erzählen, wie Frau Mittal ihm einst in seiner Kanzlei ihr Angebot für das Unternehmen überreichte. Ihre Hände sollen dabei leicht gezittert haben.

Die Party auf der Maximilianstraße liegt schon zwei Monate zurück. Escada-Chef Bruno Sälzer, 53, Vater von vier Söhnen, ist längst wieder in der weiten Welt unterwegs, in den echten Metropolen, auf all den Partys, auf denen man eben sein muss in diesem Geschäft. Zwar ist er nicht mehr Vorstandschef eines stolzen börsennotierten Unternehmens; so hatte er 2008 in München angefangen. Seit den Beteiligungsverkäufen im Sommer 2009 und dem Verkauf an Megha Mittal im Oktober desselben Jahres ist er nur noch Chef der Escada SE mit ihren 2200 Mitarbeitern - halb so viele wie zuvor.

"Gutes Timing"

Doch Sälzer hadert nicht, zumindest nicht nach außen. "Wir haben Glück gehabt", sagt er. Der gute Insolvenzverwalter, die treuen Kunden und Lieferanten, das Timing der Übernahme durch Mittal - all das habe geholfen, dass die Pleite des Modeherstellers Escada nicht das Ende war. Nun wird gerade ein neuer Markenauftritt vorbereitet, auch eine neue Onlinestrategie. 40 neue Läden sollen dieses Jahr eröffnen, 30 frisch renoviert werden.

Acht Jahre nach der letzten großen Krise, fünf Jahre nach Ausscheiden des Unternehmensgründers Wolfgang Ley und anderthalb Jahre nach der Insolvenz hat der Hersteller von luxuriöser Damenoberbekleidung aus Aschheim bei München endlich eine Chance, an alte Erfolge anzuschließen.

Ermöglichen soll dies Megha Mittal. Die polyglotte Inderin stammt aus einer Textilfamilie, studierte Betriebswirtschaft, arbeitete als Bankerin in London - und heiratete in den Mittal-Clan ein. Als Escada-Eigentümerin scheint sie perfekt zu passen: Sie ist nicht nur schwerreich und als Investor langfristig orientiert, sie ist auch noch bildschön, klug, von zurückhaltendem Charme und steht als Mutter zweier kleiner Kinder mitten im Leben. Und sie ist begeisterte Escada-Trägerin, was sie auch noch bestens kleidet.

100 Millionen Euro soll Megha Mittal im Oktober 2009 auf den Tisch gelegt haben, um die zur Marke Escada gehörenden Aktiva vom Insolvenzverwalter zu übernehmen und die nötigen Investitionen in die Unternehmensstruktur und das Ladennetz zu ermöglichen. 30 Millionen Euro hatte Konzernchef Sälzer für Letzteres veranschlagt, als er vor der Insolvenz für die Escada AG eine Kapitalerhöhung plante, die nie kommen sollte.

Dank Mittal konnte Sälzer nach der Insolvenz dort weitermachen, wo er vorher aufgehört hatte. Als ehemaliger Chef von Boss hatte er bei Escada im Münchener Vorort Aschheim ein Umstrukturierungsprogramm abgespult: Optimierung der gesamten Prozesskette, perfektes Warenmanagement, das ganze Programm. Beim Herrenmodehersteller Boss in Metzingen nahe Stuttgart hieß das Projekt noch "Columbus", nach dem zu großen Abenteuern bereiten Entdecker. Diesmal trug es den Namen "Pegasus", vielleicht weil auch Escada einst nach einem Rennpferd benannt worden war.

Viele Boss-Leute im Escada-Management

"Andere Kirche, gleiche Predigt", sagt Sälzer beim Vergleich der beiden Modefirmen Boss und Escada. "Sogar der Blick ist derselbe: Man sieht aufs Feld." Doch Sälzer, der sich gern als cooler Hund geriert, kann auch ins Schwärmen kommen. "Escada ist eine der bekanntesten Marken überhaupt. Und eine der internationalsten", sagt er, "dieses Atelier, diese Modellmacher!"

Escada stehe für Handwerkskunst, für Wertigkeit, habe dieses unglaubliche "Heritage". Sein Team von "Kreativen" (überwiegend Damen, der Chefdesigner ist abgeschafft) hat keine Hemmungen, ins Archiv zu steigen und alte Schnitte zu reaktivieren. Aber die Stoffe müssten modern sein, sagt Sälzer, weshalb man die Lieferanten völlig neu auswähle.

Viele alte Bekannte von Boss findet man da, genauso wie im Escada-Management. "Für den Geschäftsprozess brauchen Sie die richtigen Leute - auch aus dem Schwäbischen", verteidigt sich Sälzer. Bei den Standorten konnte er ebenfalls neu nachdenken. Da erleichtert eine Insolvenz bekanntlich vieles, weil alte Miet-, Arbeits- und Lieferantenverträge auf elegante Weise hinfällig werden.

Wie kaltblütig Sälzer das Unternehmen wirklich in und durch die Insolvenz gesteuert hat - das ist umstritten. Fest steht: Er hatte selbst investiert und hat nach eigenen Angaben 2,7 Millionen Euro privates Geld verloren. Der Hintergrund: Im Zuge der Finanzkrise hatte die Hausbank die Kreditlinie heruntergefahren; die Bedienung einer Anleihe schien gefährdet. Sälzer warb bei den Investoren für eine Umwandlung in eine neue Anleihe plus Aktien - erfolglos. Dann wurde das Unternehmen verschiedenen Investoren angeboten.



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Seite 1
webman 09.01.2011
1. umsatz
Zitat von sysopEscada schien zugrunde gewirtschaftet, jetzt feiert die Münchener Modemarke* wieder rauschende Feste. Geschäftsführer Bruno Sälzer vermisst seinen alten Arbeitgeber Hugo Boss offenbar nicht sehr - und die schillernde Eigentümerin Megha Mittal findet*Gefallen an Eröffnungspartys in Deutschland.* http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,738202,00.html
der kerl braucht 500 millionen umsatz - da wird die dame noch ein paar jahre was zuschiessen müssen... sucht der schreiber nen job bei escade - könnte man meinen bei der schreibe... eine einzige frage hätte gereicht - wie ist der derzeitige umsatz und die kostenstruktur... stattdessen- party-pr-geschwätz... spon unwürdig - und alles nur wegen der lachshäppchen am buffet ?
Marita 09.01.2011
2. Der Mittal-Konzern
---Zitat--- DER MITTAL-KONZERN Das britisch-niederländische Unternehmen Mittal Steel ist der größte Stahlproduzent der Welt. Der Branchenführer mit Sitz in Rotterdam in den Niederlanden wird vom indischstämmigen, in Großbritannien lebenden Lakshmi Mittal und seinem Sohn Aditya geleitet. Mittal beschäftigt 224.000 Mitarbeiter und hat im Geschäftsjahr 2005 einen Umsatz von 28,1 Milliarden Dollar erzielt. Der Marktführer produzierte knapp 50 Millionen Tonnen Stahl und lag damit knapp vor seinem bisherigen Luxemburger Konkurrenten Arcelor, der jährlich knapp 47 Millionen Tonnen Stahl herstellt. Der Mittal-Konzern in der heutigen Form ist erst im Frühjahr 2005 aus der Fusion von Ispat International und LNM Holdings und der Übernahme der amerikanischen International Steel Group (ISG) entstanden. Mittal besitzt Produktionsstandorte in 18 Ländern, darunter sind unter anderem China, die USA, Mexiko, Frankreich, Südafrika und Deutschland. ---Zitatende--- Dieser Artikel ist für mich völlig unverständlich: Geht daraus in irgendeiner Weise hervor, dass Mittal 2006 Arcelor in einer feindlichen Übernahme geschluckt hat? Für mich nicht. Möglicherweise handelt es sich hier um eine missglückte Zusammenfassung eines anderen Textes?
barbaros1968 10.01.2011
3. Etwas schlecht recherchiert
Hab mich auch gefragt warum ARCELOR als Konkurrent genannt hat den der Konzern heisst Arcelor-Mittal in der Zwischenzeit. Ist die Konzernzentrale nicht in London?
Blaue Fee 10.01.2011
4. ...
Die machen doch inzwischen auch diese Outfits für US-Kreuzfahrerinnen? Kreischend bunt passt doch in die Karibik. Ich trage übrigens ESCADA ganz gerne, da die Hosenanzüge oft aus Cool Wool und anderen natürlichen Fasern gemacht sind und mir deren sportlichere Marke Laurel wie angegossen passt. Mich freut es also, wenn es sie noch etwas länger zu kaufen gibt.
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