Opec-Deal Wie teuer Benzin und Heizöl jetzt werden

Die Opec drosselt ihre Förderung, auch Ölgigant Russland macht mit. Droht jetzt ein Preisschub bei Benzin und Heizöl? Nicht unbedingt, sagen Experten.

Ölförderung in Sibirien
REUTERS

Ölförderung in Sibirien


Nach dem Opec-Deal werden auch russische Konzerne werden die Ölförderung zurückfahren. Das gab Energieminister Alexander Nowak am Donnerstag in Moskau bekannt. Ab sofort werde Russland, das nicht Mitglied in der Organisation Erdöl exportierender Länder ist, seine Tagesförderung um etwa 300.000 Barrel kürzen. Ein Barrel sind 159 Liter.

Die Opec hatte am Vortag beschlossen, die Ölproduktion in der ersten Hälfte 2017 um 1,2 Millionen auf 32,5 Millionen Barrel täglich zu kürzen. Damit soll der Preis in die Höhe getrieben werden.

Tatsächlich reagierten die Ölpreise seit Mittwoch mit einem Höhenflug auf den Beschluss, der sich am Donnerstag mit etwas weniger Tempo fortsetzte. Der Preis für Nordsee-Öl etwa ist seit Mitte November um mehr als 20 Prozent gestiegen. Er erreichte am Donnerstag mit 54,36 Dollar zeitweise den höchsten Stand in diesem Jahr.

Experten sind sich jedoch uneinig, inwieweit der Ölpreis nun steigt - und Verbraucher mit höheren Benzin- und Heizkosten rechnen müssen.

Kurzfristig Auftrieb, langfristig Schwankungen

"Dies könnte den Ölpreis in Bereiche zwischen 50 und 60 Dollar pro Barrel schicken", kommentierte Bob Minter, Stratege bei Aberdeen Asset Management. "Die Leute hatten schon ernsthaft begonnen, an der Fähigkeit der OPEC zu zweifeln, auf die Geschehnisse am Ölmarkt reagieren zu können", schreibt Minter. Diese Entscheidung bestätige die Fähigkeit der Opec als Gruppe zu handeln.

Analysten des Bankhauses Goldman Sachs rechnen sehen den US-Ölpreis WTI künftig zwischen 55 und 56 Dollar. Die Experten von Morgan Stanley erwarten ein Preisband von 50 bis 60 Dollar, wenn die Opec die Produktionskürzung beibehalte.

Kurzfristig dürften die Preise also steigen. Langfristig hingegen erwartet die Internationale Energieagentur (IEA) stärke Schwankungen. Denn bei einem Betrag von etwa 60 Dollar pro Barrel würde wieder mehr Öl aus den USA auf den Markt kommen, sagte IEA-Chef Fatih Birol am Donnerstag auf einer Energiekonferenz in Bratislava.

"Was heißt das? Wieder mehr Druck auf die Preise, viel Öl und die Nachfrage wird das Öl nicht ganz aufnehmen können." Denn ein Anstieg des Marktpreises könnte zu größerer Produktion aus den USA oder anderen Ländern führen, die bei 45 Dollar pro Fass nicht profitabel fördern könnten, wohl aber bei 55 bis 60 Dollar.

ssu/dpa-AFX/Reuters



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frank1980 01.12.2016
1. Ölproduktion
" 45 Dollar pro Fass nicht profitabel fördern könnten, wohl aber bei 55 bis 60 Dollar." Sowas nennt sich Marktwirtschaft und ist tatsächlich etwas anderes als ein von einem Kartell festgelegter Preis. Man kann nur hoffen das dies dazu führt das die Zeit des traumhaften Luxus in so manchem Golf land beendet ist.
warlock2 01.12.2016
2. es geht nur um Geld!
Überfall sind Absprachen verboten. Nur beim Öl wird gejubelt. Bekloppt.
pterodactylus 01.12.2016
3. Wer jubelt?
Eigentlich hieß es nur, dass die Preise steigen sollen. Was "erfreulich" ist, ist dass ein niedriger Ölpreis für eine schwache Konjunktur steht. M.E. eine falsche Nutzung eines Indikators. Aus Umweltsicht ist es jedoch positiv zu sehen: ein höherer Ölpreis macht Umweltfreundliches profitabler und zwingt mehr Firmen/Personen, in neue Technologien zu investieren. Ja, es geht ums Geld, aber mehr/weniger Geld beeinflusst eben auch das Verhalten der Marktteilnehmer und kann mehr zur Besserung der Umwelt beitragen als Politiker, die meist eh nicht überblicken, was sie jetzt wieder anrichten in ihrer Ideologie. Insofern finde ich: ja, ein höherer Ölpreis ist vorteilhaft, weil er letztenendes die Umwelt und Ressourcen schont, sowie Staaten, die davon leben, vor der Pleite bewahren kann (siehe Venezuela) und somit auch dort das Leben stabilisiert.
mazzmazz 02.12.2016
4. Hype
Als das Barrel 100 USD kostete, war der Sprit teuer. Jetzt sprechen wir von 10-20%, also der Liter Sprit nicht mehr 1,30 sondern 1,50. Wen juckt das? Wenn uns der Ölpreis so sehr stört, könnten wir ja aus der Energiewende aussteigen und E-Autos fahren. Da der Deutsche das nicht möchte, muss er nun eben etwas mehr an der Zapfsäule bezahlen.
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