Nur 3,2 Prozent Wie Immobilienkäufer die historisch niedrigen Zinsen nutzen

Wer ein Haus bauen oder eine Wohnung kaufen will, steht vor einer einmaligen Gelegenheit: Noch nie waren die Zinsen in Deutschland so niedrig wie derzeit. Trotzdem warnen Verbraucherschützer davor, unüberlegt eine Immobilie zu erwerben. Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Hausbau: Verschiedene Finanzierungsmöglichkeiten prüfen
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Hausbau: Verschiedene Finanzierungsmöglichkeiten prüfen


Berlin - Die Schuldenkrise in Europa ist ein Segen - zumindest für alle, die jetzt einen Immobilienkredit aufnehmen: Die Zinsen für Baudarlehen sind auf einen historischen Tiefstand gefallen. Nach Angaben der FMH-Finanzberatung sind für einen zehnjährigen Kredit derzeit nur 3,19 Prozent fällig. Der Bundesverband deutscher Banken rechnet etwas anders und kommt auf Effektivzinsen von weniger als 3,5 Prozent - auch dies ist ein Rekordtief. Vor gut zehn Jahren lagen die Zinsen noch bei mehr als sechs Prozent.

Hintergrund für das billige Baugeld ist das ungebrochene Vertrauen der Investoren in Deutschland: Staatsanleihen der Bundesrepublik sind zurzeit extrem gefragt, der Bund muss für zehnjährige Papiere nur noch eine Rendite von zwei Prozent bieten.

"Wer jetzt (...) finanzieren muss, kann sich freuen, weil wir den absoluten Tiefststand erreicht haben", sagt FMH-Mann Max Herbst. Doch ist ein Immobilienkredit jetzt in jedem Fall die richtige Entscheidung?

Die Antworten auf die wichtigsten Fragen:

  • Sollte man sich durch die niedrigen Zinsen zum Kauf einer Immobilie verleiten lassen? "Ob die Zinsen gerade historisch niedrig sind oder nicht, ist überhaupt nicht entscheidend", sagt Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Eine solch teure und weitreichende Investition dürfe man nicht von einem aktuellen Zinsniveau abhängig machen. Schließlich gehen die meisten Bauherren jahrzehntelange Verpflichtungen ein. Das gilt vor allem, wenn die komplette Finanzierung auf Pump geschehen soll - Verbraucherschützer raten dann in jedem Fall vom Bau oder Erwerb einer Immobilie ab. Wer etwa 30 bis 40 Prozent der Gesamtsumme aus Eigenmitteln aufbringen kann, sei hingegen in der Regel auf der sicheren Seite.
  • Muss man sich beeilen, um die niedrigen Zinsen zu erhalten? Fachleute raten grundsätzlich von Entscheidungen unter Zeitdruck ab - und geben im konkreten Fall Entwarnung: Wie lange die Zinsen noch auf dem Rekordtief verharren, hängt vor allem von der Entwicklung bei den Renditen für Staatsanleihen ab. Experten gehen davon aus, dass die Verunsicherung an den Finanzmärkten aufgrund der Schuldenkrise noch bis mindestens Ende des Jahres anhalten wird - bis dahin ist also auch kaum mit einem Anstieg der Bauzinsen zu rechnen. "Wer noch Zeit hat, sollte in Ruhe die Zinsen beobachten. Wer jetzt schon zahlen muss, braucht aber auch nicht traurig sein", sagt FMH-Mann Herbst. "Wir haben eine super Situation."
  • Sind sogar noch niedrigere Zinsen zu erwarten? Die Bauzinsen könnten nach Ansicht von Experten sogar noch ein wenig sinken - auf weitere deutliche Rückgänge sollten Bauherren in spe laut FMH-Experte Herbst aber nicht setzen: "Viel Luft nach unten ist nicht mehr." Wer also jetzt einen Immobilienkredit abschließt, macht keinen großen Fehler.
  • Sollte man Baukredite über eine möglichst lange Laufzeit abschließen, um sich den niedrigen Zinssatz zu sichern? Verbraucherschützer raten dazu, verschiedene Varianten mit unterschiedlichen Laufzeiten und Zinssätzen detailliert durchzuspielen. Denn es gilt die Grundregel: Je länger die Laufzeit eines Baukredits, desto höher sind auch die fälligen Zinsen. Und selbst geringe Unterschiede im Zinssatz ergeben über die lange Zeit einen beträchtlichen Effekt. Markus Feck von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen sagt: "Ich würde tendenziell die längere Laufzeit wählen, auch wenn das etwas mehr kostet." So lassen sich die Belastungen verlässlicher planen.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels hieß es, viele Immobilienfinanzierer würden ihre ausgegebenen Baukredite durch Staatsanleihen absichern. Diese Information ist falsch. Vielmehr beeinflussen die Renditen der Staatsanleihen das allgemeine Zinsniveau in Deutschland, auch für Baugeld. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

fdi/dpa



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Seite 1
neuroheaven 29.09.2011
1. ...
so viel geld, wie ich über die jahre schon an den staat durch falsche regierungspolitik abgedrückt habe, müsste mutti merkel mir eigentlich mal ein häuschen nebst grundstück in schöner lage schenken. und ja, das meine ich ernst.
KobiDror 29.09.2011
2. Titel heute für 1,99€
---Zitat--- Das gilt vor allem, wenn die komplette Finanzierung auf Pump geschehen soll - Verbraucherschützer raten dann in jedem Fall vom Bau oder Erwerb einer Immobilie ab. Wer etwa 30 bis 40 Prozent der Gesamtsumme aus Eigenmitteln aufbringen kann, sei hingegen in der Regel auf der sicheren Seite. ---Zitatende--- Wer kann das denn schon? 30-40% sind 30-40000€ auf 100000€ Bausumme. Dafür gibts gerade mal Eigentumswohnungen... Bei Häusern liegt man für die billigsten bei 200000€ und das ist 08/15 Standardkost. Dann liegen wir bei 60-80000€. Wer hat denn soviel in der Hinterhand? Der Mittelstand ist doch froh, wenn er 30-40000 Eigenkapital in das gesamte Vorhaben einbringen kann. P.S.:Ich rede hier nicht von Immobilien in der Uckermarck sondern von Immobilien im urbanen Einzugsbereich.
Imognimmer, 29.09.2011
3. ■Bitte geben Sie einen Titel für den Beitrag an!
Zitat von KobiDrorWer kann das denn schon? 30-40% sind 30-40000€ auf 100000€ Bausumme. Dafür gibts gerade mal Eigentumswohnungen... Bei Häusern liegt man für die billigsten bei 200000€ und das ist 08/15 Standardkost. Dann liegen wir bei 60-80000€. Wer hat denn soviel in der Hinterhand? Der Mittelstand ist doch froh, wenn er 30-40000 Eigenkapital in das gesamte Vorhaben einbringen kann. P.S.:Ich rede hier nicht von Immobilien in der Uckermarck sondern von Immobilien im urbanen Einzugsbereich.
Das sind aber schon Eigenheime im unteresten Level, bzw. der Einzugsbereich ist sehr groß gewählt: Ich selbst wohne in Augsburg und für eine Doppelhaushälfte (Neubau) werden hier am Stadtrand dann schon eher 250' - 350' T€ gefordert. Da fehlt dann aber noch Garage/Carport und die gesamte Aussengestaltung der Freifläche, wie z.B. Terrasse, Garten & Wege. Unter 200' T€ ist hier nichts zu haben - ausser vielleicht das wohlbekannte Wohnklo mit Kochnische, aber das kann nicht wirklich das Ziel sein.
JaguarCat 29.09.2011
4. Baugeld
Zunächst mal ein Fehler aus dem Artikel. Dort steht: ---Zitat--- Weil viele Immobilienfinanzierer ihre ausgegebenen Baukredite durch Staatsanleihen absichern, sinken die Zinsen dafür auch. ---Zitatende--- Wie soll denn das gehen? Einen Kredit durch einen anderen absichern? Richtig ist vielmehr: Es gibt einfach zig Billionen privaten Vermögens, die auf der Suche nach einem "sicheren Anlagehafen" sind, und die Einäugigen (z.B. Deutschland) unter den Blinden (z.B. andere EU-Länder) stehen dadurch als extrem gute Schuldner da. Deutschlands Banken müssen also nur geringe Zinsen zahlen, wenn sie die Kredite ihrer Häuslebauer weiterverbriefen. In den USA oder Spanien sieht das ganz anders aus ... Bevor man sich ein Haus kauft, sollte man aber definitiv etwas Eigenkapital angesammelt haben. Die Banken machen zwar immer wieder auch 100%-Kredite, aber das Risiko, im Falle eines Falles (Arbeitsplatzverlust, Krankheit, Ehescheidung etc. pp.) dann plötzlich nicht nur mit nichts, sondern mit massenhaft Miesen dazustehen, ist einfach zu groß. Es lohnt sich auch wirtschaftlich, mit Eigenkapital zur Bank zu gehen: Wer schonmal gezeigt hat, dass er in guten Zeiten ein paar 10.000 Euro beiseite legen kann, gilt als viel verlässlicherer Schuldner und zahlt ein bis zwei Prozent weniger Zinsen als jemand, der alles finanziert. Im Artikel fehlen außerdem zwei wichtige Hinweise: * Die Standard-Tilgungsrate von 1% ist angesichts der aktuell niedrigen Zinsen zu gering! 2% oder gar 3% sind besser. * Noch besser ist die Vereinbarung einer variablen Tilgung in Form eines Sondertilungsrechts: 1% muss man pro Jahr tilgen, bis zu 5% darf man zusätzlich extra. Urlaubsgeld, Gehaltserhöhung oder Extra-Aufträge lassen dann den Restkredit schnell schmelzen, wenn man sie konsequent entsprechend einsetzt. Jag
rwdd 29.09.2011
5. --
Zitat von KobiDrorWer kann das denn schon? 30-40% sind 30-40000€ auf 100000€ Bausumme. Dafür gibts gerade mal Eigentumswohnungen... Bei Häusern liegt man für die billigsten bei 200000€ und das ist 08/15 Standardkost. Dann liegen wir bei 60-80000€. Wer hat denn soviel in der Hinterhand? Der Mittelstand ist doch froh, wenn er 30-40000 Eigenkapital in das gesamte Vorhaben einbringen kann. P.S.:Ich rede hier nicht von Immobilien in der Uckermarck sondern von Immobilien im urbanen Einzugsbereich.
So bitter es klingt. Dass können genau die die finanziell dazu in der Lage sind. Wie der Autor schon schrieb sollten sich potentielle Bauherren die kein entsprechendes Eigenkapital oder hohe Einkünfte haben die Sache lieber noch mal überlegen.
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