"Vision 2030" Saudi-Arabien beschließt Öl-Ausstiegsplan

Der größte Staatsfonds und die größte Privatisierung: Mit einem jetzt beschlossenen Plan bereitet sich Saudi-Arabien auf die Zeit nach dem Öl vor. Vize-Kronprinz Mohammed bin Salman will damit die "Sucht" seines Landes nach dem Rohstoff beenden.
Ölförderung in Saudi-Arabien

Ölförderung in Saudi-Arabien

Foto: MARWAN NAAMANI/ AFP

Der Preisverfall beim Rohstoff ist enorm und die Reaktion des größten Förderers ist spektakulär: Saudi-Arabien will sich in den nächsten Jahrzehnten zunehmend unabhängig von seinen Öleinnahmen machen und dazu den größten Staatsfonds der Welt gründen. Das saudische Kabinett stimmte am Montag der "Vision 2030" zu, die Eckpfeiler für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes festlegt, wie die staatliche Nachrichtenagentur SPA berichtete.

Als Teil des Plans würden weniger als fünf Prozent der staatlichen Ölgesellschaft Aramco an die Börse gebracht, sagte Vize-Kronprinz Mohammed bin Salman am Montag im Fernsehsender Al-Arabija. Das so eingenommene Geld solle in einen insgesamt zwei Billionen Dollar (1,78 Billionen Euro) ausgestatteten Staatsfonds fließen. Obwohl nur ein kleiner Teil privatisiert wird, handelt es sich nach Angaben von Prinz Mohammed auch um den "größten Börsengang der Welt". Der Gesamtwert von Aramco werde auf zwei bis 2,5 Billionen Dollar geschätzt.

Der Investitionsfonds werde zehn Prozent der weltweiten Investitionskraft besitzen, sagte Mohammed bin Salman. Der 30 Jahre alte Vize-Kronprinz, Sohn des saudischen Königs Salman, steht an der Spitze des mächtigen saudischen Rats für Wirtschaft und Entwicklung. Er gilt als Chef-Architekt der Reformpläne.

Mithilfe des Plans "können wir im Jahr 2020 ohne Öl leben", sagte Prinz Mohammed. "Wir haben in Saudi-Arabien alle eine Sucht nach Öl entwickelt. Das ist gefährlich und hat die Entwicklung in vielen Bereichen in den vergangenen Jahren behindert."

Saudi-Arabien ist der größte Öl-Exporteur der Welt. Haushalt und Wirtschaft des Königreichs sind bisher weitgehend vom Öl abhängig. Das Land leidet deswegen unter dem weltweiten Ölpreisverfall. Für 2015 verzeichnete das Königreich ein Rekorddefizit von 98 Milliarden Dollar (87 Milliarden Euro).

asa/dpa/AFP
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