Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 zieht Antrag für Route in Dänemark zurück

Dänemarks Widerstand wirkt: Nord Stream 2 hat seinen Antrag für eine Pipeline entlang der Insel Bornholm zurückgezogen. Das deutsch-russische Bauprojekt muss nun einen Umweg nehmen.

Rohre für die Ostsee-Erdgastrasse Nord Stream 2 im Hafen von Saßnitz (Archiv)
Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa

Rohre für die Ostsee-Erdgastrasse Nord Stream 2 im Hafen von Saßnitz (Archiv)


Durch die Pipeline Nord Stream 2 soll Gas von Russland nach Deutschland fließen, und eigentlich sollte sie auch nahe der dänischen Insel Bornholm verlaufen. Doch In Dänemark ist die Kritik gegen das international höchst umstrittene Projekt groß, das deshalb nun einen großen Bogen um die Insel in der Ostsee machen muss.

Ein Antrag für die Route durch dänische Hoheitsgewässer südlich der Insel Bornholm sei zurückgezogen worden, teilte das in der Schweiz ansässige Unternehmen Nord Stream 2 mit. "Wir sehen uns zu diesem Schritt verpflichtet, da die dänische Regierung in den zwei Jahren seit der Antragstellung keinen Hinweis auf eine Entscheidungsfindung gegeben hat", wird Unternehmenschef Matthias Warnig in der Mitteilung zitiert.

"Sowohl Nord Stream 2 als auch unsere Investoren sind auf Rechtssicherheit und den Investorenschutz angewiesen", wird Warnig zitiert. Dies sei umso wichtiger, "da der Bau in den Gewässern von vier weiteren Ländern bereits weit fortgeschritten ist".

Nord Stream 2 ist die zweite Ostsee-Pipeline zwischen Russland und Deutschland und auch bereits zu weiten Teilen gebaut. Sie soll Ende 2019 in Betrieb gehen. Die etwa 1200 Kilometer lange Leitung durch die Ostsee soll jährlich bis zu 55 Milliarden Kubikmeter Erdgas aus Russland nach Deutschland transportieren.

Route südlich von Bornholm?

An dem Projekt gibt es seit Jahren immer lauter werdende Kritik. Wie viele europäische Staaten, darunter neben Dänemark etwa Polen, sind auch die USA gegen das deutsch-russische Projekt. US-Präsident Donald Trump hatte angekündigt, Sanktionen prüfen zu wollen - und sich selbst als Energiepartner ins Spiel gebracht.

Außer der Route durch dänische Hoheitsgewässer haben die Entwickler der Pipeline nach eigenen Angaben noch zwei weitere alternative Routen mit mehr Abstand zu Bornholm beantragt. Der linksliberale dänische Europaabgeordnete Morten Helveg Petersen sprach von einem starken Signal an Wladimir Putin und freute sich darüber, dass zumindest die ursprünglich geplante Streckenführung vom Tisch ist, wie er dem Sender Danmarks Radio sagte. Flemming Splidsboel vom Dänischen Institut für Internationale Studien geht demnach davon aus, dass Nord Stream 2 nun ein ganzes Stück südlich von Bornholm gebaut wird.

Lesen Sie hier: US-Attacken auf Nord Stream 2 - Die Sabotage.

Die dänische Energieverwaltungsbehörde Energistyrelsen wiederum teilte nüchtern mit, das Unternehmen Nord Stream 2 habe die Verwaltung auf einem Treffen über den Schritt informiert. Man nehme dies zur Kenntnis und behandle weiter die beiden anderen Anträge, die Routen nordwestlich beziehungsweise südöstlich von Bornholm vorsähen. Diese verlaufen aber nicht auf dänischem Territorium und können von Dänemark deshalb nur aus Umweltschutzgründen oder möglichen Einschränkungen für den Schiffsverkehr abgelehnt werden.

Mehr zum Pipeline-Streit

Hinter Nord Stream 2 steht der russische Staatskonzern Gazprom, der die Hälfte der geplanten Gesamtkosten von 9,5 Milliarden Euro stemmen soll. Die andere Hälfte finanzieren fünf europäische Energieunternehmen: die BASF-Tochter Wintershall, OMV sowie Uniper, Royal Dutch Shell und die französische Engie.

Der Chef des russischen Staatskonzerns Gazprom, Alexej Miller, hatte der Agentur Tass zufolge betont: Selbst wenn keine Genehmigung aus Dänemark vorliegen sollte, könnten die Arbeiten an der Leitung planmäßig Ende des Jahres abgeschlossen werden. Dänemarks neuer, sozialdemokratischer Außenminister Jeppe Kofod teilte Danmarks Radio zufolge mit, dass es die Entscheidung von Nord Stream 2 gewesen sei, den Antrag zurückzuziehen.

apr/dpa



TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.