Übernahme der Wirtschaftszeitung Springer unterliegt im Bieterkampf für "Financial Times"

Die japanische Mediengruppe Nikkei kauft die renommierte Tageszeitung "Financial Times". Der Kaufpreis beträgt 1,2 Milliarden Euro. Der Axel Springer Verlag unterliegt.

"Financial Times": Kaufpreis von 1,2 Milliarden Euro
AFP

"Financial Times": Kaufpreis von 1,2 Milliarden Euro


Die japanische Nikkei-Mediengruppe hat im Bieterkampf um die "Financial Times" ("FT") den Zuschlag erhalten. Für 844 Millionen Pfund (1,2 Milliarden Euro) gibt der britische Eigentümer Pearson die renommierte, auf lachsfarbenem Papier gedruckte Wirtschaftszeitung ab, wie Nikkei mitteilte.

Nikkei gibt ein japanisches Wirtschaftsblatt gleichen Namens heraus und ist nach eigenen Angaben die größte unabhängige Mediengruppe in Asien. Mehrere Aufsichtsbehörden müssen dem Geschäft noch zustimmen. Im vierten Quartal des laufenden Jahres soll der Deal abgeschlossen werden.

Kurz bevor die Einigung verkündet wurde, teilte Axel Springer mit, das Blatt nicht zu kaufen. Der Verlag Axel Springer beteiligte sich an dem Bieterkampf, wie SPIEGEL ONLINE berichtet hatte, unterlag aber schließlich.

In Großbritannien, dem Heimatmarkt der "FT", liegt die gedruckte Auflage bei 36.000 Exemplaren. Vor fünf Jahren waren es noch gut 66.000 Stück. Die Zahl der Digitalabos dagegen hat inzwischen die Marke von mehr als 500.000 überschritten. Ein großer Teil davon entfällt auf Abos, die von Unternehmen für ihre Angestellten bezahlt werden.

2014 habe der Umsatz der "FT"-Gruppe bei 334 Millionen Pfund gelegen, schreiben die Briten. Eine deutsche Ausgabe der "FT" hatte der Verlag Gruner + Jahr besessen, sie aber 2012 eingestellt.

Zur "FT"-Gruppe gehört auch eine 50-prozentige Beteiligung am Wirtschaftsmagazin "Economist". Diese gehört Pearson zufolge nicht zum verkauften Paket. Der britische Medienkonzern verdient sein Geld überwiegend mit Bildungsangeboten, unter anderem Schulbüchern.

"Wir waren fast 60 Jahre lang ein stolzer Besitzer der FT", sagte Pearson-Chef John Fallon. Das starke Wachstum von mobilem Internet und sozialen Netzwerken stelle die Medien vor einen Wendepunkt. In dieser neuen Umgebung sei es das Beste für die "FT", Teil eines global agierenden, digitalen Nachrichtenunternehmens zu sein, sagte Fallon. Nikkei-Chef Tsuneo Kita sagte: "Wir teilen die gleichen journalistischen Werte."

Seit 1971 veröffentlicht die japanische Wirtschaftszeitung den Nikkei-Aktienindex (Nikkei 225), der aus den Kursen ausgewählter Unternehmen der Tokioter Börse berechnet wird.

mka/dpa



insgesamt 4 Beiträge
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leo19 23.07.2015
1. Manchmal ist der der Gewinner,
der einen Kampf verliert. Vor allem beim Bieten um eine Firma. Da ist oft der Unterlegene der wahre Gewinner.
heinrich-walter-benning 23.07.2015
2. naja,wenn Springer verleirt,habe ich
kein Problem damit.
frutsch 23.07.2015
3. In UK nur 36000 Exemplare?
Wenn in UK wie hierzulande das Blättchen hauptsächlich als kostenloser Lesestoff an Flughafenterminals rumliegt, wer kauft es denn noch? Oder hat es gar abonniert?
rickmarten 24.07.2015
4. Keine guten Aussichten
Wie sich das traditionell sehr eigenwillige Blatt mit eigener Meinung unter der tradionell strengen japanischer Ägide entwickeln wird, bleibt offen. Die Japaner zielen sicher zuerst auf den asiatischen Markt mit seinem wachsenden Bedarf an Wirtschaftsinformationen. Das mit Springer war doch eine Schanpsidee. Das wäre gar nicht vermittelbar gewesen: ein so liberales Wirtschaftsblatt in einem Haus wie BILD. Britische und deutsche EU-Sicht in einem Haus zusammen, unmöglich.
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