Symbol aus Zeiten der Sklaverei Nike zieht Schuh mit alter US-Fahne zurück - Arizona streicht Fördergelder

Weil eine alte Version der US-Flagge auf einem Turnschuh für Kritik sorgte, verzichtet Nike auf das Modell. Das wiederum empörte den Gouverneur von Arizona. Er streicht dem Konzern alle Fördergelder für ein neues Werk.

Schon zum Sammlerstück geworden: Das zurückgezogene Nike-Modell auf einer Versteigerungsplattform
Reuters / Lucas Jackson

Schon zum Sammlerstück geworden: Das zurückgezogene Nike-Modell auf einer Versteigerungsplattform


Der Sportartikelhersteller Nike verzichtet wegen Kritik an einer alten US-Flagge kurzfristig auf einen als Sonderausgabe geplanten Turnschuh. Das "Air Max"-Modell hätte eigentlich zum Nationalfeiertag am vierten Juli in den Verkauf gehen sollen. Eine Sprecherin des US-Sportartikelkonzerns bestätigte einen entsprechenden Bericht des "Wall Street Journal". Das Unternehmen habe sich entschieden, den Schuh doch nicht zu veröffentlichen, weil er eine "alte Version der US-Flagge" enthalte.

Konkret geht es um eine als "Betsy-Ross-Flagge" bezeichnete Version der Fahne, die in den 1770er Jahren während der Amerikanischen Revolution entworfen wurde. Benannt ist sie nach Betsy Ross, die einer umstrittenen Überlieferung nach die allererste US-Flagge genäht haben soll.

Nachdem Nike Bilder des Schuhs im Netz präsentiert hatte, gab es Gegenwind. Das Symbol sei anstößig, da es aus einer Ära der Sklaverei stamme, meinten Kritiker. Dem Zeitungsbericht nach soll auch der American-Football-Star und Nike-Werbepartner Colin Kaepernick beim Unternehmen gegen den Schuh interveniert haben. Kaepernick hatte 2016 begonnen, während der Nationalhymne gegen die Unterdrückung von Schwarzen zu protestieren.

Gouverneur spricht von "schrecklicher Entscheidung"

Arizona kündigte an, Nike wegen der Entscheidung sämtliche Fördergelder für ein geplantes Werk in der Stadt Goodyear zu streichen. "Mir fehlen die Worte, um meine Enttäuschung über diese schreckliche Entscheidung auszudrücken", schrieb Gouverneur Doug Ducey auf Twitter. "Amerikanische Firmen sollten stolz auf unsere Geschichte sein, statt sich von ihr abzuwenden."

Eigentlich habe heute wegen der geplanten Investition ein guter Tag für Arizona sein sollen, so der Republikaner. Nun aber habe er angeordnet, sämtliche Fördergelder für das Werk zu streichen. "Arizonas Wirtschaft geht es ohne Nike ausgezeichnet. Wir müssen uns nicht bei Firmen einschleimen, die bewusst die Geschichte unserer Nation verunglimpfen."

Erst vor wenigen Tagen war Nike mit dem Verkaufsstopp für einen anderen Schuh in China in die Kritik geraten. Ein beteiligtes Designbüro hatte sich zuvor auf Instagram mit Demonstranten in Hongkong solidarisiert, was unter chinesischen Nutzern für heftige Proteste sorgte.

dab/dpa/Reuters



TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.