Air-Berlin-Tochter Niki stellt Betrieb ab sofort ein

Die Lufthansa hat ihr Übernahmeangebot für Niki zurückgezogen. Die von Niki Lauda gegründete Airline stellte kurz darauf Insolvenzantrag - und den Betrieb ein. Tausende Passagiere könnten stranden.
Niki-Flieger

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Foto: Fabrizio Bensch/ REUTERS

Die österreichische Air-Berlin-Tochter Niki ist nach Angaben der Berliner Justiz zahlungsunfähig. Es sei ein Insolvenzantrag für Niki eingegangen, sagte eine Gerichtssprecherin. Das Gericht müsse nun prüfen, ob der Antrag zulässig sei.

Wenig später teilte das Unternehmen mit: Der Betrieb wird ab sofort eingestellt.

Die Lufthansa hatte sich kurzfristig gegen eine Übernahme der österreichischen Fluggesellschaft Niki entschieden. Grund war die ablehnende Haltung der EU-Kommission gegen eine Übernahme der Air-Berlin-Tochter aus wettbewerbsrechtlichen Gründen, wie die Lufthansa mitteilte. Die Kommission habe "klar signalisiert, dass eine Übernahme und Integration von Niki in die Eurowings Gruppe aktuell nicht genehmigungsfähig ist", erklärte die Lufthansa.

Auch das Angebot, auf begehrte Start- und Landerechte zu verzichten, habe Brüssel nicht überzeugt. Um die Genehmigung für den Kauf der anderen Überreste von Air Berlin sicherzustellen und voranzubringen, habe man daher auf Niki verzichtet. Der im Oktober geschlossene Kaufvertrag könne nicht vollzogen werden.

Nun könnten kurz vor Weihnachten rund 1000 Mitarbeiter ihren Job verlieren und Tausende Passagiere stranden. Die Lufthansa hatte Niki zuletzt mit einer Brückenfinanzierung in zweistelliger Millionenhöhe in der Luft gehalten - diese fällt nun weg.

Air Berlin hatte noch vor Kurzem erklärt, man prüfe nach eigenen Angaben derzeit "Verwertungsalternativen" für Niki. Der Generalbevollmächtige des Air-Berlin-Insolvenzverfahrens, Frank Kebekus, griff Brüssel jetzt an. "Das Scheitern des Niki-Verkaufs und die Insolvenz der Niki Luftfahrt GmbH sind höchst ärgerlich und wären vermeidbar gewesen", sagte Kebekus. "Die Position der Europäischen Kommission ist nicht nachvollziehbar." Lufthansa habe "als einziger Bieter mit einem validen Angebot am Ende eines fairen und transparenten Verfahrens" den Zuschlag erhalten.

EU-Kommission weist Schuld von sich

Die Unsicherheit in Folge des zurückgezogenen Übernahmeangebots ist nach Aussage der EU-Wettbewerbshüter bedauerlich. Die EU-Kommission weist die Schuld allerdings von sich. Zum Zeitpunkt des Lufthansa-Rückzugs sei die Prüfung der Übernahme von Niki "noch im Gang" gewesen, erklärte ein Kommissionssprecher.

Man habe noch überhaupt keine Entscheidung getroffen: "Die gegenwärtige Unsicherheit für die Mitarbeiter und Passagiere entstammt der Insolvenz von Air Berlin nach jahrelangen finanziellen Schwierigkeiten und Lufthansas Entscheidung, Niki aus der Transaktion herauszunehmen".

Die Lufthansa habe dabei eine "Vertragsoption genutzt, die sie mit Air Berlin ausgehandelt hat". Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE sieht diese Klausel vor, dass die Lufthansa bei wettbewerbsrechtlichen Problemen vom Kaufvertrag zurück treten kann, ohne Vertragsstrafen zu befürchten.

Übernimmt jetzt Niki Lauda?

Auch für den Fiskus hat der Rückzieher der Lufthansa Folgen. "Durch den unerwarteten Ausfall der Erlöse aus dem Niki-Verkauf kann der vom Bund verbürgte Kredit der KfW an Air Berlin möglicherweise nur zum Teil zurückgezahlt werden", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. "Der Bund wird alles tun, den Schaden für den Steuerzahler zu begrenzen." Die Bundesregierung hatte für 150 Millionen Euro eine Bürgschaft übernommen.

Noch am Dienstag hatte Kebekus mitgeteilt, Lufthansa sei der einzig zuverlässige Kaufinteressent für Niki. Interesse an einem Kauf hatten in den vergangenen Monaten auch Thomas Cook (Condor) und der British-Airways-Mutterkonzern IAG gezeigt.

Ex-Rennfahrer und Luftfahrt-Unternehmer Niki Lauda erwägt eine Übernahme der Airline. "Ich bin interessiert und würde mich darum kümmern", sagte Lauda, der die Ferienfluglinie einst gegründet hat, der österreichischen Nachrichtenagentur APA.

asc/Reuters/dpa