Interne Dokumente Ölkonzerne wissen seit Jahrzehnten von Gesundheitsgefahr durch Luftverschmutzung

Die Verbrennung fossiler Brennstoffe macht krank. Das ist Ölfirmen seit fünfzig Jahren bewusst, wie Dokumente zeigen, die dem »Guardian« vorliegen. Trotzdem kämpften die Konzerne gegen strengere Gesetze.
Die Petrochemie-Fabrik von TPC in der Nähe von Houston

Die Petrochemie-Fabrik von TPC in der Nähe von Houston

Foto: David J. Phillip / AP

Shell, Esso, eine Exxon-Tochter: Laut internen Dokumenten, die dem »Guardian « vorliegen, wussten die Ölfirmen seit mindestens 50 Jahren um die ernsthafte Gesundheitsgefahr, die von der Verbrennung fossiler Rohstoffe ausgeht. Trotzdem betrieben sie jahrzehntelang aggressives Lobbying gegen strengere Vorschriften zur Luftreinhaltung.

Die internen Berichte belegen der Zeitung zufolge, dass sich die Industrie bewusst war, für einen Großteil der Luftverschmutzung verantwortlich zu sein, und dass Schadstoffe sich tief in der Lunge festsetzten; sie bezeichnete diese als »echte Bösewichte« für die Gesundheit. Auch ein möglicher Zusammenhang mit Geburtsfehlern unter den eigenen Arbeitern wurde gesehen.

Trotzdem säten die Öl- und Gaskonzerne jahrzehntelang Zweifel an der wachsenden Zahl von wissenschaftlichen Beweisen zu dem Thema. Die Firmen veröffentlichten eine Flut von Material, um Unsicherheit über die Luftverschmutzungsschäden zu erhöhen und die US-Gesetzgeber davon abzuhalten, weitere Grenzwerte für Schadstoffe festzulegen.

»Die Reaktion der Interessenvertreter der fossilen Brennstoffe war immer die gleiche – erst wissen sie es, dann intrigieren sie, dann leugnen sie und dann verzögern sie«, sagte Geoffrey Supran von der Universität Harvard, der die Geschichte der fossilen Brennstoffe und des Klimawandels untersucht hat. »Sie greifen auf Verzögerung, subtile Formen der Propaganda und die Untergrabung von Vorschriften zurück.«

Gesundheitsschäden waren bekannt

So räumte Imperial Oil, eine Exxon-Tochtergesellschaft, bereits 1967 ein, dass die Erdölindustrie ein »Hauptverursacher für viele der wichtigsten Formen der Umweltverschmutzung« ist. In einem internen technischen Bericht von 1968 ging Shell noch weiter und warnte, dass Luftverschmutzung »in extremen Situationen gesundheitsschädlich sein kann«. Die Ölindustrie müsse »widerwillig« akzeptieren, dass Autos »bei Weitem die größten Quellen der Luftverschmutzung sind«. Der Bericht stellt fest, dass Schwefeldioxid, das bei der Verbrennung von Öl freigesetzt wird, »Atembeschwerden« verursachen könne, während Stickstoffdioxid zu Lungenschäden führen könne.

Esso, ein Vorgänger von Exxon, hat dem Bericht zufolge in New York City bereits 1971 Partikelproben genommen und zum ersten Mal festgestellt, dass die Luft voller winziger Fragmente von Aluminium, Magnesium und anderen Metallen ist, die tief in die Lunge eindringen.

Trotzdem wehrte sich die Ölindustrie gegen strengere Gesetze: So sagte ein vom American Petroleum Institute (API) beauftragter Wissenschaftler bei einer Kongressanhörung im Jahr 1997, dass der Zusammenhang zwischen Luftverschmutzung und Sterblichkeit »schwach« sei.

Ignoranz hat Methodik

Noch unter der Amtszeit von Donald Trump war diese Methode erfolgreich, als leitende Angestellte von Exxon, Chevron, Occidental Petroleum und API den damaligen US-Präsidenten im Weißen Haus trafen. Eine Reihe von Vorschriften zur Luftreinhaltung wurde zurückgeschraubt, wie etwa Regeln zur Begrenzung der Verschmutzung durch Autos und Lastwagen. Gleichzeitig drohte eine sogenannte Transparenzregel für die Wissenschaft, Studien ungültig zu machen, die auf vertraulichen medizinischen Daten basieren, die für die Grundlagenforschung zur Luftverschmutzung unerlässlich sind.

caw
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