Wiesn 2021 vor dem Aus Münchens Oberbürgermeister sieht kaum noch Chancen fürs Oktoberfest

Dem Münchner Oktoberfest droht wegen der Coronapandemie auch 2021 eine Absage und damit wirtschaftlich erneut ein Milliardenschaden. Eine »Wiesn light« hat Wirtesprecher Inselkammer bereits vor Wochen abgelehnt.
Theresienwiese in München (2020): Corona ist mehr als eine »Wiesngrippe«

Theresienwiese in München (2020): Corona ist mehr als eine »Wiesngrippe«

Foto:

Peter Kneffel/ dpa

Der Sprecher der Wiesnwirte, Peter Inselkammer, schätzte die Chancen Anfang des Monats noch auf »fifty-fifty« – laut Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter wird die Absage des Oktoberfests auch in diesem Jahr nun aber immer wahrscheinlicher.

Im vorigen Jahr sei er fest davon ausgegangen, dass es 2021 das Oktoberfest wieder geben wird, sagte der SPD-Politiker der »Bild«-Zeitung . »Die Hoffnung wird von Woche zu Woche schwächer, wenn man ehrlich ist.«

Schon 2020 war das Oktoberfest wegen der Coronakrise ausgefallen, 2021 sollte auf der Theresienwiese eigentlich ab 18. September wieder das Bier in Strömen fließen. »Stand heute könnte es nach den geltenden Regelungen nicht stattfinden«, stellte der OB nun fest.

Man könne nicht sagen, dass die Pandemie in irgendeiner Art am Abklingen sei. »Und deswegen kann man sich derzeit nur schwer vorstellen, dass es der Welt größtes Volksfest geben kann.« Bereits vor wenigen Wochen hatte sich Reiter zurückhaltend zu den Chancen einer Wiesn in diesem Jahr geäußert.

»Die Leute wollen kommen«

Die Genehmigung oder Absage des Fests dürfte in den kommenden Wochen politisch heiß diskutiert werden, zumal nur gut eine Woche nach dem geplanten Beginn am 18. September Bundestagswahl ist. Bei den Festzelten stapeln sich den Wiesnwirten zufolge bereits die Reservierungsanfragen.

»Die Leute wollen kommen«, hatte Inselkammer vor wenigen Wochen gesagt. Die allermeisten Stammgäste hätten schon jetzt ihre Plätze gesichert. »Nur nur ganz wenige haben abgesagt.« Bei den Hotelbuchungen gebe es allerdings noch merkliche Zurückhaltung. Die meisten Reservierungen kämen von Gästen aus München und der Region; es gebe aber auch Anfragen aus dem Ausland. Inselkammer zeigte sich damals zuversichtlich. »Aber es hängt natürlich vor allem von den Impfungen ab.«

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) indes hat sich wie Reiter allerdings bereits skeptisch geäußert, hatte zuletzt aber noch keine abschließende Bewertung abgeben wollen. Reiter sagte nun der »Bild«-Zeitung, dass er die mögliche Absage im Mai mit Söder klären wolle. Es würde Sinn ergeben, Entscheidungen für alle großen Volksfeste in Bayern zu treffen. »Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass solche Feste aus infektiologischen Gründen nicht zu verantworten sind.«

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Wiesnwirte gegen abgespeckte Version

In normalen Jahren kommen in den beiden Festwochen sechs Millionen Besucher zum größten Volksfest der Welt. Sie trinken, singen und feiern in den Zelten auf engstem Raum. Ohne wirksamen Impfschutz böte das Fest alle Voraussetzungen für ein internationales Superspreader-Event.

Den Wirten zufolge ist Anfang Juni der späteste Zeitpunkt für eine Absage oder Zusage zum Oktoberfest. »Dann müssten wir die Aufbaufirmen beauftragen«, sagt Inselkammer. Er positionierte sich auch klar gegen eine Wiesn light: »Eine abgespeckte Version ist keine Wiesn. Das wollen wir nicht«, sagte er. »Mit Masken, begrenzten Plätzen und Abstand im Zelt: Das ist wirtschaftlich sinnlos – und das ist auch keine Wiesn, wie wir sie lieben und wollen. Das macht keinen Spaß.«

Die Wirte würde eine erneute Absage viel Geld kosten. Allein Inselkammer veranschlagt die laufenden Kosten ohne Wiesn auf 400.000 Euro. Der Wirtschaftswert des weltweit größten Volksfestes liegt bei 1,2 bis 1,3 Milliarden Euro.

apr/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.