Baufinanzierer Obama will Fannie Mae und Freddie Mac abwickeln

US-Präsident Barack Obama will sein Land von den Altlasten der Immobilienkrise befreien und die beiden wichtigen Baufinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac abwickeln. Er strebt ein schlankeres System zur Garantie von Hypothekenkrediten an.
Fannie-Mae-Zentrale in Washington: Obama will die Finanzierer "herunterfahren"

Fannie-Mae-Zentrale in Washington: Obama will die Finanzierer "herunterfahren"

Foto: JASON REED/ REUTERS

Washington - Den Staat möglichst weit aus der Immobilienfinanzierung herausziehen, das ist der Plan von Barack Obama. In einem Interview in Los Angeles machte sich der US-Präsident am Mittwoch für ein "Herunterfahren" der staatlich kontrollierten Baufinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac stark. Die beiden Schwesterunternehmen seien zu groß geworden und sollten mit einem schlankeren System zur Garantie von Hypothekenkrediten ersetzt werden.

Obama unterstütze entsprechende überparteiliche Gesetzesinitiativen im Kongress. Bereits am Vortag hatte er die Institute in einer Rede kritisiert: Fannie Mae  und Freddie Mac  hätten "zu lange riesige Gewinne gemacht, indem sie Kredite aufkauften und wussten, dass der Steuerzahler sie stützen würde, wenn ihre Wetten nicht aufgehen", sagte er in Phoenix, Arizona. Der Bundesstaat war besonders betroffen von der US-Immobilienkrise, in der zahlreiche Hauskäufer ihre Kredite nicht mehr bezahlen konnten und viele Häuser zwangsgeräumt wurden.

Obama forderte, bei der Immobilienfinanzierung müsse ein neues Kapitel aufgeschlagen und der alten "Mentalität" ein Ende bereitet werden, die "dieses Chaos in erster Linie verursacht hat". Nötig sei "ein Immobiliensystem, das dauerhaft und gerecht ist und das Verantwortung für die kommenden Generationen belohnt", sagte der Präsident. Private Kreditgeber müssten stärker zur Verantwortung gezogen werden, der Staat solle sich hingegen als Garantiegeber für Immobilienkredite zurückziehen.

"Wichtigste Anschaffung ihres Lebens"

Obama sprach sich für eine dauerhafte Garantie eines festen Hypothekensatzes über 30 Jahre aus, um Hauskäufern Sicherheit zu geben. "Das ist etwas, worauf sich Familien verlassen können sollten, wenn sie die wichtigste Anschaffung ihres Lebens tätigen", sagte der Präsident. Neue Immobilienblasen müssten vermieden werden.

Die Konzerne spielen bei der Stabilisierung des US-Häusermarkts eine entscheidende Rolle. Ihre Aufgabe ist es, Hauskredite von privaten Banken aufzukaufen, damit diese neue Kredite vergeben können. Als der US-Immobilienmarkt ab 2007 einbrach, gerieten die zwei Finanzkolosse jedoch in Not und der Staat stützte sie mit zusammen annähernd 190 Milliarden Dollar.

Nun verdienen sie aber wieder kräftig Geld, das zu einem großen Teil nach Washington fließt, um die Schuld zu tilgen.

Die Regierung in Washington erhob am Dienstag außerdem Zivilklage gegen die Bank of America. Das Institut habe hypothekenbesicherte Wertpapiere sicherer eingestuft, als sie tatsächlich gewesen seien, und Anleger über den Wert der Papiere "belogen", erklärte das Justizministerium. Es gehe um falsch deklarierte Finanzprodukte im Wert von mehr als 850 Millionen Dollar (gut 640 Millionen Euro), die den Anlegern Verluste in Höhe von mehr als 100 Millionen Dollar eingebracht hätten.

Auch die US-Börsenaufsicht SEC reichte deshalb Klage ein. Ein Sprecher der Bank wies eine Verantwortung des Instituts für die Verluste zurück. Das US-Justizministerium hatte die Bank bereits im Oktober wegen des Verkaufs fauler Immobilienkredite an Fannie Mae und Freddie Mac verklagt und Schadensersatz für die Staatskasse gefordert.

In den USA hatten ab 2007 immer mehr einkommensschwache US-Hausbesitzer ihre Darlehen wegen steigender Zinsen nicht mehr abzahlen können. Dies löste in einem Dominoeffekt eine weltweite Krise aus, weil die schlecht abgesicherten Kredite von Bank zu Bank als Geldanlage weitergereicht wurden.

mia/dpa/AFP