Griechischer Reformplan Anleger feiern neues Angebot

Die Sparvorschläge aus Griechenland sorgen an deutschen Börsen für steigende Kurse. Nach Einschätzung von Finanzexperten ist die Chance auf eine Einigung gestiegen. Grundsätzlich bleiben Ökonomen aber skeptisch.

Handelssaal in Frankfurt: Die Märkte setzen auf einen erfolgreichen Abschluss
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Handelssaal in Frankfurt: Die Märkte setzen auf einen erfolgreichen Abschluss


Die Hoffnung auf ein gutes Ende des Griechenland-Dramas hat dem deutschen Aktienmarkt Auftrieb gegeben. Griechenland habe seine Sparvorschläge nach Brüssel geschickt und kurz vor Toresschluss ein positives Signal ausgesendet, erklärte Portfoliomanager Stefan de Schutter von Alpha Wertpapierhandel. Zudem knüpften die Märkte in China am Morgen an ihre kräftige Aufwärtsreaktion vom Vortag an, was die Anleger an den weltweiten Börsen beruhige.

Der Dax Chart zeigen kletterte in der ersten Viertelstunde mit rund zwei Prozent ins Plus. Der MDax Chart zeigen der mittelgroßen Werte kletterte wieder über die 20.000-Punkte-Marke - ein Plus von ebenfalls rund zwei Prozent. Der Technologiewerte-Index TecDax Chart zeigen stieg sogar um 2,5 Prozent. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 Chart zeigen gewann ebenfalls mehr als zwei Prozent hinzu.

Griechenland will mit Steuererhöhungen und einer Rentenreform die Gläubiger zu weiteren Milliardenhilfen bewegen und eine Staatspleite abwenden. Vorgesehen ist demnach, dass die Belastungen für Reedereien erhöht und Steuervergünstigungen für Inseln gestrichen werden. Im Gegenzug verlangt Griechenland 53,5 Milliarden Euro an neuen Hilfen, um bis 2018 seine Schulden bezahlen zu können.

Nur kosmetische Korrekturen

Postbank-Chefvolkswirt Marco Bargel sieht darin immerhin einen Ansatz: "Die Griechen machen einen Schritt auf die Gläubiger zu. Das war nicht zu erwarten nach dem Referendum am Sonntag. Die Märkte setzen ganz klar auf einen erfolgreichen Abschluss, wie die Aufwertung des Euro und die höheren Renditen der deutschen Bundesanleihe zeigen."

Aber es blieben auch Risiken, fügte Bargel hinzu - etwa unterschiedliche Auffassungen in der Rentenversicherung. "Das ist noch nicht in trockenen Tüchern. Aber die Chancen auf eine Einigung sind doch deutlich gestiegen."

Jörg Krämer von der Commerzbank ist da ungleich skeptischer: "Bis auf kosmetische Korrekturen hat die griechische Regierung jetzt die Reformliste eingereicht, die sie ihrer eigenen Bevölkerung vor einer Woche empfohlen hat abzulehnen. Sie kann das ihren Wählern nur verkaufen, wenn sie an anderer Stelle mehr herausholt. Das spricht für weitere Schuldenerleichterungen - sei es in Form niedrigerer Zinsen, längerer Laufzeiten oder einer Absenkung des Rückzahlungsbetrags", erklärte er.

Eine Einigung sei damit etwas wahrscheinlicher geworden - wobei man bedenken sollte, dass diese wohl einen faulen Kompromiss darstellen würde. Denn Griechenland würde wie üblich nur Reformgesetze versprechen. "Die wurden bislang häufig nicht umgesetzt." Außerdem wäre das ein Schlag ins Gesicht der Länder, die ihre Hausarbeiten anders als Griechenland gemacht haben und jetzt wie Spanien, Portugal oder Irland wieder wachsen. Ein fauler Kompromiss würde die Reformgegner in vielen Ländern stärken und die Währungsunion damit schwächen."

mik/dpa



insgesamt 46 Beiträge
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CyberDyne 10.07.2015
1. Hipphipp Hurra!
Na prima, da weiß einer wohl schon, wie entschieden wird in Berlin, respektive wie in Washington entschieden wurde! Die Börse feiert die Vorschläge aus Athen und scheint sich gewiss, dass diese angenommen werden! Das fröhliche Abzocken des EU-Steuerzahlers geht also in die nächste Runde! Bravo! Wenn die Börse sowas feiert, ist was faul im Staate Europa!
iffelsine 10.07.2015
2. Viele sind zu optimistisch !
Die Griechen taktieren nur mit Unterstützung Frankreichs. Einen Schuldenschnitt darf es nicht geben, sonst stehen Spanien, Irland und Portugal zu recht auf der Matte und fordern gleiches. Und Rente AB SOFORT mit 67 und nicht früher. Der Rententopf ist leer und man kann nur so viel auszahlen, wie eingezahlt wird. Ist das so schwer zu verstehen ? Die Börse ist hier zu voreilig.
eckawol 10.07.2015
3. Wofür das Referendum ?
Das jetzige griechische Angebot wurde vom griechischen Volk auf Empfehlung von Tsipras mehrheitlich über das Referendum abgelehnt. Und jetzt soll Tsipras der Garant für die Umsetzung des griechischen Angebots sein ?
lezel 10.07.2015
4. So viel zu feiern gibt es da gar nicht.
Das griechische Angebot ist ja viel zu wenig. Griechenland bietet weniger an als den Vorschlag, den das Volk ablehnt. Es muss deutlich mehr anbieten. Es muss all das vereinbaren, was das Volk abgelehnt hat, und darüberhinaus noch weitere Einsparungen. Das tut es aber nicht. Es bleibt sogar hinter dem abgelehnten Vorschlag zurück. Und die Regierung hat zugleich entschieden, diesen Vorschlag so spät abzugeben, dass keine Zeit bleibt, ihn zu verbessern. Die Troika muss diesen Vorschlag ohne Verhandlung ablehnen.
denkzone8 10.07.2015
5. wer feiert da?
aktien und anderes-besitzende sind auf optimismus gepolt,ein schnitt ins vermögen steht nicht an.die polit-elite jongliert mit geldern anderer,um total-ausfälle nicht ins barbarische entgleisen zu lassen.
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