Neue Struktur Mischkonzern Evonik zerschlägt sich selbst

Der Mischkonzern Evonik steht offenbar vor einer Neuausrichtung. Laut Presseberichten will sich der Konzern zu einem Spezialchemiehersteller wandeln - und sich zumindest teilweise von der Immobilien- und der Energiesparte trennen. Bisher gab es zwischen den Einheiten kaum Synergien.

Montage des Evonik-Firmenlogos in Essen: Bald kein Mischkonzern mehr?
ddp

Montage des Evonik-Firmenlogos in Essen: Bald kein Mischkonzern mehr?


Frankfurt/Essen - Der Essener Mischkonzern Evonik treibt offenbar den Wandel zum reinen Spezialchemiehersteller voran. Der Aufsichtsrat habe diesen Schritt und einen Teilrückzug aus dem Energie- und Immobiliengeschäft genehmigt, berichteten das "Handelsblatt" und die "Financial Times Deutschland" ("FTD"). Der Konzern nehme damit Abschied von seiner bisherigen Ausrichtung als Mischkonzern.

Die Geschäftsfelder Energie und Immobilien wolle Evonik künftig als weitgehend selbständige Beteiligungen führen und für externe Investoren öffnen, schrieb das "Handelsblatt". Ziel sei es, auf diese Weise finanziellen Spielraum für Ausbau und Neuausrichtung der Chemiegeschäfte zu gewinnen.

Die Immobiliensparte soll im kommenden Jahr mit der Wohnungsgesellschaft THS verschmolzen werden, berichteten beide Zeitungen unter Berufung auf Aufsichtsratskreise. An THS seien Evonik und die Gewerkschaft IG BCE zu je 50 Prozent beteiligt. Ergebnis wäre der mit 130.000 Wohnungen drittgrößte Vermieter Deutschlands.

Konzentration auf drei Wachstumsbereiche

Die neue Einheit mit 800 Millionen Euro Umsatz wolle der Konzern bis Ende 2011 kapitalmarktfähig machen und anschließend mehrheitlich an die Börse bringen, berichtet das "Handelsblatt". Die Vorbereitungen für einen Börsengang bei Wohnimmobilien sollen kurz nach der Jahreswende beginnen, schreibt die "FTD" ferner.

Das Geschäft in der Chemiesparte will Evonik laut den Berichten künftig vor allem auf drei Bereiche mit besonders guten Wachstumsperspektiven konzentrieren: Chemikalien und Kunststoffe für Ressourcen- und Energieeffizienz, Vorprodukte für den Bereich Gesundheit und Ernährung sowie Spezialprodukte für bestimmte industrielle Anwendungen.

Bereits jetzt sind diese Bereiche der größte Umsatzbringer für den Konzern, der 2007 aus der Ruhrkohle AG (RAG) und dem Spezialchemie-Unternehmen Degussa entstand. Zu knapp 75 Prozent gehört Evonik der RAG-Stiftung, mit gut einem Viertel kaufte sich der Finanzinvestor CVC ein. Einer der Kritikpunkte an der Strategie von Evonik war bisher, dass es zwischen den einzelnen Einheiten den Mischkonzerns kaum Synergieeffekte gebe.

Von Sparten, die nicht in diese Cluster passen, will sich Evonik den Presseberichten zufolge trennen. Insgesamt dürfte es sich dabei um Geschäfte mit etwa einer Milliarde Euro Umsatz handeln, berichten die Zeitungen. Am Donnerstagmorgen war bei Evonik niemand für eine Stellungnahme zu erreichen.

fro/ddp/Reuters/dpa/Dow Jones

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