Neuer Rekord Goldman-Sachs-Chef soll 100-Millionen-Bonus erhalten

Die andauernde öffentliche Kritik an Banken und ihren Managern ficht Goldman-Sachs-Chef Lloyd Blankfein offensichtlich nicht an. Er soll von seiner Bank eine Jahresprämie von 100 Millionen Dollar bekommen - das wäre mit Abstand die höchste Summe, die je ein Wall-Street-Banker erhalten hat.
Goldman-Sachs-Chef Blankfein: Rekordprämie in Krisenzeiten

Goldman-Sachs-Chef Blankfein: Rekordprämie in Krisenzeiten

Foto: CHIP EAST/ REUTERS

New York - Seine Selbstkritik Ende des vergangenen Jahres stieß auf ätzende Häme der Kommentatoren. Im US-Kongress begegneten ihm die Abgeordneten mit kühler Distanz. Doch all dies scheint die Selbstgewissheit des mächtigsten Bankmanagers der Wall Street nicht im Mindesten anzukratzen.

Lloyd Blankfein gestand zwar im November 2009 öffentlich ein, einen maßgeblichen Beitrag dazu geleistet zu haben, das internationale Bankensystem an den Rand des Zusammenbruchs zu führen; doch da betrieb sein Geldhaus bereits wieder lukrative Geschäfte nach dem alten Muster. Vor allem die Geschäfte mit Währungen, Rohstoffen und Anleihen florierten wie zu Zeiten vor der Krise. Ergebnis: Mit einem Jahresgewinn von 12,2 Milliarden Dollar konnte Goldman Sachs   2009 nahtlos an die Rekordzahlen der Vorjahre anknüpfen.

Den Erfolg lässt sich Blankfein jetzt nach Informationen der englischen "Times" mit einem üppigen Bonus vergüten. Am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos sei bekannt geworden, dass der Top-Manager eine Sonderzahlung von rund 100 Millionen Dollar erhalten soll, schreibt die Zeitung in ihrer Online-Ausgabe. Das wären nochmals mehr als 30 Millionen mehr als die Rekordprämie, die Blankfein für das Geschäftsjahr 2007 kassiert hatte.

Goldman Sachs dementiert die "Times"-Meldung jedoch auf's Schärfste. "Das sei völliger Blödsinn", erklärte Goldman-Sprecherin Monika Schaller.

Die hohe Summe wäre umso bemerkenswerter, als die Prämien eigentlich nur für die Umsätze der ersten neun Monaten des vergangenen Geschäftsjahres ausbezahlt werden sollten. Um den öffentlichen Druck zu mindern, hatte sich Bankchef Blankfein entschieden, im Schlussquartal keinerlei Gelder mehr für die Bezahlung seiner Mitarbeiter auf die Seite zu legen.

Insgesamt schüttet die US-Investmentbank 16,2 Milliarden Dollar an die Mitarbeiter aus. Jeder der 32.500 Mitarbeiter erhält damit durchschnittlich 498.000 Dollar. Die Goldman-Sachs-Banker zählen somit immer noch zu den absoluten Top-Verdienern der Branche. Die Beschäftigten des Rivalen Morgan Stanley  bekommen im Schnitt nicht einmal die Hälfte.

Gleichwohl zeigt sich das Wall-Street-Haus durchaus bescheiden - zumindest wenn man die Erträge als Maßstab nimmt: So gerechnet werden knapp 36 Prozent der Einnahmen an die Mitarbeiter weitergereicht. Bei Morgan Stanley sind es stolze 62 Prozent.

Goldman Sachs zählt zu den großen Gewinnern der Finanzkrise. Der Finanzkonzern erkannte schon früh die Risiken der Preisblase am Immobilienmarkt und konnte sich rechtzeitig wappnen. Die Auslese im vergangenen Jahr schaffte der Bank überdies einige lästige Konkurrenten vom Hals.

Das einzige Geldhaus, das momentan wenigstens annähernd mithalten kann, ist JPMorgan Chase  , das im Schlussquartal 2009 3,3 Milliarden Dollar verdiente. Der direkte Rivale Morgan Stanley schaffte nicht mal ein Zehntel des Goldman-Sachs-Gewinns. Bank of America  und Citigroup   mussten sogar milliardenschwere Verluste einstecken wegen der Abgaben für die erhaltene Staatshilfe und fauler Kredite.

mik
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