Standort Rüsselsheim Opel-Belegschaft bietet Lohnkürzung an

General Motors will die Produktion des Opel Astra aus Deutschland abziehen. Die Belegschaft im Stammwerk Rüsselsheim möchte den Standort dagegen erhalten - und würde dafür sogar niedrigere Löhne akzeptieren.

Insignia-Produktion in Rüsselsheim: Mitarbeiter kämpfen um volle Auslastung des Werks
dapd

Insignia-Produktion in Rüsselsheim: Mitarbeiter kämpfen um volle Auslastung des Werks


Rüsselsheim - Die Sorge um die Zukunft der Fertigung im Opel-Stammwerk Rüsselsheim ist groß. So groß, dass der Betriebsrat sogar bereit ist, eine Lohnkürzung zu akzeptieren. Noch vor wenigen Tagen hatte er dies kategorisch ausgeschossen.

"Die Arbeitnehmerseite hat vorgeschlagen, die Investitionen für Produktion der nächsten Astra-Generation zu übernehmen, wenn sie nach Rüsselsheim kommt", erfuhr die Nachrichtenagentur dpa aus Gewerkschaftskreisen. Um die vom Management geplante Verlagerung der Rüsselsheimer Astra-Fertigung nach England und Polen zu verhindern, würden die Beschäftigten auf Lohnbestandteile in Höhe von etwa 35 Millionen Euro verzichten.

Der Insider bestätigte zudem einen Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", demzufolge die nächste Generation des für Opel sehr wichtigen Astra von 2015 an nur noch im englischen Werk in Ellesmere Port und im polnischen Gliwice vom Band rollen solle. Laut "FAZ" will der amerikanische Mutterkonzern General Motors (GM) die Produktion des Kompaktwagens Astra aus Hessen abziehen, um die jahrelangen Verluste der Traditionsmarke zu beenden.

Auch Opel-Vorstandschef Karl-Friedrich Starcke hatte die Meldung am Vormittag bestätigt, wenn auch indirekt, indem er auf die große Bedeutung des Werks Rüsselsheim für die Produktion des Mittelklasse-Modells Insignia hinwies. "Rüsselsheim ist das einzige Insignia-Werk im europäischen Produktionsverbund und genießt damit ein Alleinstellungsmerkmal. Es ist einer unserer modernsten Standorte, von dem wir uns weitere Effizienzverbesserungen versprechen, um zusätzliche Investitionen zu tätigen." Den Astra erwähnte er nicht.

Der Versicherung Starckes schenken die Opel-Betriebsräte wenig Vertrauen: Wenn im Stammwerk nur noch der Insignia vom Band rolle, so fürchtet ein Gewerkschafter, würde dies den Standort mittel- oder langfristig existentiell bedrohen. "Wegen der Unterauslastung würde damit der modernste Standort extrem teuer und somit ins Aus getrieben."

Chronischer Verlustbringer

Vergangenes Jahr liefen in Rüsselsheim rund 149.800 Insignia vom Band, zudem 12.600 Einheiten des nahezu baugleichen Schwestermodells Buick Regal für den US-Markt. Die Astra-Produktion begann in Rüsselsheim erst 2011. Insgesamt liefen in diesem Jahr dort nur 18.300 Einheiten des Golf-Konkurrenten vom Band - insgesamt wurden europaweit 328.900 Einheiten produziert.

Offiziell soll die Standortentscheidung Mitte Mai verkündet werden, schreibt die "FAZ" unter Berufung auf führende Gewerkschafter. Diese beziehen sich auf Aussagen des GM-Vizechefs Stephen Girsky, der Vorsitzender des Opel-Aufsichtsrats ist. Betriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug sagte der Zeitung: "Wir bestehen darauf, dass Rüsselsheim der dritte Astra-Standort bleibt." Ein Unternehmenssprecher wollte der Zeitung zufolge den Sachverhalt unter Verweis auf noch laufende Gespräche nicht kommentieren.

Der Astra ist neben dem Corsa das mit Abstand wichtigste Opel-Modell. Außer dem Kompaktwagen, der laut Produktionsplan in Rüsselsheim ein Drittel der Kapazität auslasten soll, wird dort nur der Insignia produziert.

Die Produktion in Rüsselsheim ist verhältnismäßig teuer für Opel. Die Beschäftigten würden übertariflich bezahlt, schreibt die "FAZ". In England und Polen seien die Belegschaften billiger und flexibler.

Opel ist seit Jahren ein Verlustbringer im GM-Konzern - nicht zuletzt auch wegen strategischer Fehlentscheidungen in der Konzernzentrale in Detroit. Im vergangenen Quartal hatte der Konzern in seinem Europageschäft einen Verlust hinnehmen müssen. Das Minus lag bei operativ 256 Millionen Dollar. Im Vorjahreszeitraum waren Opel und die britische Schwestermarke Vauxhall noch knapp im Plus gelandet. Dann jedoch gingen die Verkäufe wegen der Schuldenkrise deutlich zurück und am Ende des Jahres stand ein hoher Verlust.

mik/dpa/Reuters



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pefete 07.05.2012
1. Lohnkürzung
Wie schlimm ist das denn? Das Managment reibt sich die Hände, weil die Belegschaft das Mißmanagment durch Lohnverzicht unterstütz?! Auf sowas muss man erstmal kommen. Ich meine damit, das (Miß-)Mangment. Wahrscheinlich langfristig geplant. Bis die Arbeitnehmer es (endlich) akzeptiert haben.
Meckerliese 07.05.2012
2. so ist es immer
Den Leuten Angst machen damit sie auf Lohn verzichten. So kann man auch die Löhne drücken. Ist so gewollt. Da muss schon kein Arbeitskampf her.
inx_1 07.05.2012
3. langfristig geplant
Na ich glaube der Plan lag schon lange in der Schublade. Was will man da mit Lohnverzicht retten ? Ich meine, haben die "Opelaner" keine monatlichen Kosten die beglichen werden müssen ? Lieber ein Ende mit Schrecken .... na Sie wissen schon.
VerHartzter 07.05.2012
4. BGE jetzt!
Zitat von pefeteWie schlimm ist das denn? Das Managment reibt sich die Hände, weil die Belegschaft das Mißmanagment durch Lohnverzicht unterstütz?! Auf sowas muss man erstmal kommen. Ich meine damit, das (Miß-)Mangment. Wahrscheinlich langfristig geplant. Bis die Arbeitnehmer es (endlich) akzeptiert haben.
Nicht nur das. Wenn die Löhne tief genug sind, wird über Aufstockung Opel weiter vom Steurzahler subventioniert. Dazu kommt noch, dass die AN freiwillig ihre zukünftigen ALGI Bezüge kürzen, wenn sie eh nicht direkt in ALGII fallen. Mit Ansage sauber ins eigene Knie geschossen *facepalm* Ach so. Wenn Opel wie Schlecker den Weg in die Insolvenz geht (was ich vermute) braucht Beck sich nicht um eine Auffanggesellschaft kümmern, weil es die schon gibt. Hervoragend aufgestellt, mit Erfahrung und kompetenten Mitarbeitern. Nennt sich Bundesanstalt für Arbeit oder ArGe. Wenn die SPD dann doch eine Auffanggeselschaft gründet gibt sie zu, dass die Agende 2010 der größte Mist aller Zeiten war.
Pizza No.7 07.05.2012
5. Bewusstsein
Zitat von sysopdapdGeneral Motors will die Produktion des Opel Astra aus Deutschland abziehen. Die Belegschaft im Stammwerk Rüsselsheim möchte den Standort dagegen erhalten - und würde dafür sogar niedrigere Löhne akzeptieren. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,831770,00.html
Das ist nur dann begrüssenswert, wenn sich die Marktchancen für den "Astra" in der Folge aufgrund sinkender Preise erhöhen. Auch Opelaner sind sich bewusst, daß nur ein nachhaltiger Erfolg des Produktest ihre Arbeitsplätze sichert. Mir ist leider grundsätzlich schleierhaft, wieso man in Deutschland für Kleinwagen derartig freche Preise verlangen kann, die offenbar - zumindest gilt das für VW oder Audi - klaglos bezahlt werden. Bei Opel gilt das nicht. Die haben ein zu schlechtes Image. Also ist die Reaktion der Opelaner folgerichtig.
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