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03. September 2013, 17:13 Uhr

Leerverkäufe

Nokia-Kauf erwischt Zocker auf falschem Fuß

Sie wetteten auf einen fallenden Nokia-Kurs, jetzt kam das Gegenteil. Mehrere Hedgefonds wurden offenbar von der Übernahme des Handy-Herstellers durch Microsoft überrascht. Das soll sie schon jetzt mehr als 600 Millionen Euro gekostet haben.

London/Paris - Für die meisten Nokia-Anleger war die Übernahme der Handy-Sparte durch Microsoft ein Grund zum Jubeln. Der Aktienkurs des finnischen Unternehmens stieg am Dienstag zeitweise um mehr als 40 Prozent. Doch offenbar konnten sich nicht alle Aktionäre über diese Entwicklung freuen. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters befanden sich unter den Anlegern auch viele Hedgefonds, die mit Leerverkäufen auf einen Abstieg von Nokia wetteten.

Bei Leerverkäufen leihen sich Anleger Aktien und verkaufen diese in der Hoffnung darauf, dass der Aktienkurs fällt. Trifft diese Erwartung zu, so können sie zu einem günstigeren Preis neue Aktien kaufen und aus der Differenz zum Verkaufspreis einen Gewinn schlagen (siehe Grafikstrecke).

Vor Bekanntgabe der Nokia-Übernahme waren Reuters zufolge fast zwölf Prozent der Nokia-Aktien durch langfristige Anleger verliehen worden - ein Anzeichen für viele Leerverkäufe. Dem Datendienstleister Markit zufolge hatten Hedgefonds rund zwei Drittel der verfügbaren Aktien geliehen.

Laut Unterlagen der finnischen Marktaufsicht hielt der US-Fonds Discovery Capital Management mit 2,26 Prozent den höchsten Anteil kurzfristiger Nokia-Investments. Das Unternehmen war zunächst nicht für einen Kommentar zu erreichen. Auch Viking Global Investors, Maverick Capital, Blue Ridge Capital und Lone Pine Capital haben offenbar in größerem Stil auf einen fallenden Kurs gesetzt.

Nach Berechnungen von Reuters könnten die Hedgefonds allein durch den Kurssprung am Dienstag rund 640 Millionen Euro verloren haben. Die Spekulationen dürften auch einen Teil des immensen Kursanstiegs vom Dienstag erklären: Denn die Hedgefonds müssen nun möglichst schnell neue Nokia-Aktien kaufen, um ihre Verluste zu minimieren.

dab/Reuters

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