Arnaud Lagardère Neuer EADS-Chefkontrolleur schwänzt Hauptversammlung

Stabwechsel mit Schönheitsfehler: Bei der Hauptversammlung des Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS fehlte ausgerechnet der künftige Verwaltungsratschef Arnaud Lagardère. Er habe Wichtigeres zu tun. Es ist nicht das erste Mal, dass der schwerreiche Lebemann von sich reden macht.

Lagardère mit Freundin Foret: "Lächerlich, bestürzend, beunruhigend"
DPA

Lagardère mit Freundin Foret: "Lächerlich, bestürzend, beunruhigend"


Amsterdam - Es sei ihm eine Ehre, sagte der neue EADS-Chef Thomas Enders, als er bei der Hauptversammlung am Donnerstag offiziell sein Amt übernahm. Der künftige Chefkontrolleur des Luft- und Raumfahrtkonzerns zeigte sich deutlich weniger ehrfürchtig: Arnaud Lagardère fehlte beim Stabwechsel in Amsterdam - und sorgte damit für viel Aufsehen.

Er wolle seinem Vorgänger, Daimler-Finanzchef Bodo Uebber, nicht die Show stehlen, ließ Lagardère ausrichten. Nun musste aber ausgerechnet Uebber das Fernbleiben seines Vorgängers verkünden. "Arnaud Lagardère hat sich entschuldigen lassen. Er hatte wichtige Dinge zu tun", sagte er. Auch Enders und seinem Vorgänger Louis Gallois blieb nichts anders übrig, als die Peinlichkeit mit einem Lächeln zu überspielen.

Es ist nicht das erste Mal, dass Lagardère von sich reden macht. Der 51 Jahre alte Franzose gilt als ebenso schillernde wie lebenslustige Größe in der europäischen Wirtschaftsszene. Er erbte 2003 von seinem Vater Jean-Luc den größten französischen Medienkonzern, der zugleich 7,5 Prozent an EADS Chart zeigen hält. Dieses schwergewichtige Anteilspaket sowie eine komplexes deutsch-französisches Machtverteilungssystem sicherte ihm jetzt den Top-Posten.

Mehr Schlagzeilen als mit wirtschaftlichen Erfolgen machte Lagardère junior allerdings bislang mit seinem Privatleben. Immer wieder wird dem smarten Multi-Millionär vorgeworfen, sich all zu sehr auf seine Sportleidenschaft zu konzentrieren und das Medien- und Verlagsgeschäft ohne klaren Kurs schleifen zu lassen. Dem Unternehmen gehören Titel wie die Frauenzeitschrift "Elle", die Rechte an Asterix oder der Radiosender Europe 1.

Ihren vorläufigen Höhepunkt erreichte die Kritik im vergangenen Sommer. Der stets gut gebräunte EADS-Großaktionär ließ sich da von einem Team des belgischen Klatschblatts "Le Soir Magazine" beim Turteln mit seiner rund 30 Jahre jüngeren Model-Freundin Jade Foret filmen. Selbst befreundete Manager schüttelten ungläubig den Kopf. "Dieser Film ist lächerlich, bestürzend, beunruhigend", kommentierte damals das Wirtschaftsblatt "La Tribune".

Kritik am "Hofnarr" Lagardère

Der US-Investor Guy Wyser-Pratte bezeichnete den Franzosen als "Hofnarr" und als Manager, der nicht auf der Höhe des Geschehens sei. Er hatte sich bereits 2010 mit dem Franzosen angelegt. Weil er um den Wert seiner Beteiligung am Lagardère-Konzern fürchtete, wollte er den Unternehmenserben auf der Hauptversammlung über eine Statut-Änderung entmachten lassen. Das Projekt scheiterte allerdings - trotz einer seit Jahren enttäuschenden Entwicklung des Aktienkurses.

Lagardère bezeichnete Gerüchte über sein mangelndes Interesse am Wirtschaftsleben mehrfach als lächerlich. Sein Privatleben bringe weder ihn selbst noch das Unternehmen in Gefahr, versuchte er vor wenigen Tagen die Aktionäre zu beruhigen. Er werde seine Freundin Jade sehr bald heiraten und erwarte im September ein Kind mit ihr. Zweifel an seiner Eignung als EADS-Verwaltungsratschef sind dennoch bis heute geblieben. Kritiker verweisen vor allem auf Lagardères Ankündigung, seine EADS-Beteiligung 2014 zu verkaufen.

Noch am Donnerstag wollte die EADS-Spitze weitere Personalentscheidungen umsetzen: Nachfolger von Enders an der Spitze der Flugzeugtochter Airbus soll der Franzose Fabrice Brégier werden. Außerdem sollen zehn neue Verwaltungsratsmitglieder ernannt werden, darunter der frühere Chef der Europäischen Zentralbank, Jean-Claude Trichet.

dab/dpa/AFP

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.