Fischsterben in Norwegen Lachs wird zum Luxusfisch

Norwegischer Lachs ist bei den Deutschen beliebt. Doch Parasiten machen den Züchtern zu schaffen - und treiben die Preise in die Höhe.
Norwegische Lachsfarm nahe der Insel Hitra

Norwegische Lachsfarm nahe der Insel Hitra

Foto: Julia Wäschenbach/ dpa

Die Nachfrage nach Lachs ist hoch, doch die Anbieter kommen kaum nach: Der mit einem Marktanteil von rund 20 Prozent beliebteste Speisefisch der Deutschen hat mit Lachsläusen zu kämpfen. Der ungebetene Parasit befällt außer dem atlantischen Wildlachs auch die Tiere in den riesigen Aquafarmen, aus denen neun von zehn der in Deutschland gegessenen Lachse stammen. Die kleinen Eindringlinge richten großen Schaden an - unter anderem vor der norwegischen Küste. Und das lässt die Preise steigen.

53 Millionen Tiere starben laut Norwegian Seafood Council, der Vertretung der Fischindustrie, 2016 in den Fischfarmen des skandinavischen Landes. In vielen Fällen sei die Lachslaus schuld. "Wenn du in einer Farm viele Lachse hast, hast du viele Wirte für die Lachslaus", sagt Jørgen Fjeldvær, der Besuchern im Auftrag des Fischproduzenten Lerøy dessen Farm vor der Insel Hitra in der Nähe von Trondheim zeigt. In acht Netzen schwimmen hier 6240 Tonnen Lachs.

"Putzerfische" sollen Läuse fressen

Die Probleme der Lachsproduzenten bekommen auch die Konsumenten zu spüren. Die Exportpreise für den begehrten Fisch aus Norwegen sind im Vergleich zum Vorjahr deutlich gestiegen . Ein Kilogramm kostete Mitte Juni knapp 70 norwegische Kronen (rund 7,40 Euro). "Die Norweger kommen mit der Produktion nicht nach. Wegen Läusen haben sie Produktionsausfälle", hatte Matthias Keller vom Bundesmarktverband der Fischwirtschaft bereits Ende 2016 gewarnt. Einkäufer mussten pro Kilo Frischlachs 2016 durchschnittlich 7,67 Euro zahlen - nach 5,86 Euro 2015. Die Bekämpfung der Läuse verteuert den Kilopreis laut Branchenangaben um einen Euro.

An der Farm vor der Insel Hitra schießen ständig einige Lachse aus dem Wasser. In der freien Natur springen die Tiere, um Hindernisse zu überwinden. Hier ist eine der wenigen Gefahren für sie die Lachslaus. Mit kleinen "Putzerfischen", die mit den Lachsen in den Netzen herumschwimmen und ihnen die Läuse vom Rücken picken, versucht die Fischindustrie bereits den Befall mit "Lepeophtheirus salmonis" einzudämmen. "Viele große Firmen produzieren heute schon ihre eigenen Putzerfische", berichtet Besucherführer Fjeldvær.

Putzerfisch gegen Lachsläuse

Putzerfisch gegen Lachsläuse

Foto: Julia Wäschenbach/ dpa

Ein anderer Ansatz der großen Fischproduzenten ist es, die Netze weiter aufs Meer hinaus zu verlegen. "Ich glaube aber, dort wird es trotzdem noch Probleme mit Lachsläusen geben", sagt Fjeldvær.

Vegard Heggem, der am norwegischen Fluss Orkla eine "Lachs-Lodge" für Angler betreibt, testet wiederum neuartige Lachsfarmen. Diese Farmen, die der frühere Fußballprofi vom FC Liverpool für seine Gäste unterhält, bestehen statt nur aus Netzen auch aus Plastik oder Beton. In diese Farmen einzudringen, soll für Parasiten schwieriger sein.

Auch Fischproduzent Marine Harvest experimentiert in Skånevik zwischen Bergen and Haugesund mit solch einer Anlage. "Es sieht ein bisschen aus wie eine Badewanne", sagt ein Sprecher. Hier bleiben die Fische, bis sie etwa ein Kilogramm schwer sind. "Dann transportieren wir sie zu den traditionellen Anlagen." Dadurch will die Firma die Zeit verringern, in denen die Tiere in den Netzen der Lachslaus und anderen Gefahren ausgesetzt sind. Im nächsten Schritt will Marine Harvest eine Ei-Konstruktion austesten, die rundherum geschlossen ist.

Die Läuse beeinflussen die Nachfrage bislang kaum: "Trotz des enormen Preisanstiegs behauptet er seine Position als Speisefisch Nummer eins in Deutschland", bilanziert nun Fischverbandschef Keller, der auch das wirtschaftsnahe Fisch-Informationszentrum (FIZ) leitet. "Allerdings kommt man bei Lachs - wie auch bei Nordseekrabben - doch so langsam in Preisregionen, wo es schmerzt." Wegen eines immer geringeren Angebots der Schalentiere waren für Krabbenbrötchen mit etwa 100 Gramm Belag zuletzt teils Preise von mehr als elf Euro fällig.

apr/Julia Wäschenbach, dpa
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