Neues Management Spanier zementieren ihre Macht bei Hochtief

Jetzt steht es endgültig fest: Der spanische Großaktionär ACS lenkt künftig die Geschicke von Deutschlands größtem Baukonzern Hochtief. ACS setzte alle seine Wunschkandidaten für Vorstand und Aufsichtsrat durch. Nun warnen Aktionärsschützer vor einer Ausplünderung von Hochtief.

Hochtief-Mitarbeiter auf einer Baustelle: "Mehr ging nicht"
dpa

Hochtief-Mitarbeiter auf einer Baustelle: "Mehr ging nicht"


Essen - Er dauerte fast neun Monate, doch nun ist der Übernahmekampf um Hochtief entschieden. Auf der Hauptversammlung von Deutschlands größtem Baukonzern konnte der spanische Großaktionär ACS die komplette Seite der Anteilseigner im Aufsichtsrat nach seinen Vorstellungen neu besetzen. Alle acht von ACS vorgeschlagenen Kandidaten wurden mit deutlich mehr als 90 Prozent der abgegebenen Stimmen gewählt. ACS ist damit künftig mit vier direkten Vertretern im Hochtief-Kontrollgremium präsent.

Die Spanier konnten sich bei ihrem Manöver auf ein Aktienpaket von mehr als 43 Prozent stützen. Da lediglich knapp 70 Prozent der Hochtief-Anteile vertreten waren, hatte ACS damit die Abstimmungsmehrheit bei der Versammlung sicher. Vor diesem Hintergrund zogen mehrere Mitglieder des alten Aufsichtsrats, die sich vergeblich gegen die Übernahme gestemmt hatten, kurzfristig ihre Kandidatur für das Kontrollgremium zurück. Neben dem amtierenden Hochtief-Aufsichtsratschef Detlev Bremkamp stellten sich auch BDI-Chef Hans-Peter Keitel, Heinrich von Pierer und Wilhelm Simson nicht erneut zur Wahl für das Kontrollgremium. Nach dem Willen von ACS soll der ehemalige Continental-Chef Manfred Wennemer Bremkamps Nachfolger an der Spitze des Kontrollgremiums werden.

Mit der Hauptversammlung schied auch Vorstandschef Herbert Lütkestratkötter aus dem Amt, der bei seiner letzten Rede an die Aktionäre mit den Tränen kämpfte. "Ich habe jedenfalls mein Bestes gegeben. Und mehr ging nicht", rief er. Lütkestrakötter wird der Abschied mit einer Abfindung von mehr als vier Millionen Euro versüßt.

Neuer Hochtief-Vorstandschef wird der bisher für das Europa-Geschäft des Konzerns zuständige Manager Frank Stieler. Er gilt als Favorit von ACS. Bereits an seinem ersten Arbeitstag am Freitag will der neue Chef nach Australien fliegen, um bei der mit Problemen kämpfenden Hochtief-Tochter Leighton nach dem Rechten zu sehen. Sie erwartet einen hohen Jahresverlust.

Aktionärsschützer warnten angesichts der Machtübernahme von ACS vor einer Ausplünderung des Konzerns. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass ACS einen so steinigen, so unangenehmen Weg gegangen ist, nur um eine Tochter mehr zu haben", sagte der Sprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Marc Tüngler. "Wir freien Aktionäre befürchten, dass Hochtief ausgeschlachtet wird." Er vermute, dass die Hochtief-Übernahme für ACS nur ein Schritt auf dem Weg zum wirklichen Ziel sei - dem Kauf des spanischen Versorgers Iberdrola.

dab/Reuters/dpa



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belohorizonte 12.05.2011
1. Saubere Arbeit
Frankreich haette seinen Baukonzern geschuetzt. Uns ist wohl alles egal. Ein spanischer Baukonzern mit Fussballvereinsanlagen. Sehr perspektivisch und vertrauenserweckend. Auf in den Kampf, nein Arbeitslosigkeit und finanzielle Ausbluenderung.
gewgaw 12.05.2011
2. :/
Der spanische Konzern wurde jahrelang mittels EU-Gelder aufgepäppelt, jetzt verschlingt er Hochtief und wird ihn filetieren. Das wird Spanien spätestens beim kommenden bailout bereuen und dafür bezahlen. Gibt uns Mallorca und wir werden quitt sein - vorläufig. ^-^
heinz4444 12.05.2011
3. xy
Zitat von gewgawDer spanische Konzern wurde jahrelang mittels EU-Gelder aufgepäppelt, jetzt verschlingt er Hochtief und wird ihn filetieren. Das wird Spanien spätestens beim kommenden bailout bereuen und dafür bezahlen. Gibt uns Mallorca und wir werden quitt sein - vorläufig. ^-^
Der Konzern hoch verschuldet(ca.10 Milliarden €),Florentino Pérez als Privatmann 2-facher Milliardär. Warum so fragt man sich,lässt unsere Politik soetwas zu? Denn die Politiker schwören doch,Schaden vom Volke abzuwenden. Da kann man nur noch versuchen den Brechreiz zu unterdrücken.
inci 12.05.2011
4. oooo
Zitat von sysopJetzt steht es endgültig fest: Der spanische Großaktionär ACS lenkt künftig die Geschicke von Deutschlands größtem Baukonzern Hochtief. ACS setzte alle seine Wunschkandidaten für Vorstand und Aufsichtsrat durch. Nun warnen Aktionärsschützer vor einer Ausplünderung von Hochtief. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,762283,00.html
wie kann das sein? ein unternehmen, das in tiefstroten zahlen steckt (ACS) kann ein halbwegs gesundes unternehnmen (hochtief) übernehmen? welche banken stellen denn da die kredite zur verfügung? oder gibt es "nur" einen aktientausch? da kann man sich wirklich fragen, wieso solche übernahmen in frankreich nicht möglich sind. es kann ja nicht sein, daß für frankreich andere EU-gesetze gelten als für deutschland. ich wage eine prognose: in spätestens 6 monaten ist hochtief mehrfach überschuldet und in spätestens 2 jahren in einzelstücken meistbietend and hedge fonds und private equity-gesellschaften verkauft, und die mitarbeiter an diverse auffanggesellschaften ausgelagert. diese gesellschaften drücken erstmal die löhne, dann greifen sie staatsgelder ab, und nach spätestens 24 monaten dürfen sich die ehemaligen hochtiefler als H4-ler verunglimpfen lassen.
Passivist 12.05.2011
5. This is how the game is played
Wenn deutsche Firmen weltweit auf Beutefang gehen, dann gilt das Recht des Stärkeren und wehe, ein Staat - primär Frankreich - wagt es dann, protektionistisch zu handeln. Wenn deutsche Firmen gekauft werden sollen, dann schreien alle nach Protektionismus. Sie müssen sich schon entscheiden, welches Spiel Sie spielen wollen, die Rosinen rauspicken geht nicht.
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