Offener Schlagabtausch Media-Saturn gelähmt vom Eigentümerstreit

Der Machtkampf um Europas größte Elektronikhandelskette Media-Saturn eskaliert. Minderheitseigner Erich Kellerhals und der Handelsriese Metro liefern sich einen Schlagabtausch auf offener Bühne.

Media-Markt-Filiale: Streit um das Geschäftskonzept
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Media-Markt-Filiale: Streit um das Geschäftskonzept


Düsseldorf/Bad Wiessee - Bei Europas größter Elektronikhandelskette Media-Saturn hängt der Haussegen schief. Die beiden Eigentümer - der Handelsriese Metro Chart zeigen und Media-Markt-Gründer Erich Kellerhals - überziehen sich mit Vorwürfen und Beschuldigungen. Dabei bräuchten Media Markt und Saturn derzeit eigentlich eindeutige Vorgaben von oben, schon wegen der harten Online-Konkurrenz.

Denn die Geschäfte bei Media Markt und Saturn laufen längst nicht mehr so gut wie früher. Der Siegeszug der Online-Händler stellt das bisherige Geschäftsmodell der Handelsketten immer stärker in Frage. Lautstarke Werbung wie einst das berühmte "Geiz ist geil" reicht in Zeiten des Internets nicht mehr aus - denn inzwischen kann jeder Kunde mit einem Mausklick die Preise vergleichen.

Zwar versuchen Media Markt und Saturn nach langem Zögern inzwischen, mit eigenen Online-Angeboten verlorenen Boden gutzumachen. Das aber erweist sich als mühsam und vor allem als teuer. Die Gewinne der Sparte schrumpften allein im wichtigen Weihnachtsquartal um rund 13 Prozent.

Jeder gibt dem anderen die Schuld

Kellerhals, der durch Media Markt zum Milliardär wurde, gibt der Metro die Schuld an der unbefriedigenden Geschäftslage. Der Handelsriese verwalte die Elektronikmarktketten nur noch. Von unternehmerischer Führung könne keine Rede sein, schimpfte Kellerhals am Dienstag über den Geschäftspartner. Es fehle an Experimentierfreude und Mut zur Innovation.

Natürlich sieht die Metro die Sachlage ganz anders. Kellerhals sei es gewesen, der lange Zeit "die Ausrichtung von Media-Saturn auf eine sich verändernde Welt behindert und verzögert" habe. Er habe sich gegen den rechtzeitigen Start in den Online-Handel gesperrt, heißt es bei der Metro.

Der Vorstand der Metro und die Geschäftsführung der Media-Saturn-Holding reklamieren für sich, wichtige Entscheidungen zur Zukunftsfähigkeit von Media Markt und Saturn durchgesetzt zu haben - und zwar gegen den Widerstand von Kellerhals, wie ein Konzernsprecher am Dienstag erklärte.

Appell von Aktionärsschützern

Der Machtkampf bei Media Saturn dauert nun schon seit drei Jahren an. Damals versuchte der ehemalige Metro-Chef Eckhard Cordes quasi im Handstreich das Vetorecht, über das Kellerhals in der Gesellschafterversammlung verfügt, zu schwächen. Er richtete einen Beirat für wichtige operative Weichenstellungen ein, in dem die Metro das Sagen hatte. Doch der Versuch, für klare Machtverhältnisse zu sorgen, führte zum Dauerkonflikt. Kellerhals wehrt sich seitdem erbittert gegen den Machtverlust.

Für die Aktionärsschützerin Jella Benner-Heinacher von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) ist der Schlagabtausch ein Graus. "Diese Streitereien zwischen den Gesellschaftern sind überhaupt nicht zielführend. Sie bringen das Geschäft von Media-Saturn nicht nach vorne." Der Schlagabtausch produziere nur negative Schlagzeilen. "Man sollte zügig eine Lösung finden, wie auch immer, damit man sich wieder um das Geschäft kümmern kann", drängt sie.

Denn die Herausforderungen für die Elektronikkette sind gewaltig, wie der Handelsexperte Thomas Roeb von der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg betont. "Das Schlüsselproblem von Media Markt und Saturn ist, dass sie sich über Jahrzehnte als Preisbrecher positioniert haben und diese Rolle im Online-Geschäft nicht durchhalten können". Für dieses Problem sehe er keine naheliegende Lösung, meint der Experte. Und auch das Online-Geschäft habe Media-Saturn wegen seines späten Starts noch nicht wirklich im Griff. "Das Internet verzeiht es nicht, wenn sie zu spät kommen", meint Roeb. Eigentlich hat Media-Saturn also keine Zeit für interne Querelen.

mik/dpa



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