Proteste bei Opel in Eisenach Konzernchef Tavares pocht auf harten Sparkurs

Bei Opel verhärten sich die Fronten zwischen Belegschaft und der französischen Mutter Peugeot. Trotz Protesten und guten Zahlen drängt Konzernchef Tavares auf einen Lohnverzicht.
Opelaner protestieren in Eisenach, Thüringen

Opelaner protestieren in Eisenach, Thüringen

Foto: Jens-Ulrich Koch/ dpa

Wegen der geplanten Sanierung der Opel-Werke in Deutschland geht die Belegschaft mit dem Mutterkonzern Peugeot SA (PSA) auf Konfrontationskurs. Während im Thüringer Eisenach Opelaner gegen geplante Kürzungen protestieren, besteht PSA-Chef Carlos Tavares beim Aktionärstreffen in Frankreich weiter auf harte Einsparungen.

PSA setzte bereits in Frankreich und auch Großbritannien Sparmaßnahmen durch und will nun auch die deutschen Werke auf Kurs bringen. So pochte Tavares gemeinsam mit Opel-Chef Michael Lohscheller auf einen Lohnverzicht der Beschäftigten, um die Arbeitskosten hierzulande auf das niedrigere Niveau des Gesamtkonzerns zu drücken.

Opelaner demonstrieren in Eisenach

Die Sanierungsgespräche für die deutschen Opel-Werke sind bisher ohne Ergebnis geblieben. Die IG Metall wirft PSA Erpressung vor und fordert einen detaillierten Unternehmensplan. Die Gewerkschaft befürchtet, dass der Mutterkonzern mit einem Kahlschlag in Deutschland die Firma gefährden könnte.

PSA, zu dem auch die Marken Peugeot, Citroën und DS gehören, hatte Opel im vergangenen Sommer übernommen. PSA hat allerdings zugesagt, keine Werke in Deutschland zu schließen und keine betriebsbedingten Kündigungen auszusprechen.

Dennoch steht laut Gewerkschaften vor allem das kleinste Werk in Eisenach auf der Kippe. Dort kamen am Dienstag Beschäftigte, Gewerkschafter und Thüringer Landespolitiker zusammen, um vor dem Werkstor gegen das Ende der Eisenacher Opel-Produktion zu protestieren.

Nach Angaben der IG Metall ist bisher nur die Produktion eines großen Geländewagens mit einer Jahresstückzahl von unter 100.000 Fahrzeugen für Eisenach im Gespräch. Damit hätten nur knapp 1000 der derzeit 1800 Beschäftigten eine Perspektive, sagte ein Gewerkschaftssprecher. Nur mit zwei Automodellen könne der Standort demnach profitabel arbeiten.

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) rief bei der Veranstaltung Unternehmens- und Arbeitnehmervertreter zur Rückkehr an den Verhandlungstisch auf. "Die Differenzen müssen dort ausgeräumt werden", sagte er. Ramelow forderte PSA zur Einhaltung von Zusagen und Tarifverträgen auf. Zuvor hatte bereits Bundeskanzlerin Angela Merkel an den französischen Konzern appelliert.

Tavares: "Das Unternehmen wieder auf die Schienen bringen"

Einen schnellen Abschluss der Verhandlungen sehe er nicht, sagte hingegen PSA-Chef Tavares beim Aktionärstreffen des Autokonzerns, das ebenfalls an diesem Dienstag stattfand. "Das wird noch einige Wochen dauern", sagte der Manager. "Seien Sie nicht überrascht, das wird noch etwas Lärm machen. Das ist ein Teil dessen, was man machen muss, um dieses Unternehmen wieder auf die Schienen zu bringen." Er wies darauf hin, dass es in Großbritannien, Polen, Spanien, Ungarn und Österreich bereits Vereinbarungen mit den Sozialpartnern gebe.

Seit der Übernahme durch PSA seien die Fixkosten bei Opel bereits um 17 Prozent gesunken, so Tavares. Der Konzernumsatz stieg im ersten Vierteljahr inklusive Opel kräftig um gut 42 Prozent auf rund 18,2 Milliarden Euro. Auf die Opel-Sparte - dazu gehört auch die britische Schwestermarke Vauxhall - entfiel dabei ein Umsatzanteil von 4,84 Milliarden Euro.

ans/dpa/AFP/Reuters