Deutsche Wirtschaft Ökonomen warnen vor Rezession bei langfristigem Ölpreisanstieg

Nach der Attacke auf wichtige Raffinerien in Saudi-Arabien steigt der Ölpreis. Ökonomen warnen: Für die deutsche Wirtschaft sei nun entscheidend, wie sich die Lage in der Golfregion entwickelt.

Öltanker im Hamburger Hafen: Sorge vor einem Krieg in der Golfregion
Christian Charisius / DPA

Öltanker im Hamburger Hafen: Sorge vor einem Krieg in der Golfregion


Experten hatten nach der Attacke auf die größte Ölverarbeitungsanlage der Welt in Saudi-Arabien einen sprunghaften Anstieg der Ölpreise vorhergesagt. Am Montag gab es dann auch den kräftigsten Ölpreisanstieg seit 1991. Die Ölsorte Brent Chart zeigen aus der Nordsee verteuerte sich zeitweise um knapp 20 Prozent und kostete 71,95 Dollar je Barrel (159 Liter).

Wenn es sich lediglich um einen kurzfristigen Effekt von einigen Tagen handele, werde dies keine spürbaren Auswirkungen auf die Konjunktur haben, sagte der Deutschland-Chefvolkswirt von UniCredit, Andreas Rees. Andere Öl produzierende Länder könnten ihre Produktion erhöhen und den Ölmarkt stabilisieren. "Allerdings könnten die geopolitischen Unsicherheiten die Stimmung der Unternehmen und Konsumenten belasten, in Deutschland und weltweit", warnte Rees. "Neben dem Handelskonflikt und dem Brexit ist ein weiterer Unsicherheitsfaktor dazu gekommen."

"Der Drohnenangriff hat den Rohölpreis um sieben Dollar ansteigen lassen", sagte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer der Nachrichtenagentur Reuters. "Das erhöht die deutsche Ölrechnung um schätzungsweise fünf Milliarden Euro." Das entspreche allerdings nicht einmal 0,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

Krieg zwischen Iran und den USA als größte Gefahr

"Ein Anstieg der Ölpreise um zehn Euro pro Barrel würde die deutsche Wirtschaft vermutlich endgültig aus der Stagnation in eine milde Rezession abrutschen lassen", sagte der Chefvolkswirt der Berenberg Bank, Holger Schmieding. Er sieht aber gute Chancen dafür, dass sich der Ölmarkt wieder beruhigt. "Allein am Öl wird es wohl nicht liegen, ob es zur Rezession kommt", sagte er.

Ganz anders sähe die Lage aus, wenn die USA einen Krieg gegen Iran beginnen sollten. "Das würde die gesamte Golfregion destabilisieren", sagte Commerzbank-Chefökonom Krämer. "Immerhin gehen 30 Prozent der seewärtigen Ölexporte durch die Straße von Hormus." In diesem Risikoszenario wäre eine Verdoppelung des Ölpreises nicht ausgeschlossen. "Dann würde sich die deutsche Ölrechnung um einen Betrag erhöhen, der 1,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts entspräche", sagte Krämer. "Das wäre ein riesiges Problem für die deutsche Wirtschaft, zumal ein Krieg mit Iran die allgemeine Unsicherheit massiv erhöhen würde."

Ob der Ölpreis für die deutsche Wirtschaft zum Problem werde oder nicht, hänge daher davon ab, wie die Amerikaner auf den Drohnenangriff reagieren. US-Präsident Donald Trump hat bereits Vergeltung für die Attacke angedroht. Iran wies Vorwürfe aus den USA zurück, für die Angriffe auf saudi-arabische Ölanlagen verantwortlich zu sein.

Die wachsenden Spannungen versetzen Anleger weltweit in Unruhe. Der deutsche Leitindex Dax Chart zeigen verlor zeitweise um 0,6 Prozent. "Höhere Ölpreise belasten zwar auch direkt die Wirtschaft", sagte Marktanalyst Milan Cutkovic. "Die Angst, dass sich die geopolitischen Spannungen nun weiter verschärfen, wiegt aber schwerer."

Vor diesem Hintergrund verteuerte sich Gold Chart zeigen um bis zu 1,6 Prozent auf 1511,91 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm).

Die Sorge um den Ölpreis gab Währungen von Exportstaaten wie Kanada, Norwegen oder Russland Auftrieb. Währungen von Staaten, deren Wirtschaft stark von Energie-Importen abhängt, gerieten dagegen unter Verkaufsdruck. Dies gelte vor allem für die Türkei und Indien, weil deren Notenbanken nicht zugetraut werde, den Inflationsdruck steigender Ölpreise mit Zinserhöhungen abzufangen, sagte Commerzbank-Analyst Ulrich Leuchtmann. "Dazu sind beide Zentralbanken viel zu sehr unter der Fuchtel ihrer Regierungen."

Wie funktioniert die Civey-Methodik?
Das Meinungsforschungsinstitut Civey arbeitet mit einem mehrstufigen vollautomatisierten Verfahren. Alle repräsentativen Echtzeitumfragen werden in einem deutschlandweiten Netzwerk aus mehr als 20.000 Websites ausgespielt ("Riversampling"), es werden also nicht nur Nutzer von SPIEGEL ONLINE befragt. Jeder kann online an den Befragungen teilnehmen und wird mit seinen Antworten im repräsentativen Ergebnis berücksichtigt, sofern er sich registriert hat. Aus diesen Nutzern zieht Civey eine quotierte Stichprobe, die sicherstellt, dass sie beispielsweise in den Merkmalen Alter, Geschlecht und Bevölkerungsdichte der Grundgesamtheit entspricht. In einem dritten Schritt werden die Ergebnisse schließlich nach weiteren soziodemografischen Faktoren und Wertehaltungen der Abstimmenden gewichtet, um Verzerrungen zu korrigieren und Manipulationen zu verhindern. Weitere Informationen hierzu finden Sie auch in den Civey FAQ.
Warum ist eine Registrierung nötig?
Die Registrierung hilft dabei, die Antworten zu gewichten, und ermöglicht so ein Ergebnis für die Umfragen, das für die Wahlbevölkerung in Deutschland repräsentativ ist. Jeder Teilnehmer wird dabei nach seinem Geschlecht, Geburtsjahr und Wohnort gefragt. Danach kann jeder seine Meinung auch in weiteren Umfragen zu unterschiedlichen Themen abgeben.
Wie werden die Ergebnisse repräsentativ?
Die Antwort jedes Teilnehmers wird so gewichtet, dass das Resultat einer Umfrage für die Grundgesamtheit repräsentativ ist. Bei der Sonntagsfrage und beim Regierungsmonitor umfasst diese Grundgesamtheit die wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland. Die Gewichtung geschieht vollautomatisiert auf Basis der persönlichen Angaben bei der Registrierung sowie der Historie früherer Antworten eines Nutzers. Weitere Details zur Methodik stehen im Civey-Whitepaper.
Erreicht man online überhaupt genügend Teilnehmer?
Meinungsumfragen werden in der Regel telefonisch oder online durchgeführt. Für die Aussagekraft der Ergebnisse ist entscheidend, wie viele Menschen erreicht werden können und wie viele sich tatsächlich an einer Umfrage beteiligen, wenn sie angesprochen werden. Internetanschlüsse und Festnetzanschlüsse sind in Deutschland derzeit etwa gleich weit verbreitet - bei jeweils rund 90 Prozent der Haushalte, Mobiltelefone bei sogar 95 Prozent. Die Teilnahmebereitschaft liegt bei allen Methoden im einstelligen Prozentbereich, besonders niedrig schätzen Experten sie für Telefonumfragen ein.
Es gibt also bei beiden Methoden eine Gruppe von Personen, die nicht erreicht werden kann, weil sie entweder keinen Anschluss an das jeweilige Netz hat oder sich nicht an der Umfrage beteiligen möchte. Deshalb müssen für ein aussagekräftiges Ergebnis immer sehr viele Menschen angesprochen werden. Civey-Umfragen sind derzeit neben SPIEGEL ONLINE in mehr als 20.000 andere Webseiten eingebunden, darunter auch unterschiedliche Medien. So wird gewährleistet, dass möglichst alle Bevölkerungsgruppen gut erreicht werden können.
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Bis das Ergebnis einer Umfrage repräsentativ wird, müssen ausreichend viele unterschiedliche Menschen daran teilnehmen. Ob das bereits gelungen ist, macht Civey transparent, indem zu jedem Umfrageergebnis eine statistische Fehlerwahrscheinlichkeit angegeben wird. Auch die Zahl der Teilnehmer und die Befragungszeit werden für jede Umfrage veröffentlicht.
Was bedeutet es, wenn sich die farbigen Bereiche in den Grafiken überschneiden?
In unseren Grafiken ist der statistische Fehler als farbiges Intervall dargestellt. Dieses Intervall zeigt jeweils, mit welcher Unsicherheit ein Umfragewert verbunden ist. Zum Beispiel kann man bei der Sonntagsfrage nicht exakt sagen, wie viel Prozent eine Partei bei einer Wahl bekommen würde, jedoch aber ein Intervall angeben, in dem das Ergebnis mit hoher Wahrscheinlichkeit liegen wird. Überschneiden sich die Intervalle von zwei Umfragewerten, dann können streng genommen keine Aussagen über die Differenz getroffen werden. Bei der Sonntagsfrage heißt das: Liegen die Umfragewerte zweier Parteien so nah beieinander, dass sich ihre Fehlerintervalle überlappen, lässt sich daraus nicht ableiten, welche von beiden aktuell bei der Wahl besser abschneiden würde.
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mmq/dpa/Reuters

insgesamt 62 Beiträge
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rosinenzuechterin 16.09.2019
1. Ich behaupte auch mal was
Und ich prognostiziere einen Boom bei den Alternativen Energien, weil weder Industrie noch Verbraucher länger vom Öl und den Launen und Beziehungsproblemen der Förderländer abhängig sein wollen. Oder salopp gesagt: Die Araber können uns mal, wir machen jetzt in Windgas. Und nun?
ricky_rickmers 16.09.2019
2. Ein weiterer Grund....
....endlich Alternativen anzustreben.
hausfeen 16.09.2019
3. Klar ist, dass das schwarze Gold vergiftet ist.
Es provoziert Kriege und zerstört unsere Umwelt. Dass aber ein einfacher Drohnenangriff schon jetzt eine fette Rechnung serviert, hätte ich nicht gedacht. Und was passiert, wenn es eskaliert? Nicht auszudenken. Es wäre eben besser gewesen, den Kram in der Erde zu lassen.
schulz.dennis.84 16.09.2019
4. Die fetten Jahre sind vorbei
Auch am Golf entscheidet sich das Schicksal Deutschland. Die Wirtschaft stottert und ein Krieg am Golf würde den Ölpreis in neue Rekordwerte treiben und die Wirtschaft in Deutschland endgültig abwürgen. Dazu noch eine verfehlte Energiepolitik, die ideologische Zerschlagung unserer Schlüsselindustrien, der langsame Zerfall unserer Infrastruktur und der Verlust der inneren Sicherheit und der politischen Stabilität. Da wäre ein hoher Ölpreis nur der erste Dominostein in die wirtschaftliche Katastrophe mit dem Verlust des Wohlstandes für alle.
... Übrigens 16.09.2019
5. Ab 80 USD für den Barrel lohnt sich Fracking
Naja, für Trump so oder so ein Gewinn... Ab 80 USD pro Barrel wird langsam auch fracking wieder interessant... Insofern würde die Verknappung von Öl auch leider kein Umdenken für alternative Energielösungen voran treiben.
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