Offensive US-Konzern will deutsches Kabelgeschäft kontrollieren

Er leitet den größten Kabelkonzern außerhalb der USA - und will auch in Deutschland die Macht über die Netze. Nach einem Zeitungsbericht plant der US-Medienunternehmer John Malone die Übernahme aller deutschen Betreiber. Nach NRW und Hessen ist als nächstes wohl Baden-Württemberg dran.
John Malone: Der US-Manager hat schon einmal den Einstieg in Deutschland versucht

John Malone: Der US-Manager hat schon einmal den Einstieg in Deutschland versucht

Foto: ? Rick Wilking / Reuters/ REUTERS

Düsseldorf - Wenn schon, denn schon: Der amerikanische Medienunternehmer John Malone plant weitere Übernahmen auf dem deutschen Kabelmarkt. Sein langfristiges Ziel sei es, alle großen deutschen Kabelanbieter zu übernehmen. Dafür visiere er zunächst Kabel Baden-Württemberg (Kabel BW) an, berichtete das "Handelsblatt" aus dem Umfeld von Malones Konzern Liberty Global.

Im vergangenen November hat Malone 3,5 Milliarden Euro für den zweitgrößten deutschen Kabelnetzbetreiber Unitymedia geboten. Die EU-Kommission muss der Übernahme noch zustimmen.

Die Unity-Übernahme ist allerdings nur der erste Schritt in Malones Deutschland-Plan. Ziel ist ein bundesweites Kabelangebot. Unitymedia ist nur in Nordrhein-Westfalen und Hessen vertreten. "Es macht für Malone keinen Sinn, nur in zwei Bundesländern aktiv zu sein", heißt es in der Branche.

Schon einmal Übernahme versucht

Die Eigentümer von Kabel Deutschland und Kabel BW wollen ohnehin verkaufen. Kabel BW gehört dem schwedischen Finanzinvestor EQT, Kabel Deutschland dem amerikanischen Private-Equity-Unternehmen Providence.

Der Kabelkonzern Liberty Global  , den John Malone als Chairman kontrolliert, hat in Europa 15 Millionen Kunden in elf europäischen Ländern, darunter in den Niederlanden, Belgien, Polen, Tschechien, Österreich und in der Schweiz. Das Unternehmen ist der größte Kabelbetreiber außerhalb der USA. Es erzielte zuletzt Erlöse von 10,6 Milliarden Dollar. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) lag bei 4,7 Milliarden Dollar.

Malone wollte bereits Anfang des Jahrzehnts die Kabelnetze von der Deutschen Telekom   übernehmen, die später an verschiedene Anbieter gingen. Er war jedoch 2002 vom Bundeskartellamt gestoppt worden.

böl/dpa-AFX
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