Ölpest im Golf von Mexiko US-Regierung verliert Geduld mit BP

BP hat es immer noch nicht geschafft, das Bohrloch im Golf von Mexiko zu verschließen. Der US-Regierung gehen langsam Geduld und Vertrauen in den mächtigen Konzern aus. Innenminister Ken Salazar sieht sogar die Existenz des Unternehmens in Gefahr.

dpa

Washington - Die Ölpest im Golf von Mexiko breitet sich immer weiter aus: Bereits seit mehr als einem Monat strömen täglich große Mengen Öl aus dem Bohrloch in rund 1600 Metern Tiefe ins Meer. Anfangs war von etwa 160.000 Litern am Tag die Rede, später von rund 800.000 Litern. Einige Experten halten sogar eine weit größere Menge für wahrscheinlich.

Mitte April war die BP-Bohrplattform "Deepwater Horizon" nach einer Explosion gesunken - langsam verliert die US-Regierung die Geduld mit dem Energiekonzern: Sie ist massiv verärgert über den mangelnden Fortschritt und hat BP den Rauswurf bei der Bekämpfung der Ölpest angedroht.

Das britische Unternehmen lasse "Frist um Frist" bei seinen Bemühungen zum Verschluss des Bohrlochs vor der US-Küste verstreichen, sagte US-Innenminister Ken Salazar am Sonntag nach einem Besuch in der BP-Firmenzentrale in Houston. "Wenn wir herausfinden, dass sie nicht das tun, was sie vorgeben zu tun, dann werden wir BP in geeigneter Weise aus dem Weg drängen." Dabei ließ er offen, wann dies tatsächlich passieren oder was der Auslöser dafür sein könnte. Im Übrigen habe sich der Konzern bereit erklärt, mehr als die 75 Millionen Dollar zur Säuberung der US-Küsten zu bezahlen, die bislang im US-Gesetz als Höchstgrenze genannt sind.

"Glaube ich, dass sie genau wissen, was sie tun? Nicht ganz"

Die Ölkatastrophe bedeute "eine Existenzkrise für eines der größten Unternehmen der Welt". Der Innenminister bezweifelte, dass bei der Bekämpfung der Ölpest durch den Konzern alle Aktionen durchdacht seien. "Glaube ich, dass sie genau wissen, was sie tun? Nicht ganz", sagte Salazar. Er spielte damit offensichtlich auf die immensen Kosten an, die auf BP für Reinigungsarbeiten und Schadensersatz zukommen könnten. Experten zufolge geht es um Milliardenbeträge.

US-Präsident Barack Obama hatte sich bereits am Samstag so scharf wie nie zuvor über das Unglück geäußert und von einem "Ausfall der Verantwortlichkeiten" gesprochen. Dabei hatte er namentlich BP genannt, aber auch die Firmen Haliburton und Transocean. "Wir werden die relevanten Firmen zur Verantwortung ziehen. Nicht nur dabei, die Fakten im Zusammengang mit dem Leck transparent zu machen, sondern auch dabei, das Leck zu schließen, die angerichteten Schäden zu reparieren und die Amerikaner auszuzahlen, die einen finanziellen Schaden erlitten haben."

Transocean ist ein Ölbohrkonzern aus der Schweiz, den BP als Betreiber der gesunkenen Anlage angeheuert hatte. Der US-Konzern Haliburton hatte vor dem Unglück Zementarbeiten am Bohrloch vorgenommen. Bei einer Anhörung im US-Kongress Mitte Mai hatten sich die drei Firmen gegenseitig die Schuld für die Katastrophe gegeben.

Provisorisches, weniger sicheres Ventil

Einem Pressebericht zufolge hat BP wissentlich in Kauf genommen, dass die Sicherheit des Bohrlochs im Golf von Mexiko durch den Einsatz eines provisorischen Ventils verringert war. Der Erdölkonzern habe sich dafür entschieden, an einem "vorläufigen", aber weniger sicheren Ventil festzuhalten, statt ein beständiges Teil einzusetzen, berichtete die Zeitung "Washington Post" unter Berufung auf einen von einem BP-Verantwortlichen unterschriebenen Brief vom Oktober 2004. Das Ventil sollte eigentlich das Bohrloch im Falle einer Explosion verschließen, um das Auslaufen von Öl zu verhindern.

In dem Brief erklärte Christopher Young von der Plattform-Betreiberfirma Transocean, dass BP mit der Unterschrift akzeptiert habe, dass das provisorische Ventil die Widerstandskraft des Sicherheitssystems "vermindert" und damit "die Risiken erhöht" habe. Ein BP-Sprecher sagte der "Washington Post" hingegen, Transocean sei allein für die Änderungen am Bohrloch verantwortlich.

"Deepwater Horizon" - Protokoll einer Katastrophe

AP
Von den ersten Sicherheitsbedenken bis zur Öl-Katastrophe - SPIEGEL ONLINE rekonstruiert das Desaster um die Bohrplattform "Deepwater Horizon".

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BP-Geschäftsführer Bob Dudley hatte am Sonntag eingeräumt, dass die Ölpest "katastrophal" sei. Und es könnte noch schlimmer kommen: Zum Wochenbeginn rechnen Experten mit der massiven Verseuchung eines Küstengebiets westlich des Mississippi. Insgesamt wird befürchtet, dass in den nächsten Tagen immer mehr Öl an vorgelagerten Inseln vorbei in die zahlreichen kleinen Buchten und ins Marschland des US-Staates Louisiana dringt.

Ein Versuch, den anhaltenden Ölstrom ins Wasser zu stoppen, soll nach Dudleys Worten jetzt am Dienstagabend oder am frühen Mittwochmorgen amerikanischer Zeit beginnen. Ursprünglich war das Vorhaben, das Bohrloch durch den Beschuss mit einer schweren Schlammmasse zu schließen, für Sonntag geplant. Nach BP-Angaben dauern die Vorbereitungen länger als gedacht, weil die Aktion so kompliziert ist. Ob sie erfolgreich ist, wird nach Medienberichten allerdings erst eine Woche später feststehen. In die Operation sind drei große Schiffe und 16 Unterwasser-Roboter eingebunden.

Klappt das Manöver nicht, soll die sprudelnde Ölquelle zum Verstopfen mit Golfbällen und Gummiteilen bombardiert werden. Danach gebe es noch andere Möglichkeiten, sagte Dudley dem Sender CNN. "Wir werden es immer weiter versuchen, wir werden nicht bis August warten." Bis dann sollen die Bohrarbeiten an zwei Nebenzugängen zum Hauptbohrloch abgeschlossen sein. Dadurch würde BP eine schwere Flüssigkeit und Zement einleiten, um die Quelle für immer zu versiegeln.

wit/Reuters/AFP/dpa/dpa-AFX/apn

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Seite 1
ALG III 23.05.2010
1. Driving Range
Zitat von sysopBP hat es immer noch nicht geschafft, das Bohrloch im Golf von Mexiko zu verschließen. Der US-Regierung gehen langsam Geduld und Vertrauen in den mächtigen Konzern aus. Innenminister Salazar sieht sogar die Existenz des Unternehmens in Gefahr. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,696413,00.html
Great! - Ich seh Dudley und die restlichen BP-Bosse schon am Strand stehen und ihre Golfbälle auf-teen. Unsere Weltelite ist einfach unschlagbar.
L0k3 23.05.2010
2. er sieht die existenz in gefahr?
Na das wohl zu recht. Die Kosten werden Bp auffressen allein die Schadensansprüche für Fischer und Co. Das wird sich diesmal nicht so einfach per Gericht in Wohlgefallen auflösen lassen. Allein wenn die Küsten anderer Staaten verdreckt werden blüht BP einiges. Und wenn das Öl dne Golfstrom erreichen sollte wird BP kaum noch die Kosten stemmen können. Dann dürfen die USA auch ihren Teil zur bewältigung der Katastrophe tragen müssen. Der bisherige Schaden an Natur und Wirtschaft dürfte sich jetzt schon auf mehrere 100 Mrd. belaufen.
Psion13, 23.05.2010
3. Nur durch Schaden wird der Mensch klug!!!
Anstatt auf Solarenergie zu setzen, hält eine große Anzahl von Menschen - offensichlich mit fehlendem Verstand - am Erdöl fest. Die nächste Katastrophe ist also schon vorprogrammiert.
delinquent 23.05.2010
4. Ja und?
Zitat von sysopBP hat es immer noch nicht geschafft, das Bohrloch im Golf von Mexiko zu verschließen. Der US-Regierung gehen langsam Geduld und Vertrauen in den mächtigen Konzern aus. Innenminister Salazar sieht sogar die Existenz des Unternehmens in Gefahr. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,696413,00.html
Ah ja, ich kombiniere.Da man b ereits jetzt die Existenz des Unternehmens BP in Gefahr sieht,könnte man vermuten das eine frühzeitige Insolvenz als Kostengünstige Alternative zu gigantischen Kollateralschäden im Öko-System in Erwägung gezogen wird.Die Schäden können dann auf Kosten der betroffenen Staaten beseitigt werden.---Und BP bekommt einen neuen Namen---so einfach ist das.---MfG!
tomcatXXX 23.05.2010
5. Golfbälle und Gummiteile
Warum nicht mit Wattebäuchschen danach werfen? Leider wird das ganze am Ende zu einer der grössten Umweltkatastrophen dieses Jahrhunderts werden. Der Golf von Mexico auf Jahrzehnte so versaut, dass ausser ein paar Einzellern nichts mehr lebendes darin vorkommen wird. Und Frau Palin findet das Off shore bohren nach wie vor toll. Der richtige (falsche) Kommentar, zur richtigen (falschen) Zeit von der kompetentesten Frau in Sachen Ölförderung. Auf jeden Fall werden die Anreinerstaaten des Golfs jetzt ein paar Jahrzehnte Zeit haben um über den Preis der Gier nach dem schwarzen Gold nachzudenken. Bittere Ironie des Schicksals: Es traf diesmal nicht irgendwelche "Pennerstaaten" nach denen kein Hahn kräht. Es traf die Nation, die sich nach wie vor durch den welthöchsten Energiekonsum/Einwohner negativ hervorhebt, die bis heute nicht bereit ist, ihren Lebensstandard auch bloss einen Deut umweltfeundlicher zu gestalten. Die Nation, die massgeblich für das Scheitern des Klimagipfels in Kyoto verantwortlich ist. Aber Hauptsache der Rubel, äh, der Dollar rollt und die Strände in Kalifornien und Florida sind sowieso viel schöner als in Misisippi und Louisiana. The Show will go on.
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