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Airbus: Jungfernflug des A400M

Foto: Ramadier Sylvain/ dpa

Neuer Militär-Airbus Kostenzank trübt Jungfernflugjubel

Erst Freude, dann Frust: Der A400M hat seinen Erstflug erfolgreich bewältigt - doch schon steht das Geschacher um die Kosten für den Transporter wieder im Vordergrund. Vor allem Deutschland fürchtet ein Milliardendesaster.

A400M

Um 14.02 Uhr war die Mission erfüllt. Der landete nach einem Testflug von drei Stunden und 46 Minuten wieder auf dem Flughafen in Sevilla. Die rund 2500 Besucher des Events klatschten kurz, aber kräftig - darunter als prominentester Gast der spanische König Juan Carlos. Auch danach war die Stimmung ausgelassen. Immer wieder brandete Applaus auf, als der A400M Richtung Produktionshalle rollte - allerdings übertönte der Lärm der vier riesigen Motoren das Bemühen um gute Stimmung.

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Thomas Enders

Als die zwei Piloten und vier Ingenieure das komplett neuentwickelte Flugzeug dann in Siegerpose verließen und dafür bejubelt wurden, als hätten sie eine Apollo-13-Mission überlebt, wirkte das ganze dann doch etwas bemüht. Es war wohl die ehrliche Erleichterung der -Beteiligten, die hier zum Vorschein kam. Es sei ein "fantastischer Flug" gewesen, beteuerte Chef-Testpilot Edward "Ed" Strongman. Und erwähnte gleich dazu, alles laufe perfekt und alle arbeiteten hervorragend zusammen. Schließlich sagte auch Airbus-Chef , dass der A400M zum Vorteil aller Beteiligten sei. Die Markteinführung lasse sich ohne Schaden für die Steuerzahler umsetzen.

Die Beteiligten wollten den Erfolgstag offensichtlich nutzen, um die Pannen und Peinlichkeiten der bisherigen A400M-Historie zu verdrängen. Doch der Jungfernflug kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Stimmung zwischen den Vertragspartnern - auf der einen Seite der A400M-Hersteller Airbus, auf der anderen Seite die sieben Bestellnationen des Militärtransporters - nach wie vor alles andere als freundlich ist. Man muss die Atmosphäre trotz des wunderschönen Wetters in Sevilla mit über 20 Grad schon als beinahe frostig beschreiben.

Der deutsche Staatssekretär gibt den Schockfroster

Als Stimmungskiller präsentierte sich vor allem der deutsche Staatssekretär Rüdiger Wolf, der bereits am Morgen mit ironischen Bemerkungen über Airbus auf sich aufmerksam gemacht hatte ("Die wollen hier wohl zeigen, dass die Maschine fliegt."). Kaum war die Landung des A400M geschafft, stellte Wolf nüchtern fest, es sei zwar schön, dass sich die Airbus-Neuentwicklung auch in der Luft bewährt habe. Damit sei aber keines der Probleme aus der Welt.

Im Kern geht es beim Streit zwischen Hersteller und Abnehmern um die Frage, ob - und wenn ja wie - die Mehrkosten des Projekts aufgeteilt werden. Insider beziffern die Verhandlungsmasse auf mehr als zehn Milliarden Euro.

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Airbus beharrt auf dem Standpunkt, dass sich die sieben Bestellnationen mit rund 5,3 Milliarden Euro an dem Kostenplus beteiligen sollen, da sie dem Konzern etwa bei der Auswahl des Triebwerkherstellers keine Wahl gelassen und zudem das ganze Projekt mit immer neuen Anforderungen an den Flieger erschwert hätten.

Anders sehen das naturgemäß die Kunden, also die europäischen Regierungen. Der Berliner Staatssekretär Wolf steht wie sein am Freitag abwesender Minister Karl Theodor zu Guttenberg (CSU) auf dem Standpunkt, dass Verträge einzuhalten seien. Und Airbus habe nun mal versprochen, an Deutschland, Frankreich, Spanien und vier weitere Länder insgesamt 180 Exemplare des Militärtransporters zu einem Fixpreis von 20 Milliarden Euro zu liefern. Die Risiken lägen also beim Hersteller.

So banal kann große Politik sein

Damit es auch jeder versteht, machte Wolf es plastisch: "Wenn Sie ein Auto bestellen und der Händler sagt ihnen Monate nach dem vereinbarten Auslieferungstermin, dass es deutlich teurer wird, würden Sie darauf doch auch nicht eingehen." So banal kann manchmal die große Politik sein.

Offenbar ist es Wolf bei den Gesprächen mit den anderen sechs Vertragsnationen am Freitag in Sevilla gelungen, die deutsche Sichtweise durchzudrücken. Denn der CDU-Politiker kündigte an, dass sich die Nationen auf eine gemeinsame Linie geeinigt hätten. Indirekt deutete Wolf eine Eskalation an: Die sieben Staaten hätten einen gemeinsamen Brief aufgesetzt, den sie kommende Woche an die Airbus-Mutter EADS schicken wollten. Über Inhalte des Schreibens wurde Stillschweigen vereinbart. Wolf sagte aber, dass das Luftfahrtunternehmen bis Ende des Jahres Stellung nehmen solle. Das ist wohl eine Botschaft an Airbus nach dem Motto: "Wir können auch anders als freundlich."

Es spricht vieles dafür, dass die Staaten in dem Brief EADS auffordern, die aus heutiger Sicht entstehenden Mehrkosten des A400M-Projekts verlässlich zu quantifizieren. Immer wieder war aus Regierungskreisen zu hören, man erfahre nur aus den Medien von Schätzungen über die Mehrkosten, es gebe aber keine klaren Ansagen vom Hersteller selbst. Airbus hatte dieser Darstellung stets widersprochen.

Isoliert sich Deutschland?

Offiziell heißt es, die Länder wollten Airbus in ihrem Brief keine finanziellen Zugeständnisse machen. Aber zumindest hinter den Kulissen werden weiter mögliche Kompromisslinien ausgelotet - etwa die Lieferung einer geringeren Anzahl von Maschinen zum gleichen Preis. Denn auch das wurde am Freitag deutlich: Die A400M-Kunden wollen ebenfalls den Erfolg des Projektes.

Schließlich müssen nicht nur Deutschland und Frankreich dringend Nachfolger für die veralteten Transall-Maschinen, die ihren Jungfernflug 1963 feierten, finden. Auch der notorisch kritische Staatssekretär Wolf machte klar, dass es kein gleichwertiges Flugzeug zum A400M auf dem Weltmarkt gebe und man entsprechend nur Notlösungen parat habe. Immerhin hatte Airbus den Militärtransporter weitgehend nach den Anforderungen der europäischen Armeen entworfen.

Nicht auszuschließen ist aber auch, dass sich Deutschland mit seiner besonders starren Position in den kommenden Wochen isolieren könnte. Denn der Stolz der Spanier, dass die Endfertigung des A400M bei ihnen stattfindet, war am Freitag überall zu spüren: Das Land hatte mit seinem König und der Verteidigungsministerin die höchstbesetzte Delegation nach Sevilla geschickt.

"Dann haben die den nächsten Untersuchungsausschuss an der Backe"

Auch Frankreich wird das Projekt kaum zum Scheitern bringen. Was nicht nur daran liegt, dass die Franzosen Teilhaber des Airbus-Mutterkonzerns EADS sind. Denn in Paris kann der Präsident ganz einfach per Dekret einen entsprechenden Beschluss fassen - in Berlin muss das Parlament zustimmen. Der französische Verteidigungsminister Hervé Morin ließ denn auch gleich am Freitag wissen, dass er die harte Linie des deutschen Staatssekretärs Wolf nicht teile: "Airbus muss sich bewegen, aber die Bestellnationen müssen auch nach einem gerechten Ausgleich suchen."

Nicht auszuschließen, dass die deutsche Seite aus eigener Not auf stur geschaltet hat. Verhandlungsinsider sagten SPIEGEL ONLINE, das Verteidigungsministerium stehe angesichts der aktuellen Affäre um die Tanklaster-Bombardierung bei Kunduz so stark unter Druck, dass sich Minister Guttenberg bloß keine neuen Probleme aufhalsen wolle. "Man stelle sich mal vor, die Bundesregierung knickt gegenüber Airbus ein und legt ein paar Milliarden Euro drauf, da haben die doch den nächsten Untersuchungsausschuss an der Backe", sagte ein EADS-Lobbyist.

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