Neues Gesetz Neuseelands Finanzunternehmen müssen über Klimarisiken aufklären

Wie umweltschädlich Finanzgeschäfte wirklich sind, ist oft unklar. Nun geht Neuseeland einen neuen Weg.
Wakatipu-See auf der Südinsel Neuseelands

Wakatipu-See auf der Südinsel Neuseelands

Foto: Henning Gloystein / REUTERS

Ob Aktienkäufe von Airlines, Chemieunternehmen und großen Immobilienfirmen oder ganz privat der Kauf von Eigenheim und Rentenfonds: Fast jedes Geschäft, das Banken, Versicherer und Investmentmanager tätigen, hat Folgen für das Klima. Als erstes Land der Erde hat Neuseeland nun ein Gesetz eingeführt, das auch den Finanzsektor dazu verpflichtet, die Auswirkungen des Klimawandels seines Geschäfts zu berücksichtigen – und die Risiken seinen Kunden und Anteilseignern aufzuzeigen.

Alle Banken mit einem Vermögen von mehr als einer Milliarde neuseeländischer Dollar, Versicherer mit mehr als entsprechend viel verwaltetem Vermögen und alle an der Börse des Landes gelisteten Aktien- und Anleiheemittenten müssen demnach künftig umfassend die Rolle des Klimawandels ausweisen. Man könne nicht bis 2050 klimaneutral werden, »wenn der Finanzsektor nicht weiß, welche Auswirkungen seine Investitionen auf das Klima haben«, sagte Klimaminister James Shaw. »Dieses Gesetz wird die Klimarisiken und die Widerstandsfähigkeit in das Herz der finanziellen und geschäftlichen Entscheidungsfindung bringen.«

Erste Berichte 2023 erwartet

Der Gesetzentwurf will Finanzunternehmen zu einer Erklärung verpflichten, wie sie mit klimabezogenen Risiken und Chancen umgehen. Etwa 200 der größten Unternehmen des Landes und mehrere ausländische Firmen, die den Schwellenwert von einer Milliarde neuseeländischer Dollar erreichen, wären von dem Gesetz betroffen. Die Vorlage ist bereits in das Parlament des Landes eingebracht und soll voraussichtlich diese Woche in erster Lesung behandelt werden.

Der »New Zealand Herald « erklärt, wie das Gesetz wirken soll: Wenn etwa ein Flughafen an einer wahrscheinlich von einem Anstieg des Meeresspiegels betroffenen Küste gebaut werde, müsste der Betreiber seine Eigentümer über diese Gefahren informieren. Ebenso müsse der Zeitung zufolge darüber aufgeklärt werden, wenn Vermögenswerte durch den Klimawandel unerwartete Wertverluste erleiden könnten – zum Beispiel Anteilseigner von Bergbauunternehmen darüber, dass Kohleinvestments Verluste bedeuten können, wenn die Regierung auf erneuerbare Energien umsteigt.

Die Offenlegung in den Geschäftsberichten soll für die Geschäftsjahre ab 2022 erforderlich sein, sobald das Gesetz verabschiedet ist. Das heißt, die ersten entsprechenden Berichte von Unternehmen sind für 2023 zu erwarten.

Die neuseeländische Regierung hatte im vergangenen September angekündigt, den Finanzsektor zur Berichterstattung über Klimarisiken zu verpflichten, und diejenigen, die keine Angaben machen können, müssten ihre Gründe dafür darlegen.

Mit dieser Politik reagiert Neuseeland auf eines der laut Weltwirtschaftsforum (WEF) zentralen Klima- und Umweltrisiken. Die neuseeländische Regierung hat zudem während ihrer zweiten Amtszeit mehrere Maßnahmen zur Senkung des CO2-Ausstoßes eingeführt. So versprach sie, den öffentlichen Sektor bis 2025 klimaneutral auszugestalten und ab Mitte dieses Jahrzehnts nur noch emissionsfreie Busse für den öffentlichen Nahverkehr zu kaufen.

Premierministerin Jacinda Ardern, die im vergangenen Oktober wiedergewählt wurde und ihrer Labourpartei den größten Wahlsieg seit einem halben Jahrhundert bescherte, hatte den Klimawandel als den »atomfreien Moment unserer Generation« bezeichnet.

apr/Reuters