Gescheiterte China-Expansion Staatsanwaltschaft lässt Räume von Öko-Test durchsuchen

Haben Manager von Öko-Test bei einem gescheiterten China-Geschäft ihre Pflichten verletzt? Dieser Verdacht führte nun zu umfangreichen Razzien.

Werbung für die Verbraucherseite Okoer, mit der Öko-Test in China expandieren wollte (2015)
DPA

Werbung für die Verbraucherseite Okoer, mit der Öko-Test in China expandieren wollte (2015)


Die gescheiterte Expansion der Zeitschrift "Öko-Test" nach China hat die Frankfurter Staatsanwaltschaft auf den Plan gerufen. Wegen des Verdachts der Untreue durchsuchten nach Angaben der Behörde mehr als 40 Beamte am Dienstag Geschäftsräume und Wohnungen in Berlin, Frankfurt, Hamburg und Elmshorn. Zuvor hatte der SWR über die Durchsuchungen berichtet.

Wie die Ermittler mitteilten, geht es um den Verdacht der Untreue im Zusammenhang mit dem Expansionsversuch. Die Ermittlungen der Abteilung zur Bekämpfung von Wirtschaftskriminalität richteten sich gegen drei Personen, die der Vorgängergesellschaft Öko-Test Holding AG angehörten. Stein des Anstoßes ist der Erwerb von Anteilen an einem Hongkonger Unternehmen, das kurz nach dem Einstieg der Deutschen Pleite ging. Dadurch soll ein Schaden im Millionenbereich entstanden sein.

Die Öko-Test Holding war eine Vorgängergesellschaft der Öko-Test AG, die die Zeitschrift "Öko-Test" herausgibt. Sie gehört mehrheitlich der SPD-Medienholding DDVG. Die Ermittlungen hätten keinen Bezug zu den Presseaktivitäten der Zeitschrift "Öko-Test", erklärte die Staatsanwaltschaft. Die Öko-Test Holding habe sich im Herbst/Winter 2017 schon selbst in einer wirtschaftlichen Schieflage befunden. Dennoch hätten die Manager den Anteilskauf beschlossen und damit ihre Prüf- und Sorgfaltspflichten verletzt. Besonders pikant: Einzelne Beschuldigte sollen zugleich Posten bei der Hongkonger Gesellschaft gehabt haben.

Der ehemalige Chefredakteur, Geschäftsführer und Vorstand, Jürgen Stellpflug, schrieb in einer E-Mail an die Aktionäre: "Mit den Hausdurchsuchungen kommt jetzt endlich die strafrechtliche Aufarbeitung der Geschäfte in Gang." Dass Vorstand und Aufsichtsrat bei den Vorgängen nicht die Interessen der Aktionäre vertreten hätten, "dürfte außer Frage stehen". Laut Stellpflug wurde auch die DDVG durchsucht.

Bei der Öko-Test AG war laut Deutscher Presseagentur trotz mehrfacher Nachfrage zunächst niemand für eine Stellungnahme erreichbar.

dab/dpa/AFP/Reuters



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OskarMaria 16.07.2019
1. Ex-Chefredakteur & SPD zerstören die Reputation von Öko-Test
Man muss die Sache realistisch sehen - Öko-Test hat seit seiner Gründung 1985 eigentlich nie eine Chance, auf dem, Markt ökonomisch zu reüssieren. Es ist beinahe ein Wunder, dass das Testmagazin noch heute überhaupt existiert. Der Grund ist relativ einfach. Die Zeitschrift hat jeden Monat neben den üblichen Aufwendungen für Redaktion, Druck und Verlag enorme Kosten für die ökologischen Verbrauchertests zu stemmen. Das ist nur schwer über den Zeitschriftenverkauf und die Heftanzeigen wieder einzunehmen. Die Zeitschrift Test bekommt z.B. für diese Testkosten einen staatlichen Zuschuss. Am Anfang haben einige tausend Kommanditisten dem Verlag geholfen, über die Runden zu kommen. Über die Ausgabe ständig neuer Anteile an der KG wurden die notwendigen Geldmittel beschafft. Doch das konnte man nicht ewig weiter handhaben. So wurde schließlich die SPD Medienholding als Kapitalgeber gewonnen. Die entwickelte zunächst keine Anstalten, sich ins Tagesgeschäft einzumischen. So dass das Magazin vor sich hin dümpelte. Als die Sache mit China dann herangetragen wurde, war auch die Leitung des Magazins unter Stellpflug Feuer und Flamme. Die Sache wurde großspurig aufgezogen, es flossen hohe Honorare und rechnete sich schließlich nicht. Öko-Test blieb auf hohen Testkosten für das Chinaabenteuer sitzen. Jetzt liefern sich der geschasste Stellpflug und die SPD-Velagsholding eine Schlammschlacht - zu lasten der Reputation des Magazions. Und leider können die Eigentümer von der SPD leider kein Öko. Die aktuelle Verlagspolitik ist offensichtlich darauf ausgelegt, die Reputation und die finanziellen Grundlagen des Magazins zu zerstören.
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