Absatzeinbruch Miserable Zahlen für den neuen Opel-Chef

Der Autobauer Opel ist im ersten Halbjahr 2012 tiefer in die Krise gerutscht. Das Unternehmen verkaufte in Europa nur noch rund 457.000 Fahrzeuge - und damit 15 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Den neuen Chef erwartet eine schwierige Aufgabe.

Opel-Werk in Eisenach: Die Nachfrage bleibt schwach
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Opel-Werk in Eisenach: Die Nachfrage bleibt schwach


Frankfurt am Main/München - Der neue Opel-Chef startet seinen Job mit einer schweren Bürde: Der Absatz des Autobauers ist im ersten Halbjahr weiter geschrumpft. Zusammen mit der britischen Schwestermarke Vauxhaull verkaufte das Unternehmen in Europa 15 Prozent weniger Fahrzeuge als noch ein Jahr zuvor. Damit lag der Rückgang bei Opel gut doppelt so hoch wie im Durchschnitt aller Automarken. Der Marktanteil des Unternehmens ging von 7,6 Prozent auf 6,9 Prozent zurück. Das teilte der Herstellerverband ACEA am Dienstag mit.

Damit zählt Opel zu den größten Verlierern unter den Pkw-Herstellern. Die Absatzkrise in Europa ist eines der drängendsten Probleme, die der neue Opel-Chef in den Griff bekommen muss. Wer den Posten bekommen soll, will der Aufsichtsrat des Unternehmens noch an diesem Dienstag entscheiden. Als aussichtsreichster Kandidat gilt der bisherige Strategie-Vorstand Thomas Sedran, der Opel wohl nur vorübergehend leiten soll.

Opel hatte vergangenen Donnerstag den Rücktritt von Karl-Friedrich Stracke bekanntgegeben. Derzeit führt der Opel-Aufsichtsratschef Stephen Girsky kommissarisch die Geschäfte. Girsky ist Spitzenmanager beim amerikanischen Opel-Mutterkonzern General Motors (GM).

GM schreibt mit Opel in Europa seit Jahren Verluste - und rechnet offenbar nicht damit, dass sich die Lage in absehbarer Zeit bessert. Wie das "Wall Street Journal" berichtet, rechnet der US-Konzern auch für den Rest des Jahres mit roten Zahlen im Europageschäft. Dies dämpfe die zuvor geäußerte Hoffnung auf eine Erholung in der zweiten Jahreshälfte. Im ersten Quartal dieses Jahres hatte Opel 198 Millionen Euro Verlust gemacht. Die Zahlen für das zweite Quartal sollen im August veröffentlicht werden.

Die IG Metall erwartet, dass auch der künftige Chef die bisherigen Vereinbarungen erfüllt. Wichtigster Punkt ist die Standort- und Beschäftigungsgarantie für das Werk Bochum mit mehr als 3000 Arbeitnehmern, die bisher bis 2014 gilt. Die Arbeitnehmer haben bislang auf die tariflich vereinbarte Gehaltserhöhung verzichtet, um Bereitschaft zur Kostenreduzierung zu signalisieren. Im Gegenzug wollen sie eine Bestandsgarantie bis 2016. Ex-Chef Stracke hatte bereits Verhandlungsbereitschaft signalisiert. Die Lösung dürfte allerdings bedeuten, dass das Bochumer Werk 2017 geschlossen wird.

stk/Reuters/dapd/AFP

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Seite 1
HB8 17.07.2012
1. ....
...liegt das nun am Management oder an den Autos von Opel an sich? Was hat Opel nicht, was andere Hersteller haben? Ähnliche Modellpalette, Angebote in verschiedenen Preissegementen,... Im Grunde alles vorhanden, um auf dem Markt erfolgreich zu sein. Eventuell muss sich Opel daran gewöhnen, dass für sie kein Platz mehr auf dem Markt ist
key_art 17.07.2012
2.
Erst treibt man die Menschen in Armut: durch Zeit- und Leiharbeit, Billiglöhne, Hartz-IV und dann wundert man sich, wenn der Automarkt im unteren Marktsegment nicht brummt. Das geht in Italien ja genau so los. Frau Merkel ist nicht bewusst, was die Politik von Milton Friedman für Folgen haben wird bzw. es interessiert sie nicht. Die Zusammenhänge: weniger Konsum --> mehr Firmenpleiten kennt sie ja aus der ex DDR nicht, wo es gar keinen Konsummarkt im westlichen Sinne gab. Die hinter der sozialen Marktwirtschaft steckende Denkart nach Henry Ford: "Autos können keine Autos kaufen" ist ihr völlig fremd. Lieber unterstützt sie die Eliten, so war es drüben doch auch. Das Volk war eine gesichtslose Masse, die vor allem dumm gehalten werden sollte, damit es ohne Widerstand funktioniert. Im Prinzip macht sie das heute nach einer ähnlichen Strategie.
SmallSmurf 17.07.2012
3. <eom/>
Zitat von sysopDPADer Autobauer Opel ist im ersten Halbjahr 2012 tiefer in die Krise gerutscht. Das Unternehmen verkaufte in Europa nur noch rund 457.000 Fahrzeuge - und damit 15 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Den neuen Chef erwartet eine schwierige Aufgabe. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,844837,00.html
Egal wer da kommen mag. Solange die Mutter GM sich weigert den Markt für Opel auch ausserhalb Europas zu öffnen und die Gewerkschaften hierzulande auf Jobsicherheit und Standorterhaltung pochen, wird es bald kein Opel geben. Die Opelmitarbeiter sollten sich mal überlegen womit Ihnen mehr geholfen ist. Mit einer Blockadehaltung Ihrer Gewerkschaftsvertreter und einem anschließend insolventen Autobauer oder das Hinnehmen von Einschnitten wie Jobabbau und Standortschließung. Fakt ist, wenn Opel in Insolvenz geht und die Mitarbeiter auf der Straße stehen, müssen die Gewerkschaftsvertreter nicht in der Schlange stehen und auf Ihr ALG warten.
Haarspalter 17.07.2012
4. Opel-Bashing?
Zitat von HB8...liegt das nun am Management oder an den Autos von Opel an sich? Was hat Opel nicht, was andere Hersteller haben? Ähnliche Modellpalette, Angebote in verschiedenen Preissegementen,... Im Grunde alles vorhanden, um auf dem Markt erfolgreich zu sein. Eventuell muss sich Opel daran gewöhnen, dass für sie kein Platz mehr auf dem Markt ist
Geht es anderen Herstellern besser? Wenn man hört, das PSA auch einen massiven Stellenabbau plant, dann doch wohl nicht. Da Opel ja nur in Europa verkaufen darf und Europa sich gerade zu Tode spart, geht das natürlich nicht spurlos an einer Firma vorbei.
wakaba 17.07.2012
5.
Unfähiges Management, verwässerte Konzepte. Die *deutschen* Produkte sind in jeder Beziehung schlecht und am Markt vorbeiermarktet. Opel kann man einstampfen. Opel kann als Brand von Holden weiterleben: Badge-Lineup: Commodore, Ute, Colorado, Volt, Camaro. Grosszügige Autos mit Hinterradantrieb, anständig grosse Motoren, günstige Preise, ordentliche Marge, dazu als Luxus ein subventionierter Hybrid und ein gutes, günstiges Werkstattnetz ohne Erlebnisswelten. Achso, das war Opel ja schon mal bis Anfang Achtziger. So wies heute betrieben wird ists einfach nur unseriös.
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