Fleisch im Supermarkt Handelsketten führen neues Tierwohllabel ein

Mehrere Supermarktketten kennzeichnen von heute an die Tierhaltung einheitlich - und kommen damit Landwirtschaftsministerin Klöckner zuvor. Die CDU-Politikerin hält deren Tierschutzlabel aber für unzureichend.

Fleischregal in einem deutschen Supermarkt
Geisser / imago

Fleischregal in einem deutschen Supermarkt


Eine neue Kennzeichnung soll in den Filialen mehrerer großer deutscher Supermarktketten von heute an die Haltungsbedingungen der Tiere leichter erkennbar machen. Folgende Stufen gibt es dabei:

  • Stallhaltung (rot): Diese Stufe entspricht lediglich den gesetzlichen Mindestanforderungen
  • Stallhaltung Plus (blau): Diese Einstufung sichert Tieren unter anderem mindestens zehn Prozent mehr Platz und zusätzliches Beschäftigungsmaterial zu
  • Außenklima (orange): Hierbei wird den Tieren noch mehr Platz und Frischluftkontakt zugesichert
  • Premium (grün): Um in diese Kategorie zu fallen, haben die Tiere zusätzlich Auslaufmöglichkeiten im Freien. Auch Biofleisch soll in diese Stufe eingeordnet werden.

Mit dem Siegel kommt der Handel dem von Bundesagrarministerin Julia Klöckner geplanten staatlichen Label zuvor, das ab 2020 bessere Tierwohl-Bedingungen anzeigen soll. Die CDU-Politikerin kritisierte das handelseigene Herkunftssiegel auch als unzureichend. Solch eine Kennzeichnung sei zwar ein erster Schritt, sagte sie im Inforadio des RBB. "Aber der Handel hat nur einsortiert, was es schon gibt. Deshalb sind die Kriterien auch etwas übersichtlich. Die beziehen sich nur auf den Stall. Das staatliche Tierwohlkennzeichen, das ich anstrebe, das ist dagegen viel umfassender."

Deutschlands größter Lebensmittelhändler Edeka hatte vor dem Start mitgeteilt, er stelle seit Mitte März seine Eigenmarkenartikel für Fleisch und Wurst schrittweise auf die neue Haltungskennzeichnung um. Von Montag an werde ein Großteil aller Selbstbedienungsartikel damit erhältlich sein. Auch Rewe, Aldi und Lidl teilten mit, die Umstellung auf das neue einheitliche Layout laufe bereits. Eine Reihe von Handelsketten hatte schon in den vergangenen Monaten eigene Kennzeichnungssysteme in Sachen Tierhaltung eingeführt. Doch war dies für Verbraucher wegen der Uneinheitlichkeit der Kennzeichnung teilweise verwirrend.

Die Verbraucherorganisation Foodwatch kritisierte die Kennzeichnung als "Mogelpackung". Sie gaukle Verbrauchern vor, sie könnten mit ihrem Einkauf die Zustände in den Ställen maßgeblich verbessern, sagte Foodwatch-Experte Matthias Wolfschmidt. Es gehe aber nur um formale Haltungsbedingungen. "Das garantiert nicht, dass es den Tieren gut geht."

Grünen-Ernährungsexpertin Renate Künast sagte: "Die Kunden haben bei jedem Stück Fleisch das Recht zu wissen, wie die Tiere gehalten wurden." Das Bundesministerium arbeite aber schon seit vier Jahren an einer freiwilligen Kennzeichnung. "Warten auf Godot, das macht der Handel nun nicht länger mit." Es sei gut, dass die Branche jetzt vorangehe und selbst eine Haltungskennzeichnung einführe. "Das Klöckner-Label ist damit gescheitert, bevor es starten konnte." Die CDU-Politikerin müsse die gesetzlichen Mindeststandards anheben.

Das Ministerium kündigte an, das staatliche Kennzeichen lobe nicht schon den selbstverständlichen gesetzlichen Mindeststandard aus, sondern ein Mehr an Tierwohl. Es setze deutlich umfangreichere Kriterien an, die nicht nur die Haltung im Stall betreffen, sondern etwa auch die Aufzucht von Ferkeln, Transport und Schlachtung. Das Logo soll mit Schweinefleisch starten und in drei Stufen mit jeweils steigenden Anforderungen höhere Standards garantieren. In der ersten Stufe sollen Schweine zum Beispiel 20 Prozent mehr Platz im Stall haben als vorgeschrieben.

Klöckner kritisierte im RBB, für Verbraucher sei durch die Etiketten des Handels weiter nicht ersichtlich, wie es um das Wohl des Tieres in seiner gesamten Lebenszeit bestellt war. "Bei der Haltungskennzeichnung des Handels handelt es sich nicht um eine kreative Eigenleistung, sondern um ein Sortiersystem."

apr/dpa/AFP



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