Aktionärsversammlung Nonnen zwingen Waffenhersteller Ruger zu mehr Transparenz

Religiöse Gruppen kaufen seit zwei Jahren Anteile an US-Waffenherstellern. Mit Sturm, Ruger & Co. düpierten sie nun eines der größten Unternehmen in dessen Aktionärsversammlung.
Waffen von Sturm Ruger & Co.

Waffen von Sturm Ruger & Co.

Foto: ERIC THAYER/ REUTERS

Denkwürdige Hauptversammlung: Der US-Waffenhersteller Sturm, Ruger & Co. muss sich dem Druck kritischer Investoren beugen und die Öffentlichkeit über die Gefahren seiner Produkte informieren. Die Aktionäre stimmten am Mittwoch für einen entsprechenden Vorschlag, den eine religiöse Aktivistengruppe gegen Waffengewalt eingebracht hatte.

"Die Anteilseigner haben gesprochen und wir werden unsere Pflicht erfüllen und zu gegebener Zeit einen Bericht vorbereiten", sagte Ruger-Chef Christopher Killoy anschließend.

Ruger-Chef spricht von "fehlgeleiteten Prinzipien"

Das Unternehmen, das zu den größten Waffenherstellern des USA gehört, soll nach Angaben der "New York Times"  erklären, ob es Pläne hat, sicherere Produkte zu entwickeln, und welche Forschungsvorhaben es in Bezug auf sogenannte Smart Guns hat, die zum Beispiel per Fingerabdruck entsperrt werden. Ruger muss außerdem erklären, wie es auf Zwischenfälle reagiert, die mit seinen Produkten zu tun haben, und welche Risiken Gewaltverbrechen für den Ruf und das Geschäft der Firma haben. Ein Antrag, die Verbindungen zur Waffenlobbyorganisation NRA (National Rifle Association) zu lockern, bekam hingegen keine Mehrheit.

Für Ruger ist das Votum eine Niederlage, laut US-Medien hatte die Firma wochenlang Stimmung dagegen gemacht. Killoy machte aus seiner Abneigung auch keinen Hehl: "Der Vorschlag kann nicht ändern, was Ruger ist und wofür wir stehen." Er könne das Unternehmen auch nicht zwingen, sein Geschäft zu verändern, das "legal und von der Verfassung geschützt" sei. Killoy sprach von "fehlgeleiteten Prinzipien von Gruppen", die keine Waffen besäßen und denen es am liebsten wäre, dass Ruger sein Geschäft aufgebe.

Vermögensverwalter Blackrock unterstützte die Nonnen

Treibende Kraft der Abstimmung war eine von Nonnen gestartete Initiative gewesen. Die Sisters of the Holy Names of Jesus and Mary aus Marylhurst, Oregon, und andere religiöse Gruppen hatten nach eigenen Angaben vor rund zwei Jahren angefangen, Aktien von Ruger und anderen Waffenherstellern zu kaufen, um die Konzerne in die Verantwortung nehmen zu können.

Im Zuge des Parkland-Massakers, bei dem im Februar 17 Menschen an einer High School im US-Bundesstaat Florida erschossen wurden, gab es neue Proteste gegen die US-Waffenindustrie.

Die Protestwelle hat nicht nur die Hersteller, sondern auch Investoren und Geldgeber wie Fondsgesellschaften und Banken erfasst. Der weltgrößte Vermögensverwalter Blackrock etwa, der auch größter Aktionär bei Ruger ist und den Antrag der Nonnen unterstützte, hatte kürzlich eine Reihe von "waffenfreien" Anlageprodukten angekündigt. Auch große Geldhäuser wie die Bank of America und die Citigroup gaben Maßnahmen gegen Waffengewalt bekannt. Die US-Waffenlobby ist aber stark und wehrt sich nach Kräften.

pbe/dpa