Offshore-Strom Bau von Europas Hochseewindparks nimmt Tempo auf

Der Windpark-Bau vor Europas Küsten geht voran: Laut einer Branchenbilanz, die SPIEGEL ONLINE vorliegt, sind im ersten Halbjahr Anlagen mit einer Leistung von mehr als 1000 Megawatt ans Netz gegangen - fast so viel wie im kompletten Vorjahr. Der deutsche Beitrag ist allerdings bescheiden.
Hochseewindpark in der Nordsee: Boom in Europa

Hochseewindpark in der Nordsee: Boom in Europa

Foto: Ingo Wagner Bremen/ picture alliance / dpa

Hamburg - Der Ausbau der Hochseewindenergie vor Europas Küsten ist deutlich gestiegen. Das geht aus einem Bericht hervor, den die europäischen Windenergie-Agentur (EWEA) am Freitag veröffentlichen will und der SPIEGEL ONLINE vorab vorliegt.

In der EU wurden demnach von Januar bis Juni Anlagen mit einer Leistung von 1045 Megawatt in Betrieb genommen. Das entspricht ungefähr der Leistung eines kleinen Atomkraftwerks und ist der größte Zubau in einem Halbjahr. Zum Vergleich: In ganz 2012 waren in Europa Offshore-Anlagen mit einer Leistung von 1166 Megawatt in Betrieb genommen worden, in ganz 2011 Anlagen mit rund 800 Megawatt.

Angetrieben wird der Bau-Boom auf hoher See vor allem von zwei Ländern: Rund die Hälfte der neuen Hochseewindparks wurden in Großbritannien errichtet, ein weiteres Drittel in Dänemark. Der deutsche Beitrag dagegen ist gering. In der Bundesrepublik gingen im ersten Halbjahr dieses Jahres insgesamt 21 neue Offshore-Windkraftanlagen ans Netz - mit einer Gesamtleistung von 105 Megawatt.

Zwar wurde damit in Deutschland in den vergangenen sechs Monaten mehr Leistung installiert als in ganz 2012. Insgesamt aber schreitet der Ausbau in Deutschland weit langsamer voran als angepeilt. Die Bundesregierung strebt offiziell 10.000 Megawatt an neu installierter Offshore-Leistung bis 2020 an, derzeit sind aber nur Anlagen mit einer Leistung von 395 Megawatt in Betrieb.

Auch die Zukunftsaussichten sind wenig rosig. Laut einem Projektbericht für den Netzbetreiber Tennet sind bislang überhaupt nur Windparks mit einer Leistung von 2900 Megawatt durchfinanziert. Bis 2023 rechne man nur mit einer Leistung von 3700 bis 5900 Megawatt der deutschen Offshore-Windparks.

Die deutschen Hochseewindmüller geben sich dennoch optimistisch. Allein im ersten Halbjahr dieses Jahres seien die Fundamente für weitere 155 Offshore-Windräder installiert worden, sagte Ronny Meyer, Geschäftsführer der Windenergie-Agentur WAB. Hier liege Deutschland im ersten Halbjahr sogar vor den großen Offshore-Windnationen Großbritannien und Dänemark.

ssu