Massenbetrug Geflügelbauer missbrauchte jahrelang Neuland-Gütesiegel

Landwirte reagieren schockiert: Ein Geflügelbauer aus Niedersachsen hat der "Zeit" zufolge jahrelang konventionell produziertes Fleisch unter dem Gütesiegel Neuland verkauft. Metzger belieferten damit offenbar viele Firmen-Kantinen.
Freilaufende Hühner (Archiv): Gütesiegel sollen artgerechte Haltung garantieren

Freilaufende Hühner (Archiv): Gütesiegel sollen artgerechte Haltung garantieren

Foto: Bernd Wüstneck/ dpa

Hamburg - Ein neuer Skandal unterminiert das Vertrauen der Verbraucher in die Gütesiegel der Fleischwirtschaft. Der wichtigste Geflügellieferant für Neuland-Produkte hat zugegeben, jahrelang konventionell gehaltene Tiere gekauft, geschlachtet und das Fleisch als mit dem Siegel konforme Ware verkauft zu haben, berichtet die Wochenzeitung "Die Zeit".

Es handele sich um einen Landwirt aus Wietzen in Niedersachsen. Verschiedene Neuland-Metzgereien hätten das von ihm angebotene Fleisch gekauft und an viele Firmen-Kantinen geliefert. Das Neuland-Gütesiegel soll eigentlich Fleisch aus "besonders artgerechter" Tierhaltung kennzeichnen.

Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), einer der Trägerverbände des Siegels, reagierte schockiert. Der Geflügelhalter habe mit dem Betrug dem Ansehen des Gütesiegels und der Vermarktung aller ehrlichen Bauern massiv geschadet, teilte der AbL-Landesverband Niedersachsen/Bremen mit.

"Lukrative Betrügereien"

Offenbar, teilte der niedersächsische AbL-Landesvorsitzende Ottmar Ilchmann mit, sei die Preisspanne zwischen den Dumping-Niedrigstpreisen für industriell erzeugtes Geflügel einerseits und Geflügel aus artgerechter Tierhaltung andererseits so hoch, dass sie zu "lukrativen Betrügereien" anreize. Außer der AbL stehen hinter dem Verein Neuland auch der Deutsche Tierschutzbund und der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND).

Neuland erklärte, falls der Bericht zutreffe, sei der Verein von dem Landwirt "tief enttäuscht". Nach Jahren der Zusammenarbeit habe es 2013 Hinweise auf Unregelmäßigkeiten gegeben. Eine Kontrollstelle sei mit einer Überprüfung des Landwirts beauftragt worden, doch dieser habe im Dezember 2013 beim Verein gekündigt. Eine Kontrolle habe deshalb nicht mehr erfolgen können.

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Den Bericht der "Zeit" , wonach das Fleisch aus Wietzen weiterhin mit Neuland-Siegel im Handel sei, wies der Verein zurück. Auch nach der Kündigung des Landwirts hätten einige Neuland-Fleischereien in Berlin noch dessen Geflügelfleisch bezogen. Sie seien aber angewiesen worden, dieses "deutlich als Nicht-Neuland" zu kennzeichnen. Der Verein sei an einer schnellen Aufklärung interessiert. Es handele sich um einen Einzelfall, versicherte die Vereinigung.

bos/AFP
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