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14. Januar 2012, 11:30 Uhr

Neue Transparenz

Apple gibt schlechte Arbeitsbedingungen bei Zulieferern zu

Kurswechsel nach der Jobs-Ära: Apple-Chef Tim Cook hat erstmals schlechte Arbeitsbedingungen bei seinen Zulieferern eingestanden. Viele Vertragspartner kümmerten sich weder um die Sicherheit noch um die Umwelt - und um die Einhaltung der maximalen Wochenarbeitszeit erst recht nicht.

San Francisco - Die fortgesetzte Kritik an den Missständen und schlechten Arbeitsbedingungen bei seinen Zulieferern zeigt Wirkung: Apple hat erstmals seine weltweite Zuliefererliste offengelegt. Der sonst so geheimniskrämerische Technologiekonzern gab am Freitag überraschend die Namen seiner 156 meist in Asien ansässigen Lieferanten bekannt. Damit sind nun 97 Prozent der Unternehmen publik, mit denen die Amerikaner bei der Herstellung ihrer iPhones, iPads und Mac-Computer zusammenarbeiten.

Doch das neue Management belässt es nicht bei der Veröffentlichung der Namen. Erstmals liefern sie auch pikante Details mit, die auch für tiefe Kratzer an ihrem eigenen Image sorgen könnten. Eine interne Untersuchung habe ergeben, dass nur 38 Prozent der Zulieferer die von Apple festgesetzte Norm einer maximalen Wochenarbeitszeit von 60 Stunden und einem garantierten freien Tag pro Woche einhielten, hieß es am Freitag in einer Mitteilung des Konzerns. Ein Drittel der Zulieferer waren nachlässig im Umgang mit gefährlichen Substanzen und ebenfalls ein Drittel hielt die Standards zur Verhinderung von Verletzungen nicht ein.

Demnach fand der Konzern bei seinen Zulieferern sechs Fälle von Kinderarbeit sowie 13 Fälle, in denen zuvor Minderjährige als Arbeitskräfte eingestellt worden waren. Zudem führte Apple in dem 500 Seiten umfassenden Bericht weitere Verstöße wie zu schlechte Bezahlung und die Verletzung von Umweltauflagen an, gab jedoch nicht an, wo dies geschah.

Apple nimmt nach eigenen Angaben seit Jahren regelmäßig Überprüfungen vor und fasste diese nun zusammen. "Mit jedem Jahr erweitern wir unser Programm, schauen uns unsere Zuliefererkette genauer an und machen es schwerer, die Auflagen zu erfüllen", sagte Cook der Nachrichtenagentur Reuters.

All das bedeute, dass die Belegschaften "mit jedem Jahr besser und besser behandelt" würden. Allerdings müsse noch viel getan werden, gab Cook zu. Zuletzt hatte vor allem Apple-Lieferant Foxconn wiederholt für Schlagzeilen gesorgt. Dort kam es im vergangenen Jahr zu einer Reihe von Selbstmorden.

Die Veröffentlichung wird von Beobachtern als weiterer Hinweis gesehen, dass Cook den Konzern nach dem Tod von Steve Jobs transparenter ausrichten will. Während Jobs ein Verfechter davon war, so wenig wie möglich bekanntzugeben, beschreitet Cook mit der Veröffentlichung der Zulieferer-Kette einen neuen Weg.

Vor zwei Jahren waren gegen den Produzenten von Marktrennern wie iPhone und iPad Vorwürfe laut geworden, nachdem in einer chinesischen Fabrik des taiwanesischen Zulieferers Foxconn eine Reihe von Arbeitern Selbstmord verübt hatten. Im vergangenen Jahr ließ das Unternehmen nach eigenen Angaben 200 Prüfberichte über seine Zulieferer anfertigen.

mik/afp/Reuters

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