Energieversorgung Streik in Norwegen belastet Gasförderung

Europa sorgt sich wegen der stark gedrosselten Lieferungen aus Russland um die Versorgung mit Brennstoff. Ein Ausstand norwegischer Öl- und Gasarbeiter dürfte die Lage nun abermals verschärfen.
Plattform des Öl- und Gasfelds Oseberg: Ein Viertel der norwegischen Gasproduktion könnte vom Streik betroffen sein

Plattform des Öl- und Gasfelds Oseberg: Ein Viertel der norwegischen Gasproduktion könnte vom Streik betroffen sein

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AP / Statoil

Erst am Montag erteilte die Regierung von Norwegen neue Genehmigungen für sechs Offshore-Felder, um den weltweiten Hunger nach Gas zu stillen. Nun belastet jedoch ein Ausstand der Öl- und Gasarbeiter die Förderung.

»Der Streik hat begonnen«, sagte Audun Ingvartsen, Vorsitzender der Gewerkschaft Lederne, am Montagabend. Die Öl- und Gasförderung werde infolge der Arbeitsniederlegung um 89.000 Barrel Öläquivalent pro Tag (boepd) gedrosselt, wovon 27.500 boepd auf die Gasproduktion entfielen, teilte der norwegische Energiekonzern Equinor, ehemals Statoil, mit.

Ein geplantes stufenweises Zurückfahren der Produktion bis Samstag könnte dazu führen, dass fast ein Viertel der norwegischen Gasproduktion und etwa 15 Prozent der Ölproduktion stillgelegt werden. Der Industrieverband Norsk Olje og Gass spricht laut Wirtschaftszeitung »Dagens Næringsliv « bereits von einem möglichen Einbruch um 130.000 Barrel Öl pro Tag und beim Gas von 292.000 Barrel Öläquivalent pro Tag. Es drohe ein Schaden von umgerechnet gut 50 Millionen Euro täglich.

Das skandinavische Land ist einer der größten Gaslieferanten für das europäische Festland. Öl und Gas machen die Hälfte aller norwegischen Exporte aus, bei gerade mal fünf Millionen Einwohnern arbeiten fast 200.000 Menschen in der Branche. Das von ihnen erwirtschaftete Geld füttert nicht zuletzt den staatlichen Pensionsfonds.

Beschäftigte verlangen mehr Geld

Am aktuellen Streik sind den Angaben der Zeitung zufolge zunächst gerade mal etwas mehr als 70 Mitarbeiter beteiligt, in den Nordsee-Feldern Gudrun, Oseberg Sør und Oseberg Øst. Die Gewerkschaft plane jedoch eine Ausweitung auf die Felder Heidrun, Aasta Hansteen und Kristin, mehr als hundert weitere Beschäftigte könnten sich dann anschließen. Die Entscheidung, die Produktion zu kürzen, obliegt letztlich dem Betreiber Equinor. Dieser bestätigte, die Förderung in den drei zunächst vom Streik betroffenen Feldern heruntergefahren zu haben.

Für die EU-Staaten dort kommt der norwegische Streik der Öl- und Gasarbeiter zu einem heiklen Zeitpunkt. Aufgrund der stark zurückgefahrenen Lieferungen aus Russland sind sie verstärkt auf Gas aus Norwegen angewiesen. Norwegen hatte angesichts des Krieges in der Ukraine angekündigt, seine Fördermenge zu steigern. Deutschland hatte in der Vergangenheit etwa ein Drittel seines Gasbedarfs aus Norwegen gedeckt.

Hintergrund des Streiks ist eine Tarifauseinandersetzung. Mitglieder von Lederne hatten einen Einigungsvorschlag mit großer Mehrheit abgelehnt, sie fordern angesichts der auch in Norwegen stark steigenden Verbraucherpreise eine Reallohnerhöhung.

Die norwegische Regierung hat erklärt, sie verfolge den Konflikt »genau« und könne den Streik beenden, wenn »außergewöhnliche Umstände« vorliegen. Der sozialdemokratische Ölminister Terje Aasland hatte erst am Dienstag eine erhöhte Gasförderung in mehreren Offshore-Feldern genehmigt.

»Das Wichtigste, was Norwegen in der heutigen anspruchsvollen Energiesituation für Europa und die Welt tun kann, ist, die Unternehmen auf dem norwegischen Kontinentalschelf dabei zu unterstützen, die heutige hohe Produktion aufrechtzuerhalten«, sagte Aasland zu der Ausweitung. Die erwartete Gasmenge, die Norwegen 2022 exportieren will, soll sich dadurch insgesamt allerdings nicht ändern.

apr/Reuters
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