Überangebot Ölpreise fallen weiter

Die Talfahrt bei den Ölpreisen hält an. Die Opec kann die Fördermenge nicht eindämmen, die Lager sind voll. Der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent ist auf unter 45 Dollar gefallen.

Ölförderung im US-Bundesstaat Texas
REUTERS

Ölförderung im US-Bundesstaat Texas


Seit Wochen fallen die Ölpreise immer weiter und drücken damit auch Aktienindizes wie den Dax. Die richtungweisende Sorte Brent aus der Nordsee verbilligte sich am Donnerstag um weitere 0,6 Prozent auf gut 44,50 Dollar je Barrel (159 Liter). US-Leichtöl WTI gab um 0,5 Prozent nach auf 42,30 Dollar, nachdem es zuvor auf den tiefsten Stand seit August gefallen war.

Nach wie vor drücken Händlern zufolge Spekulationen auf ein anhaltendes Überangebot die Kurse. Am Mittwoch hatte ein etwas stärker als erwartet ausgefallener Rückgang der wöchentlichen US-Vorräte nur vorübergehend gestützt.

Am Markt schwindet offenbar das Vertrauen, dass die Förderkürzung der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) das Überangebot an Rohöl eindämmen kann. Dies hatte die Ölpreise am Vortag jeweils unter das Niveau vor dem Opec-Beschluss im November fallen lassen. Auch haben Libyen und Nigeria ihre Förderung wieder hochgefahren. Der zuvor herrschende Optimismus am Ölmarkt sei verschwunden, meinte Eugen Weinberg, Experte bei der Commerzbank.

Außerdem lastet nach Ansicht von Experten die steigende US-Produktion auf den Kursen. "Öl ist billig, weil die USA fracken, was der Schiefer hergibt, und damit die Entscheidung der Opec, bis März 2018 weniger zu fördern, verpufft", sagte Ulrich Stephan, Anlagestratege der Deutschen Bank.

Die 13 Staaten der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) und elf weitere Länder hatten im Mai eine Verlängerung ihrer Ölproduktionsgrenze um neun Monate bis März 2018 beschlossen, um die Preise zu stabilisieren. Mitte 2014 hatte ein Fass Öl noch mehr als 100 Dollar gekostet, im ersten Halbjahr 2017 sind die Preise bereits um rund 20 Prozent gefallen.

Wie wurde Öl zum wichtigsten Rohstoff der Welt? Wer beherrscht den Markt? Und warum sinkt der Benzinpreis nicht unbedingt mit, wenn der Ölpreis fällt? Alle Antworten finden Sie hier - in unserem Erklärformat "Endlich verständlich".

nck/Reuters/dpa

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charly05061945 22.06.2017
1. Usa
Ist Fracking bei den derzeitigen Rohölpreisen überhaupt noch kostendeckend (ähnliches gilt für die Ölsandförderung) oder will man andere Förderländer aus politischen Gründen in die Knie zwingen?
w.diverso 22.06.2017
2. Ist das nicht ein bisschen naiv gedacht?
Zitat von charly05061945Ist Fracking bei den derzeitigen Rohölpreisen überhaupt noch kostendeckend (ähnliches gilt für die Ölsandförderung) oder will man andere Förderländer aus politischen Gründen in die Knie zwingen?
Wie soll die Regierung der USA Privatfirmen dazu bringen mit Verlust Öl zu fördern? Dazu müssten sie die unendlich fördern, was sie aber scheinbar nicht machen. Es wurde auch das Fracking weiterentwickelt, und ist nun schon bei niedrigeren Ölpreisen wirtschaftlich. Der Hauptgrund für den (vernünftigen) niedrigen Ölpreis ist eher, dass die Förderländer ihre Ausgaben an den früheren höheren Ölpreis angepasst haben und jetzt dringend Geld brauchen. Die Absprachen bei der OPEC sind doch ohnehin nur Schall und Rauch, niemand hält sich daran. Es ist zu erwarten, dass sich der Rohölpreis die nächsten 3-5 Jahre so zwischen 45 und 55 Dollar bewegt. Die Ausnahme wären kapitale Unruhen in Gegenden mit großer Ölförderung. Das könnte die Preise schon etwas pushen.
smith to go 22.06.2017
3. Glücksfall
Es erfreut den Verbraucher. Nur die Prinzen am Golf müssen sich etwas mäßigen beim Bau von Skigebieten in der Wüste. Und Feldherr Wladimir Wladimirowitsch hat etwas weniger Geld seine mobilen Urlauber ohne Hoheitsabzeichen...
smith to go 22.06.2017
4. Glücksfall
Es erfreut den Verbraucher. Nur die Prinzen am Golf müssen sich etwas mäßigen beim Bau von Skigebieten in der Wüste. Und Feldherr Wladimir Wladimirowitsch hat etwas weniger Geld seine mobilen Urlauber ohne Hoheitsabzeichen...
MartinHa 22.06.2017
5. Wieso fällt der Dax, wenn die Rohölpreise fallen?
Wieso fällt der Dax, wenn die Rohölpreise fallen? Dies scheint mir doch eher Zufall zu sein. Es sollte die Wirtschaft doch eher stützen, wenn die Ölpreise sinken. - @charly05061945: Da die Unternehmen, die Fracking betreiben, privat sind, wird es sich beim jetzigen Preis schon lohnen. Die Fixkosten werden vielleicht nicht ganz hereingespielt, aber der Verlust wird eben verringert. Die variablen Kosten sind wohl nur ca. $15-20 pro Barrel.
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