Euro-Krise Konzerne warnen vor Milliardenlücke in Pensionskassen

Angesichts niedriger Zinsen bekommen deutsche Unternehmen Probleme bei der Finanzierung ihrer betrieblichen Altersvorsorge. Die Anlagen werfen kaum Erträge ab, viele Konzerne müssen wohl Geld nachschießen - es geht laut "FTD" um Zuzahlungen in Milliardenhöhe.
Mitarbeiter in Generatorenwerk (bei Siemens): "Kann ernste Herausforderung werden"

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Foto: Z1020 Martin Schutt/ dpa

Hamburg - Mit Mini-Zinsen will die Europäische Zentralbank die Wirtschaft in der Euro-Zone stabilisieren. Einerseits sollen Unternehmen so an günstigere Kredite kommen, doch andererseits macht das Zinstief den deutschen Konzernen schwer zu schaffen. Denn Geld in den Pensionskassen wirft kaum mehr Rendite ab, Unternehmen drohen hohe Zuzahlungen.

"Die Pensionsverpflichtungen sind ein Riesenproblem für viele Unternehmen", sagte der Finanzvorstand des Rückversicherers MunichRe, Jörg Schneider, der "Financial Times Deutschland" ("FTD"). Auch Siemens-Finanzchef Joe Kaeser warnte vor zunehmenden Pensionslasten. "Sollte die Niedrigzinsphase länger andauern, kann das zu einer ernsten Herausforderung werden", sagte er. "Die Komplexität und Tragweite des Pensionsthemas schaffen eine gewisse Brisanz."

Laut der Zeitung haben 17 Millionen Arbeitnehmer in Deutschland eine betriebliche Altersvorsorge. In den Pensionskassen der Firmen klafften bereits seit längerem Milliardenlücken, hieß es. Durch die niedrigen Zinsen hätten sich diese zuletzt stark ausgeweitet.

Die "FTD" zitierte aus Berechnungen der Beratungsfirma Mercer, wonach die Gesamtverpflichtungen aller 30 Dax-Konzerne infolge der Niedrigzinsen seit Jahresbeginn um gut 40 Milliarden Euro auf fast 300 Milliarden Euro zugenommen haben. Die Beratung Towers Watson kommt demnach auf einen Zuwachs um 22 Milliarden auf 281 Milliarden Euro. Dem stehe nur ein dafür reserviertes Anlagevermögen von 174 Milliarden Euro gegenüber.

Insgesamt deckten die Dax-Konzerne ihre Pensionsverpflichtungen derzeit zu 62 Prozent mit Kapitalanlagen ab, schreibt die Zeitung unter Berufung auf Towers Watson. Zu Jahresbeginn waren es noch 66 Prozent. Für die Lücke hafteten die Firmen mit ihrer Bilanz.

"Die Zinssätze für konservative Geldanlagen gehen gegen null"

Die Beratungsfirma geht davon aus, dass die Zinsen mittelfristig niedrig bleiben. Für Pensionskassen und Lebensversicherer wird es zunehmend schwierig, mit ihren Kapitalanlagen ausreichend Rendite zu erwirtschaften. "So sinken beispielsweise die Zinssätze für unsere konservative Geldanlagepolitik gegen null", sagte Bernhard Düttmann, Finanzvorstand des Chemiekonzerns Lanxess.

Um die fehlenden Erträge auszugleichen, müssten einige Unternehmen vermutlich Geld für Betriebsrenten nachschießen, sagte Alexander Roos von der Beratungsfirma Boston Consulting. Die Euro-Krise werde den Druck auf die Firmen in den nächsten Monaten erhöhen.

Für viele Unternehmen dürfte sich aber die Frage stellen, woher sie das Geld für die Zuschüsse nehmen sollen. Denn die Konjunktur schwächelt - und die Gewinne der Firmen dürften damit sinken.

Dass Anbieter von Betriebsrenten ihren Kunden bisher noch ordentliche Zinsen bieten konnten, liegt daran, dass sie noch viele ältere Wertpapiere mit langen Laufzeiten und hohen Renditen in ihren Büchern hatten. Doch stabile Staaten wie Deutschland bieten für neue Anleihen inzwischen nur noch Mini-Renditen. Weil die Papiere als sicher gelten, greifen Pensionskassen und Lebensversicherer darauf zurück.

Nicht nur die Konzerne klagen über die niedrigen Zinsen. Auch diejenigen Deutschen, die ihr Geld in Lebensversicherungen und Sparbüchern angelegt haben, um für das Alter vorzusorgen, müssen mit einem schleichenden Wertverlust rechnen.

mmq/Reuters/dpa
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