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26. Juli 2013, 07:26 Uhr

Ölpest

Halliburton vernichtete Beweise zur "Deepwater"-Katastrophe

Die Explosion der Ölplattform "Deepwater Horizon" löste eine der schlimmsten Umweltkatastrophen in der US-Geschichte aus. Jetzt bekennt sich der Konzern Halliburton schuldig: Das Unternehmen, das an den Bohrarbeiten beteiligt war, hat laut Justizministerium die Vernichtung von Beweisen eingestanden.

Washington - Der US-Mischkonzern Halliburton ist schon häufiger unangenehm aufgefallen, unter anderem durch dubiose Geschäfte im Irak und seine Verbindungen zum früheren Vorstandschef und Ex-Vizepräsidenten Dick Cheney. Nun hat das Unternehmen nach Angaben des US-Justizministeriums eingestanden, nach der Katastrophe auf der Ölplattform "Deepwater Horizon" 2010 Beweise vernichtet zu haben.

Halliburton, das an den Bohrarbeiten auf der Plattform beteiligt war, habe zugesagt, bei einem geplanten Verfahren auf schuldig zu plädieren, teilte das Ministerium mit. Der Konzern werde eine Strafe von 200.000 Dollar sowie eine dreijährige Bewährungszeit akzeptieren und weiterhin mit den Ermittlern zusammenarbeiten. Halliburton habe zudem freiwillig 55 Millionen Dollar an die National Fish and Wildlife Foundation gezahlt.

An der "Deepwater Horizon" war Halliburton unter anderem mit der Mischung des Zements zum Verschließen des Bohrlochs beteiligt. Bei den Beweisen handele es sich um Ergebnisse von Computersimulationen nach der Katastrophe.

Nach Angaben von Halliburton verzichtet das Ministerium im Gegenzug für das Schuldeingeständnis auf eine weitere Strafverfolgung im Zusammenhang mit der Katastrophe. Die Behörden hätten zudem die "erhebliche und wertvolle Kooperation des Unternehmens im Verlauf der Untersuchung anerkannt".

"Mindestens hochverdächtig"

Halliburton hatte sich zuvor einen Rechtsstreit mit dem Ölkonzern BP geliefert. Dieser warf Halliburton unter anderem das Verschwinden von 3-D-Modellen zur Katastrophe vor, die dem Konzern zufolge nicht mehr aufzufinden waren. Dies sei "mindestens hochverdächtig", befanden BP-Anwälte.

Nach Beginn des Prozesses im Februar stieß Halliburton nach eigenen Angaben in einem Labor auf Zementproben, die den Behörden nach der Katastrophe nicht übergeben worden waren. Anwälte von Halliburton sprachen von einem "schlichten Missverständnis" und warfen BP vor, es wolle einen Nebenkriegsschauplatz schaffen.

Die "Deepwater Horizon" war im April 2010 im Golf von Mexiko explodiert. Dabei kamen elf Arbeiter ums Leben. Über Monate strömten große Mengen Öl aus, weite Teile der US-Golfküste wurden verseucht.

dab/dpa-AFX/AP

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