Niedrigzins Konzerne müssen Atomrückstellungen wohl aufstocken

Der Atomausstieg wird die Energiekonzerne laut "Handelsblatt" vermutlich noch stärker belasten als bislang angenommen. Wegen der anhaltend niedrigen Zinsen müssen die Unternehmen ihre Rückstellungen voraussichtlich deutlich erhöhen.

Abgeschaltetes Kernkraftwerk Biblis: Atomausstieg
picture alliance / dpa

Abgeschaltetes Kernkraftwerk Biblis: Atomausstieg


Die Bundesregierung zeigt sich seit Monaten besorgt um die Sicherheit der Atomrückstellungen. Jetzt steht erneut die Höhe der bislang veranschlagten Summen im Mittelpunkt: Die vier Kernkraftwerksbetreiber in Deutschland - E.on, RWE, EnBW und Vattenfall - müssen diese voraussichtlich kräftig aufstocken, berichtet das "Handelsblatt".

Grund für diese Annahme sind die anhaltend niedrigen Zinsen: "Wenn wir den Zinssatz halbieren, müssen wir die Rückstellungen verdoppeln. Das wäre für uns der Killer", zitiert die Zeitung anonym eine Aussage aus einem Unternehmen.

Zum Verständnis ein Vergleich: Wer privat fürs Alter vorsorgt, kennt ein ähnliches Problem. Weil die Zinsen seit Jahren so niedrig sind, müssen sich Menschen, die Geld für die Rente sparen, fragen, ob die veranschlagte Summe im Alter auch wirklich reichen wird - oder sie zusätzlich vorsorgen müssen.

Laut "Handelsblatt" haben die Unternehmen die Rückstellungen derzeit mit Zinssätzen zwischen 4,0 und 4,7 Prozent in den Büchern. Angesichts der anhaltenden Niedrigzinsen an den Kapitalmärkten stelle sich aber die Frage, ob Zinssätze jenseits von vier Prozent noch realistisch seien.

Dem Bericht zufolge werden in den Konzernzentralen derzeit Musterrechnungen vorgenommen. "Eine deutliche Absenkung der Zinssätze muss Teil der Debatte werden", zitiert das "Handelsblatt" einen Insider.

Ähnliche Probleme wie bei den Atomrückstellungen haben zudem viele Unternehmen bereits bei den Betriebsrenten. Auch diesen Verpflichtungen wurden lange Zinssätze zugrunde gelegt, die derzeit an den Finanzmärkten nicht zu erwirtschaften sind.

Der Konzern E.on hatte sich in dieser Woche dem Druck der Politik gebeugt. Das Unternehmen will seine Kraftwerkssparte nun doch nicht auf die Schwester Uniper übertragen - aufgespalten wird es trotzdem.

bos/dpa

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