Kaufpreis von 262 Millionen Euro Nord/LB übernimmt Bremer Landesbank komplett

Wegen fauler Schiffskredite war die Bremer Landesbank in Schieflage geraten. Nun wird sie vollständig vom Mutterkonzern Nord/LB übernommen - für 262 Millionen Euro.

Fahne mit BLB-Logo in Bremen
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Fahne mit BLB-Logo in Bremen


Die norddeutsche Landesbank (Nord/LB) wird die Bremer Landesbank (BLB) vollständig übernehmen und damit die Kapitalprobleme bei ihrer Tochterfirma beheben. Das teilten die drei Träger der BLB am späten Mittwochabend mit. Das Land Bremen hält 41 Prozent an der BLB - dafür zahlt die Nord/LB insgesamt 262 Millionen Euro. Davon sind 180 Millionen Euro Geldleistungen.

Die restlichen 82 Millionen Euro ergeben sich aus drei wichtigen Beteiligungen, die aus der BLB herausgelöst werden und an Bremen übergehen: Es handelt sich um die "hafensensiblen" Bremer Lagerhaus-Gesellschaft BLG und die Wohnungsgesellschaften Gewoba und Brebau.

BLB-Vorstandschef Stephan-Andreas Kaulvers und sein Stellvertreter Heinrich Engelken haben ihre Posten zur Verfügung gestellt. Die Nachfolger sollen bei einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung in wenigen Wochen bestimmt werden.

"Mit dem Ergebnis sind wir zufrieden. Aber ich will nicht verhehlen, dass dies für Bremen ein Verlust ist", sagte Bremens Finanzsenatorin Karoline Linnert (Grüne). Nord/LB-Chef Gunter Dunkel sprach von einem schwierigen, aber vertretbaren Ergebnis.

Warum die BLB in Schieflage geriet

Bei der BLB sind rund tausend Mitarbeiter an den Standorten Bremen und Oldenburg beschäftigt. Es dürfte zu Stellenstreichungen kommen. In welcher Höhe und in welchen Bereichen ist aber noch offen. Niedersachsens Finanzminister Peter-Jürgen Schneider (SPD) hatte vor Monaten gesagt, dass wohl zehn Prozent der Stellen auf der Kippe stünden.

Anfang Juni wurde die Schlagseite bei der BLB öffentlich: Die Europäische Zentralbank hatte von der zweitkleinsten deutschen Landesbank eine deutlich höhere Risikovorsorge für die Schiffskredite verlangt. Durch die dadurch notwendigen Rückstellungen wird bei der Bank bis Jahresende ein Fehlbetrag von 350 bis 400 Millionen Euro erwartet.

Allein konnte die BLB das nicht stemmen, das chronisch klamme Haushaltsnotlageland Bremen schloss vor allem wegen beihilferechtlicher Hürden eine eigene Kapitalspritze aus. Die Nord/LB erklärte früh, einspringen zu wollen. Der Preis für diese Bereitschaft ist nun die Übernahme.

Die Halbjahresbilanz der BLB

Unmittelbar nach der Verständigung legte die BLB ihre Halbjahresbilanz vor, die erwartungsgemäß tiefrote Zahlen auswies. Die ersten sechs Monate dieses Jahres schloss sie mit einem Verlust von 384 Millionen Euro nach Steuern ab. Damit weise die BLB erstmalig Verluste aus. Im ersten Halbjahr 2015 hatte die Bank noch ein Plus von 56 Millionen Euro erwirtschaftet.

aar/dpa/Reuters



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