Studie zum Onlinehandel Wissenschaftler fordern Ende der kostenlosen Rücksendung

Die Deutschen lieben Bestellungen im Internet - doch ein großer Teil geht retour. Das macht Müll und schadet dem Klima. Forscher wollen nun gesetzliche Rücksendegebühren. Wenige Euro würden reichen.
Paketzusteller bei der Arbeit

Paketzusteller bei der Arbeit

Foto: Sven Simon/ imago images

Ein Paar wenige Klicks, schon geht die Bestellung in die Post. Keine Frage, das Einkaufen mit dem Handy oder Computer ist komfortabel. Und tatsächlich shoppen die Verbraucher in Deutschland immer mehr im Internet. Aber jedes sechste Paket wird wieder zurückgeschickt. Um Müllberge und Klimabelastung zu reduzieren, könnte eine gesetzlich vorgeschriebene Rücksendegebühr helfen. Das erklären Wirtschaftsforscher der Universität Bamberg in einer am Mittwoch veröffentlichten Studie.

Schon eine Rücksendegebühr von rund drei Euro könnte die Zahl der Retouren um 16 Prozent senken, erwarten die befragten Onlinehändler. Bei 490 Millionen zurückgeschickten Artikeln im vergangenen Jahr entspräche das etwa 80 Millionen Retouren weniger. Das würde dem Klima fast 40.000 Tonnen CO2 ersparen, sagt Studienleiter Björn Asdecker.

Am Ende könnte es für viele Kunden sogar billiger werden

Zudem könnten die Preise sinken, denn der Handel kalkuliert die Kosten der Rücksendungen natürlich mit ein. Kunden, die weniger zurückschicken, könnten also sparen. Mit Retourengebühr würde der "E-Commerce grüner und gerechter", erklären die Bamberger Wirtschaftswissenschaftler in ihrer Studie.

Die befragten Händler stehen für 5,5 Milliarden Euro Onlineumsatz. Nur 15 Prozent von ihnen erheben Rücksendegebühren, vor allem kleinere Händler. Sie berichteten von einem minimalen Umsatzrückgang, aber wegen niedrigerer Kosten eher positiven Folgen beim Gewinn. Auch beim Marktführer Amazon gibt es bei einem Teil des Sortiments keine kostenlosen Retouren.

Die Mehrheit der kleinen Händler würde portofreie Rücksendungen gerne streichen, befürchtet aber Nachteile im Wettbewerb. Diese Sorge sei bei einer gesetzlichen Mindestgebühr und somit gleichen Spielregeln für alle jedoch deutlich geringer, erklärten die Wirtschaftsforscher.

Die Big Player bangen um ihren Wettbewerbsvorteil

Für viele große Händler dagegen seien kostenlose Rücksendungen ein strategischer Vorteil im Wettbewerb. Auch der Bundesverband bevh warnt: "Eine gesetzlich verpflichtende Rücksendegebühr würde einen staatlichen Eingriff in Markt und Wettbewerb darstellen, der stets nur das letzte Mittel im Fall eines Marktversagens sein darf. Erkenntnisse aus der Studie reichen nach unserer Einschätzung nicht aus, diese Frage zu entscheiden."

Ein Viertel aller heutigen Retouren ließen sich nach Einschätzung der Bamberger Forscher durch für alle Kleiderhersteller verbindliche Größenangaben und eine funktionierende Onlinegrößenberatung sparen. Artikel in drei Größen und drei Farben bestellen, einen behalten, das ist heute gängige Praxis: Bei Kleidung und Schuhen geht fast die Hälfte der Pakete zurück.

jok/dpa