Flugbegleiter-Gewerkschaft Lufthansa schmeißt Ex-UFO-Chef raus

Nicoley Baublies hat als früherer UFO-Chef den längsten Streik in der Geschichte der Lufthansa organisiert - und liegt seither mit der Airline im Clinch. Jetzt wurde ihm gekündigt.
Streikende Flugbegleiter mit Fahnen der Gewerkschaft UFO (Unabhängige Flugbegleiter Organisation)

Streikende Flugbegleiter mit Fahnen der Gewerkschaft UFO (Unabhängige Flugbegleiter Organisation)

Foto: Oliver Berg/ DPA

Seit fast einem Jahr schwelt der Konflikt zwischen der Lufthansa und der Kabinengewerkschaft UFO, es geht um dubiose Finanztransaktionen, das Führungspersonal der Gewerkschaft und um Zweifel daran, dass die Kündigung von Tarifverträgen rechtmäßig war. Nun spitzt sich die Lage zu.

Wie Mitglieder der Personalvertretung dem SPIEGEL berichten, wurde der frühere UFO-Chef Nicoley Baublies vergangene Woche von der Lufthansa nach mehr als 15 Jahren Betriebszugehörigkeit fristlos gekündigt. Damit erreicht die Eskalation zwischen ihm und der Geschäftsleitung ihren vorläufigen Höhepunkt.

Der umtriebige Funktionär hatte 2015 den längsten Streik der Flugbegleiter in der Geschichte der Lufthansa organisiert und als Kompromiss einen der teuersten und kompliziertesten Tarifverträge seit Bestehen der Airline ausgehandelt. Das hat deren Vorstand unter Carsten Spohr wohl nie so ganz verwunden. In den vergangenen Monaten sah Baublies sich unter anderem mit finanziellen Rückforderungen, diversen Abmahnungen und der Aufforderung zu einem Drogentest konfrontiert.

Nun soll auch noch sein Arbeitsverhältnis beendet werden. Baublies war länger krankgeschrieben und soll zeitweise seine alte Organisation beraten haben. Genau das wurde ihm offenbar zum Verhängnis. Wie Vertreter des fliegenden Personals berichten, wirft die Lufthansa-Geschäftsführung Baublies vor, er habe sich seine Nebentätigkeit für die UFO nicht genehmigen lassen. Außerdem behindere sie seine baldige Genesung und seine erneute Einsatzfähigkeit im Unternehmen. Baublies hatte bei der Lufthansa zuletzt als Purser gearbeitet, also als Kabinenchef.

Die Mitglieder der Personalvertretung, die bei jeder Kündigung anzuhören sind, fanden die Argumentation der Konzernleitung allerdings wenig überzeugend. Die Vorwürfe gegen Baublies, rügten sie, seien unzureichend belegt. Es handle sich überwiegend um Mutmaßungen. Außerdem müsse es Arbeitnehmern erlaubt sein, sich nebenberuflich für eine Gewerkschaft zu engagieren.

Deshalb widersprach ein Unterausschuss der Personalvertretung der Kündigung. Ein Lufthansa-Sprecher wollte keine Stellungnahme abgeben, auch Baublies verweigert jeden Kommentar. Vermutlich dürfte er Kündigungsschutzklage beim zuständigen Arbeitsgericht in Frankfurt einreichen.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Textes hieß es an einer Stelle, die Personalvertretung habe der Kündigung widersprochen. Tatsächlich war es ein Unterausschuss dieses Gremiums. Wir haben die Stelle präzisiert.

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