Intervention der Arbeitsministerin Norwegische Regierung stoppt Streik der Öl- und Gasarbeiter

Ein Ausstand norwegischer Öl- und Gasarbeiter drohte, die Energiekrise in Europa zu verschärfen. Nun interveniert die Regierung. Die Arbeitsministerin sagt, sie habe keine andere Wahl.
Öl-Arbeiter an der Plattform Oseberg (Archivbild): Ende des Streiks

Öl-Arbeiter an der Plattform Oseberg (Archivbild): Ende des Streiks

Foto: Norsk Telegrambyra AS / REUTERS

Die norwegische Regierung hat den Streik der Öl- und Gasarbeiter schon am ersten Tag direkt gestoppt. Das bestätigen ein Gewerkschaftsführer sowie das Arbeitsministerium des Landes. Demnach habe die Regierung von ihrem Interventionsrecht Gebrauch gemacht.

Die etwas mehr als 70 Öl- und Gasarbeiter hatten ihren Streik am Dienstagmorgen begonnen. Dabei ging es um Gehaltsforderungen. Weil der Arbeitskampf die Gasexporte des Landes aber deutlich zu senken drohte, griff die Regierung ein.

»Die Arbeiter werden so bald wie möglich wieder an die Arbeit gehen«, sagte Audun Ingvartsen, Vorsitzender der Gewerkschaft Lederne, laut der Nachrichtenagentur Reuters. Auf die Frage, ob der Streik beendet sei, antwortete er: »Ja«.

Das Arbeitsministerium bestätigte, dass es von seinem Interventionsrecht Gebrauch gemacht habe. »Wenn der Konflikt so schwerwiegende Folgen für ganz Europa haben kann, habe ich keine andere Wahl, als einzugreifen«, sagte Arbeitsministerin Marte Mjøs Persen einer Erklärung zufolge.

Ein geplantes stufenweises Zurückfahren der Produktion bis Samstag hätte dazu führen können, dass fast ein Viertel der norwegischen Gasproduktion und etwa 15 Prozent der Ölproduktion stillgelegt werden. Der Industrieverband Norsk Olje og Gass sprach laut Wirtschaftszeitung »Dagens Næringsliv«  bereits von einem möglichen Einbruch um 130.000 Barrel Öl pro Tag und beim Gas von 292.000 Barrel Öläquivalent pro Tag. Es drohe ein Schaden von umgerechnet gut 50 Millionen Euro täglich.

Das skandinavische Land ist einer der größten Gaslieferanten für das europäische Festland. Öl und Gas machen die Hälfte aller norwegischen Exporte aus, bei gerade mal fünf Millionen Einwohnern arbeiten fast 200.000 Menschen in der Branche. Das von ihnen erwirtschaftete Geld füttert nicht zuletzt den staatlichen Pensionsfonds.

Heikler Streik für die EU

Für die EU-Staaten kam der Streik zu einem heiklen Zeitpunkt. Aufgrund der stark zurückgefahrenen Lieferungen aus Russland sind sie verstärkt auf Gas aus Norwegen angewiesen. Norwegen hatte angesichts des Krieges in der Ukraine angekündigt, seine Fördermenge zu steigern. Deutschland hatte in der Vergangenheit etwa ein Drittel seines Gasbedarfs aus Norwegen gedeckt.

Am Streik am Dienstag waren zunächst gerade mal etwas mehr als 70 Öl- und Gasarbeiter beteiligt, in den Nordsee-Feldern Gudrun, Oseberg Sør und Oseberg Øst. Die Gewerkschaft plante ursprünglich jedoch eine Ausweitung auf die Felder Heidrun, Aasta Hansteen und Kristin, mehr als hundert weitere Beschäftigte hätten sich dann anschließen können.

ptz/Reuters
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